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Inflationssorgen : Debatte um geldpolitische Straffung lässt Renditen steigen

Die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland in Frankfurt Bild: dpa

Auslöser der Verkaufswelle sind die Inflationssorgen und der sich in den Vereinigten Staaten sowie in anderen Ländern abzeichnende Ausstieg aus der ul­tralockeren Geldpolitik.

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          Die Diskussion um eine geldpolitische Straffung der amerikanischen Notenbank belastet auch die europäischen Anleihemärkte. Die Renditen der Bundesanleihen sind in der zurückliegenden Woche deutlich gestiegen. Der Marktzins der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe lag am Freitag bei minus 0,174 Prozent. In den Tagen davor war sie zeitweise sogar über minus 0,1 Prozent gestiegen, das höchste Niveau seit Mitte Mai. An den Anleihemärkten ist der Anstieg der Renditen mit Kursverlusten verbunden. Mitte August lag die zehnjährige Rendite mit minus 0,5 Prozent noch deutlich tiefer.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auslöser der Verkaufswelle sind die Inflationssorgen und der sich in den Vereinigten Staaten sowie in anderen Ländern abzeichnende Ausstieg aus der ul­tralockeren Geldpolitik. Eine Drosselung der Anleihekäufe erwägt neben der amerikanischen Federal Reserve auch die Bank of England. Dort halten Analysten und Investoren sogar eine Leitzinserhöhung im Dezember für immer wahrscheinlicher. Einen solchen Schritt haben schon die Notenbanken in Neuseeland, Norwegen, Chile und zuletzt in Singapur gewagt.

          Die Zinserwartungen in den Industrieländern haben sich im laufenden Jahr von Senkungen auf Erhöhungen gedreht. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) steht unter Druck, gleichwohl hat sie ihren Ausblick für eine weiterhin expansive Geldpolitik mit umfangreichen Anleihekäufen noch nicht geändert. Doch die Hoffnung, dass die anziehende Inflation nur vorübergehender Natur und eine Folge der Corona-Lockdowns aus dem Vorjahr sei, hat sich auch in Europa deutlich abgeschwächt.

          Steigende Zinserwartungen treiben Abverkauf

          Trotzdem erwarten die Analysten der Commerzbank eine Erholung der Bundesanleihen, also steigende Kurse und wieder fallende Renditen. Der jüngste Abverkauf am Anleihemarkt sei nicht mehr vorrangig von steigenden Inflationserwartungen, sondern vielmehr von steigenden Zinserwartungen getrieben worden, kommentierte Commerzbank-Analyst Hauke Siemßen am Freitag. Die am Markt gehandelten Zinserwartungen erscheinen ihm überzogen. Sie seien nicht mehr mit der Forward Guidance, also dem geldpolitischen Ausblick der EZB, konsistent.

          Bundesanleihen dürften sich nach Ansicht von Siemßen deshalb kurzfristig weiter erholen. Risiken durch steigende Inflationserwartungen blieben aber bestehen. DZ-Bank-Analystin Sophia Oertmann sieht die zehnjährige Bundrendite wieder auf dem Weg zur Marke von minus 0,2 Prozent, die sie als Kompromiss zwischen steigenden Inflationssorgen und ultralockerer Geldpolitik betrachtet. Sie hält eine weitere Korrektur der zuletzt niedrigen Kursniveaus der Bundesanleihen für wahrscheinlich.

          Die Analysten der Bank of America verwiesen am Freitag auf die Implikationen aus den deutlich steigenden Energiepreisen. Diese stellten nicht nur ein Inflationsrisiko dar, sondern könnten auch das Wachstum beeinträchtigen. Zum einen schwächten höhere Energiepreise die Kaufkraft der Verbraucher, insbesondere in niedrigeren Einkommensklassen. Zum anderen drückten sie auf die Profitabilität der Unternehmen. Die Analysten erwarten nun, dass mehr EZB-Vertreter auf das Wachstumsrisiko verweisen werden.

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