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Crash-Propheten : Die Panik ist ein gutes Geschäft

Angespannte Lage auf dem Parkett? Bild: dpa

Crash-Propheten sehen ihre Stunde gekommen, wenn es an der Börse turbulent zugeht: Fehlentwicklungen werden dramatisiert, positive Kräfte ignoriert.

          André Kostolany wusste schon vor Jahrzehnten, wie manche Leute mit der Börse Geschäfte machen wollen. „Es sind viele Leute, die an einer Panik Interesse haben“, sagte der legendäre Börsianer, der über Jahrzehnte hinweg für die Aktie als langfristige Kapitalanlage geworben hatte, in einem Interview. „Die Panik ist ein gutes Geschäft.“ Spätestens seit dem deutlichen Fall der Aktienkurse in der vergangenen Woche sehen viele Propheten des Untergangs ihre Stunde wieder gekommen.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Ganz verstummt waren sie auch in den vergangenen Jahren nicht. Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken weckte Sorgen vor einer Hochinflation oder vor Blasen an den Finanzmärkten, die mit Getöse in sich zusammenfallen würden. Der lange Konjunkturaufschwung in den Vereinigten Staaten lässt seit Jahren Stimmen ertönen, die vor einem baldigen Fall Amerikas in eine Rezession warnen. Nach dem Brexit prophezeiten berühmte Ökonomen ebenso wie nach der Wahl Donald Trumps schwere Turbulenzen, die bis heute nicht gekommen sind.

          Natürlich existieren Risiken für Wirtschaft und Finanzmärkte, und es ist wichtig, sie sachlich zu analysieren und vorzutragen. So warnte der Internationale Währungsfonds kürzlich vor zweifellos existierenden Gefahren, die aus einer hohen staatlichen und privaten Verschuldung in der Welt existieren, aber gleichzeitig erwartet er eine Fortsetzung des Aufschwungs der Weltkonjunktur.

          Krisen können kreative Kräfte freisetzen

          Es ist eine andere Sache, Risiken zu dramatisieren und Angst zu erzeugen, um eigene Geschäfte voranzutreiben. Der amerikanische Politikwissenschaftler Daniel W. Drezner hat in einem im Jahr 2017 erschienenen Buch gezeigt, wie Angst und Schrecken in diesem Sinne genutzt werden. „Man muss die Menschen erst zu Tode erschrecken. So bekommt man die Kunden zu sich ins Büro“, lautet das Motto.

          „Bestimmte Fehlentwicklungen werden als Indikation für einen allgemeinen Niedergang genommen; positive Entwicklungen oder ein differenzierteres Gesamtbild hingegen ignoriert“, konstatiert Karl-Heinz Thielmann, Geschäftsführer der auf langfristige Kapitalanlage spezialisierten Long-Term Investing Research AG in Karlsruhe. Nach seiner Ansicht gehören Krisen und Korrekturen zur Börse, nur müsse sich ein langfristig ausgerichteter Anleger darum nicht kümmern, denn schwierige Zeiten wecken in einer Marktwirtschaft Selbstheilungskräfte. „Gerade die letzte Krise hat einige kreative Kräfte freigesetzt, die sich im aktuellen Technologieboom und Börsenaufschwung spiegeln“, sagt Thielmann: „Im Gegensatz dazu verbreiten Katastrophenwarner den Eindruck, dass es immer nur negative und destruktive Folgen gibt.“

          Manche Propheten des Crashs scheinen ihre eigenen Prognosen selbst nicht allzu ernst zu nehmen und ihre Schlagzeilen rasch ins Gegenteil zu verkehren, wenn sich der Wind an der Börse dreht. So hieß es am 11. Oktober in einem Kommentar im „Handelsblatt“, nachdem die Aktienkurse rund um den Globus deutlich gefallen waren: „Der globale Börsenabsturz ist Vorbote für den großen Crash. Der Börseneinbruch der vergangenen Woche kündigt eine dramatisch schwierige Zeit an. Es ist ein giftiger Cocktail, der den Investoren zuletzt serviert wurde.“

          Wenige Tage später, die Börsen hatten sich gefangen, war dann in einem Artikel des „Handelsblatts“ zu lesen: „So günstig waren Dax-Werte seit Jahren nicht mehr – eine Chance für Anleger. Im Dax fallen die Kurse schneller, als die Gewinnerwartungen sinken. Viele Aktien werden dadurch immer preiswerter. Für Anleger ergeben sich so Chancen.“ Und der Verfasser des Crash-Kommentars, der kurz zuvor noch der Meinung war, man müsse mehrere Jahre auf neue Einstiegskurse warten, stellte auf Twitter die herausfordernde Frage: „Wer traut sich?“ Diese Episode erinnert an eine andere These Thielmanns: „Der Abstand zwischen neuen Katastrophengeschichten ist eher fünf Tage als fünf Jahre.“

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