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Hilfe für die Landesbank : Sparkassen zurren Rettungsplan für Nord LB fest

Die Zentrale der Norddeutschen Landesbank in Hannover Bild: dpa

Die geplante Stützung des Instituts aus Hannover kommt voran. Gleichzeitig geht die Diskussion über eine Super-Landesbank weiter. Doch nicht alle können der Idee etwas abgewinnen.

          Seit wenigen Wochen steht das Rettungskonzept für die Norddeutsche Landesbank. Jetzt haben auch die Sparkassen in Niedersachsen, die rund 26 Prozent der Nord LB kontrollieren, formell ihre Zustimmung erteilt. Auf ihrer Verbandsversammlung votierten die 42 Institute des Bundeslands in dieser Woche einstimmig für den Plan, der die Nord LB stärken und ihren Fortbestand als öffentlich-rechtliche Anstalt sichern soll. Thomas Mang, Verbandspräsident in Niedersachsen, machte am Donnerstag deutlich, dass die Entscheidung nicht leicht war. „Die Auffanglösung bedeutet einen Kraftakt für alle Beteiligten – und zwar als beste unter lauter schwierigen Alternativen.“

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Wegen fauler Schiffskredite und zu niedriger Kapitalquoten braucht die Nord LB frisches Kapital in Höhe von insgesamt 3,5 Milliarden Euro. Den größten Teil soll das Land Niedersachsen als Mehrheitseigner beisteuern, die Sparkassen-Finanzgruppe, also Sparkassen und Landesbanken aus ganz Deutschland, beteiligen sich mit 1,1 Milliarden Euro.

          Wie Mang am Donnerstag vorrechnete, entfallen davon 320 Millionen Euro auf die Sparkassen in Niedersachsen, die zudem ihre Beteiligung an der Nord LB, die vor einigen Jahren noch mit 1,2 Milliarden Euro in den Büchern stand und seither mehrfach wertberichtigt wurde, komplett auf den „Erinnerungswert“ von 1 Euro abschreiben. Das sei schmerzhaft, aber es gebe keine Sparkasse im Bundesland, die dadurch in eine Schieflage komme, sagte er. Sparkassen in Hessen und Thüringen sowie ihre Landesbank Helaba beteiligen sich mit 100 Millionen Euro an der Rettung, wie ebenfalls am Donnerstag bekanntwurde. Für die LBBW aus Stuttgart geht es um 80 Millionen Euro.

          Gleichzeitig feilen die Träger und das Management der Bank an einem Geschäftsplan für die weitere Entwicklung, der kommende Woche der Aufsicht vorgelegt werden soll. Auch die EU-Kommission wird die Stützung prüfen, was für alle Beteiligten heikel ist. Da die öffentlichen Eigner der Nord LB ein Angebot zweier Finanzinvestoren – Cerberus und Centerbridge – für eine Beteiligung an der Bank in den Wind geschlagen haben und stattdessen die Kapitallücke selbst füllen wollen, könnte Brüssel dies als nur unter Auflagen zu genehmigende Beihilfe sehen. Aus Sicht von Mang ist die Gefahr aber gering, schließlich seien die Träger schon lange mit der Kommission im Austausch und wüssten genau, worauf es ihr ankomme. Zur Offerte der Finanzinvestoren sagte er, diese sei nicht attraktiv gewesen, da Niedersachsen viele Altrisiken hätte abschirmen müssen. „Die Folgen wären nicht kalkulierbar gewesen.“

          Bilanzsumme könnte sich halbieren

          Fest stehe, dass die Bank kleiner und effizienter werden müsse. Sie stehe in den nächsten Monaten und Jahren vor einer „straffen Sanierung“, sagte Mang. Er betonte, dass Geschäftsfelder abgegeben, ausgelagert oder an andere Landesbanken verkauft werden könnten, etwa der Immobilienfinanzierer Deutsche Hypothekenbank, eine Ertragsperle. Auch die Tochtergesellschaft Braunschweigische Landessparkasse soll herausgelöst werden. Zudem ließ er durchblicken, dass das Geschäft mit Flugzeugfinanzierungen kleiner werden dürfte.

          In der Summe könnte dies dazu führen, dass sich die Bilanzsumme von zuletzt rund 160 Milliarden Euro auf 80 Milliarden Euro halbiert. Gleichzeitig müsse man darauf achten, die Geschäfte nicht so weit zusammenzustreichen, dass die Nord LB nicht mehr wirtschaftlich arbeiten könne. Sie müsse auch in der Zukunft in der Lage sein, „sehr respektable Kennzahlen“ zu liefern. Wie viele der aktuell rund 6000 Stellen wegfallen werden, ließ er offen.

          Mang kann sich auch vorstellen, dass die Konsolidierung der Landesbanken danach weitergeht und die Nord LB zum Nukleus für ein gemeinsames Spitzeninstitut des öffentlichen-rechtlichen Bankensektors wird, ein Projekt, für das der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Helmut Schleweis, schon seit Wochen trommelt. Rückendeckung für die Idee, die ganz im Sinne der EU-Kommission sein dürfte, kam am Donnerstag vom Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. „Wir würden uns konstruktiv darauf einlassen“, sagte dessen Präsident Gerhard Grandke in Frankfurt, machte aber deutlich, dass er hohe Hürden sieht. Widerstand kam dagegen aus Baden-Württemberg. Dort machte der Vorstandsvorsitzende der LBBW, Rainer Neske, abermals deutlich, dass er der Idee wenig abgewinnen kann. Er habe noch kein Argument gehört, warum eine „Super-Landesbank“ im Interesse der Träger der LBBW sei, sagte er. Daher will er bei einem solchen Projekt nicht mitmachen, zumindest nicht aktuell.

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