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Musikstreamingdienst : Spotifys verrückter Börsengang

Über 140 Millionen Menschen streamen ihre Lieblingslieder über Spotify. Bild: Illustration iStock, Bearbeitung F.A.S.

Das Musikportal Spotify will an die Börse. Ein öffentliches Angebot wird es aber nicht geben, sondern nur ein Listing. Wer profitiert davon und wie wird der Wert des Unternehmens berechnet?

          Vor ziemlich genau zehn Jahren haben zwei junge Schweden die Musikwelt revolutioniert. Sie heißen Daniel Ek und Martin Lorentzon, haben das Start-up namens Spotify gegründet und es geschafft, eine zeitgemäße Form des Musikkonsums durchzusetzen: weg von der CD als früher gängigem Tonträger und weg vom sich damals ausbreitenden Trend, sich Musiktitel herunterzuladen, womöglich sogar illegal. Ek und Lorentzon schufen zwar nicht den ersten Dienst, der das Musikstreaming – also das Abrufen von Liedern aus dem Netz – zum Geschäftsmodell gemacht hat, aber den bei weitem erfolgreichsten. Spotify ist mit 140 Millionen Nutzern in 61 Ländern die unangefochtene Nummer eins unter den Musikstreamingdiensten. Und das trotz großer Konkurrenten wie Apple und Amazon oder auch Deezer und Tidal.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun will das Start-up an die New Yorker Börse. Dieses Vorhaben von Spotify, das bei der jüngsten privaten Finanzierungsrunde mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet wurde und inzwischen auf bis zu 20 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist an sich schon aufregend genug, sind innovative Technologiefirmen doch bei Anlegern heiß begehrt. Doch anders als Hunderte anderer Firmen Jahr für Jahr strebt Spotify keinen üblichen langwierigen und teuren Börsengang an, sondern hat sich offenbar für ein anderes Verfahren entschieden. Die Schweden wollen direkt an der Wertpapierbörse New York Stock Exchange (NYSE) gelistet werden: also ohne sich an einen möglichst großen Kreis von Anlegern zu wenden.

          Wählt Spotify diesen Weg, könnten andere Start-ups wie der Zimmervermittler Airbnb oder der Fahrdienst Uber womöglich nachziehen. Mit unliebsamen Folgen nicht nur für Investmentbanken, die an jedem Börsengang Millionen verdienen, sondern auch für Anleger, die sich an diesen vielversprechenden Unternehmen beteiligen wollen. Für ein merkwürdiges Vorgehen halten dies viele deutsche Vermögensverwalter, die unter anderen Bedingungen eine Spotify-Aktie durchaus interessant fänden.

          Ein Börsengang ist eine eingespielte Angelegenheit. Ziel eines Unternehmens ist es in der Regel, durch die Ausgabe von Aktien frisches Geld für weiteres Wachstum oder den Abbau von Schulden zu erhalten. Also beauftragt die Firma ein Konsortium von Banken und allerlei anderen Experten. Ist ein Businessplan ausgearbeitet sowie eine Story, die Anleger zu überzeugen verspricht und die in einem Börsenprospekt ausführlich dargelegt wird, präsentiert sich der Börsenkandidat auf einer sogenannten Road Show und steht interessierten Investoren Rede und Antwort.

          Am Ende legen die beteiligten Banken eine Preisspanne und letztlich den Preis fest, zu dem eine Aktie ausgegeben wird. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, teilen die Banken die Aktien zu. Dabei achten sie darauf, dass genügend Profi-Anleger wie Fondsgesellschaften zum Zuge kommen, die für eine gewisse Qualität stehen und von denen zu erwarten ist, dass sie die neuen Aktien nicht nur zeichnen, um schnell Kasse zu machen, sondern um sie länger zu halten.

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