https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/spdr-etf-sorgen-fuer-mehr-liquiditaet-am-anleihenmarkt-16953087.html

ETF-Anbieter SPDR : ETF sorgen für mehr Liquidität am Anleihenmarkt

SPDR-Deutschlandchef Stefan Kuhn Bild: Unternehmen

Aktien-ETF sind derzeit wenig begehrt, vielmehr Gold- und Themenfonds sowie Anleihenprodukte. Gerade letzteres habe strukturelle Gründe, sagt SPDR-Deutschlandchef Stefan Kuhn.

          3 Min.

          Börsengehandelte Indexfonds, kurz ETF, haben sich innerhalb weniger Jahre zu einem beliebten Instrument entwickelt, mit dem Anleger auch schon einmal kurzfristig an den Märkten spekulieren. In Europa haben Investoren haben in den vergangenen Monaten deutlich mehr Mittel in ETF gesteckt als im langfristigen Durchschnitt. Ein Teil davon mag auf die Rückkehr von Mitteln zurückzuführen sei, die im März abgezogen wurden, doch diese 25 Milliarden Euro waren schon im Juni wieder aufgeholt.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch wer sind die Käufer? „Ich kann nur bedingt bestätigen, dass dies nur Privatanleger sind“, sagt Stefan Kuhn, Deutschlandchef des ETF-Anbieters SPDR, der zur Fondsgesellschaft State Street gehört und rund um die Welt drittgrößter Anbieter der börsengehandelten Indexfonds ist. Im von Blackrock und iShares dominierten europäischen Markt gehört SPDR indes eher zu den mittelgroßen Marktteilnehmern. „Richtig ist, dass Privatanleger durchaus unterwegs sind und sich institutionelle Anleger auf diesem Marktniveau etwas schwerer tun. Aber die Struktur der Mittelzuflüsse sagt etwas anderes.“

          Dabei seien die aktuellen Mittelzuflüsse nicht unbedingt spekulativ getrieben, auch wenn die Profis häufig lieber Spezialfonds nutzten, um strategische Geldanlagen zu tätigen. Das sei für diese öfter auch noch billiger als ein ETF. „Aber es ist auch eine Zeit- und Kostenfrage, ob sie immer gleich ein Mandat ausschreiben. Deswegen werden ETF von Institutionellen gern für kurzfristige Anlagen genutzt, aber auch etwa wenn es darum geht, leichte Anpassungen in der Positionierung vorzunehmen.“

          Aktien-ETF sind weniger gefragt

          Gegen die These spekulativer Aktienmarktanlagen spricht auch, dass Aktien-ETF gar nicht so gefragt seien, wie Kuhn berichtet. Nach Daten des ETF-Anbieters Lyxor stiegen die Mittel in Aktien-ETFs im laufenden Jahr um weniger als zwei Milliarden Euro. Dagegen seien von den 56 Milliarden Dollar, die insgesamt in ETF flossen, 27 Milliarden in Renten-ETF gesteckt worden, sagt Kuhn. „Gefragt waren zudem auch Rohstoff-ETF und unter diesen besonders diejenigen, die in Gold investieren, besonders in Europa.“ Die Anleger hätten auf diese Weise, ihre Portfolio-Risiken an die derzeitigen Umstände angepasst, wobei sich immer die Frage stelle, ob das denn auch so bleiben werde.

          Die Tatsache, dass Renten-ETF so begehrt seien, habe aber auch einen strukturellen Grund. „Die Liquidität des Rentenmarktes hat in den vergangenen Jahren stark nachgelassen. Große Blöcke, etwa von 100 Millionen Euro, sind kaum noch handelbar. Aber in einem ETF verteilt sich dies auf ungefähr 200 Anleihen. Dadurch streuen ETF die Liquidität und das funktioniert.“

          Man sage immer, ETF seien nur so liquide wie die Basiswerte, in die sie investierten. Hier aber schafften sie eine zweite Schicht Liquidität, nicht zuletzt auch dadurch, dass die Market Maker verkaufte Anteile in der Regel auf das eigene Buch nähmen und nicht beim Anbieter gegen die Basiswerte eintauschten – und zwar eben weil die ETF-Anteile leichter zu handeln seien als die Basiswerte selbst. Und generell sei der Markt für Anleihen-ETF institutionell geprägt. Zwar hätten auch Privatbanken diese – wohl für ihre Kunden – entdeckt, weil eben ein „Bond-Picking“ wie einst nicht mehr möglich sei, aber das sei eben nur ein Teil des Trends.

          Neben Anleihen-ETF seien derzeit auch thematische ETF gefragt, eine bisweilen nicht unumstrittene Anlage, bei der den Anbietern oft vorgehalten wird, das seien kurzfristige und spekulative Produkte. „Unser Ziel ist es gar nicht, Themen zu finden, die kurzfristig funktionieren“, sagt Kuhn dazu. „Deswegen bieten wir das an, was sich bewährt hat und das sind in erster Linie unsere Sektor-ETF. In diesem Jahr sind vor allem Gesundheit, höherwertige Konsumgüter und Technologie gefragt.“ Obwohl letzterer älter sei, profitiere er nun unter anderem vom Trend zum Homeoffice und habe durch die Covid-19-Pandemie neuen Schub bekommen.

          Mit Blick auf den Aktienmarkt sei man derzeit „vorsichtig konstruktiv“. „Der ökonomische Datenkranz und die Marktentwicklung wollen nicht zusammenpassen“, sagt Kuhn. „Die Investoren sind derzeit hin- und hergerissen zwischen der Überzeugung, dass der Markt zu weit gelaufen ist und dass die Wirtschaftsdaten besser sind als befürchtet.“ Dabei gebe es durchaus noch andere Themen wie den amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt oder eben die Präsidentenwahlen in Amerika.

          „Die Wall Street hat keine Angst vor einem Präsidenten Biden. Aber es gibt Unterschiede.“ Bleibe Donald Trump, der die Börse auch als einen Gradmesser des eigenen Erfolges betrachte, so werde der Aktienmarkt in seiner Gesamtheit weiterlaufen. „Wird Biden Präsident, wird es spannender, aber nicht negativ. Bidens Haltung zum Aktienmarkt ist weniger eindeutig positiv. Da wird es darauf ankommen, welche Strömungen sich bei den Demokraten am Ende durchsetzen.“ Hinsichtlich des Handelskonflikts erwartet Kuhn nicht unbedingt große Änderungen. „Biden ist vor allem weniger laut als Trump, aber protektionistische Strömungen gibt es auch unter den Demokraten.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Frau dreht am Thermostat einer Heizung.

          F.A.Z. exklusiv : Deutlich höhere Heizkosten für Millionen Haushalte

          Millionen Fernwärmekunden müssen sich auf heftige Preiserhöhungen einstellen. Laut einem Regierungsentwurf sollen Stadtwerke und Betreiber die gestiegenen Beschaffungskosten weitergeben können – und das schon bald.
          Im Jahr 2000 wurde die EEG-Umlage zur Finanzierung von Wind- und Solaranlagen eingeführt.

          Ende der EEG-Umlage : Wer zahlt jetzt für den Ökostrom?

          Am heutigen Freitag fällt die Abgabe für den Ausbau von Ökostrom weg. Der Strompreis wird dennoch kaum sinken. Hier kommen die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Wendepunkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.