https://www.faz.net/-gv6-9j8bv

Vor den Apple-Zahlen : Technologie-Aktien — ungewohnt schwach, aber begehrt

Wie attraktiv ist Apple noch? Bild: Reuters

Die jüngsten Geschäftszahlen der Technologie-Aktien zeigen ungewohnte Schwäche. Dennoch halten viele Anleger an ihnen fest. Ein Fehler?

          Die aktuelle Bilanzsaison scheint spannender denn je. Gerade mit Blick auf die Technologieaktien, die die Hausse der Jahre 2009 bis 2017 besonders geprägt hatten. Gleich zu Jahresbeginn hatte die ungewohnte Warnung des Elektronikkonzerns Apple vor schlechteren Geschäftszahlen die Anleger in Aufruhr versetzt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jetzt besteht die Befürchtung, es könne so weiter und der große Tech-Boom zu Ende gehen. Am Montag senkte der Grafikkarten-Spezialisten Nvidia die Schätzung für den Umsatz im vergangenen Weihnachtsquartal recht deutlich von 2,7 auf 2,2 Milliarden Dollar. Es sei ein „außerordentliches, ungewöhnlich turbulentes und extrem enttäuschendes Quartal gewesen“, sagte Nvidias Gründer und Chef Jensen Huang. Der Aktienkurs fiel um knapp 14 Prozent auf 138 Dollar.

          „Die enttäuschenden Zahlen von Nvidia haben die Ansicht untermauert, dass Chinas Wirtschaft sich abschwächt“, sagt Analyst David Madden vom Broker CMC Markets. Angesichts dieser Hiobsbotschaften und auch mit Blick auf den amerikanisch-chinesischen Handelszwist seien Aktienhändler „wieder etwas nervös geworden“. Das Ausmaß der Enttäuschung durch Nvidia deute auf eine bemerkenswerte Verlangsamung im Geschäft mit Datencentern hin, meint Analyst Mitch Steves von der Bank RBC.

          NVIDIA CORP. DL-,001

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Am Freitag schon hatte der Prozessorenbauer Intel über einen schwächeren Umsatz berichtet und einen verhaltenen Ausblick gegeben, was ebenfalls deutliche Kursverluste nach sich zog. Und Europas größter Softwarehersteller SAP konnte zwar zulegen, doch waren dafür eher Übernahmen verantwortlich. Die versprochene Wende bei der operativen Marge blieb dagegen aus. Mit 1,2 Prozent hielt sich das Minus des Aktienkurses allerdings in Grenzen. Mit einem Restrukturierungsprogramm will SAP fit für den Wettbewerb im Cloud-Geschäft werden. Mitarbeitern werde der Vorruhestand angeboten, es geht aber nicht darum, Kosten zu sparen. SAP sei ein Wachstumskonzern, bemühte sich Firmenchef Bill McDermott einen entsprechenden Eindruck zu verwischen.

          Apple wird am Abend einen ersten konkreten Einblick in sein Geschäft geben, nach dem Eingeständnis, dass das wichtige Weihnachtsgeschäft deutlich schlechter als erwartet verlief. Analysten dürften dabei vor allem auf die Prognose für das laufende Vierteljahr achten.

          APPLE

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Indes ist der Optimismus groß. So hat sich die Notiz der Apple-Aktie deutlich von dem Kursrutsch um rund 10 Prozent erholt, den die ursprüngliche Warnung ausgelöst hatte. Und die jüngsten Analystenstudien empfehlen die Aktie zum Kauf. Die Kennziffern dürften den vorab veröffentlichten Informationen entsprechen, heißt es von RBC. Entscheidend sei der Ausblick. Von der Bank UBS heißt es, die Schwäche im iPhone-Geschäft sei schon bekannt, dagegen werde die Marge im Dienstleistungsgeschäft mehr als 60 Prozent erreichen.

          Goldman Sachs wiederum hat die Aktie von SAP auf seiner Liste der Aktien belassen, von denen man überzeugt sei. Das vierte Quartal sei wie der Ausblick gemischt ausgefallen, aber die Umsatztreiber intakt, von 2020 an sollten die Margen zulegen.

          SAP

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Auch bei Nvidia bleibt die amerikanische Bank JP Morgan positiv, auch wenn sie das Kursziel von 245 auf 200 Dollar senkte. Die Nachfrage nach Grafikkomponenten aus der Gaming-Branche habe sich zum Ende vergangenen Jahres abgeschwächt, längerfristig aber dürften mehr Spiele auf die Produkte von Nvidia zurückgreifen. Der Experte senkte derweil die Schätzungen für das Geschäft mit Komponenten für Datencenter.

          Gegen den allgemeinen Optimismus, der kolportiert wird und der sich auch in vielen Börsenbriefen niederschlägt, haben Hedgefonds ihre Beteiligungen an Technologie-Aktien auf den niedrigsten Stand seit Juli 2016 reduziert.

          Und es ist nicht zu übersehen, dass wohl auch in dieser Berichtssaison das Wachstum der Technologie-Unternehmen dem breiten Markt hinterher laufen wird. Analysten rechnen mit einem weiter sinkenden Umsatzwachstum. Die Sorge beginnt sich breit zu machen, dass der Markt für Verbraucherelektronik Sättigungstendenzen zeigt und auch das Cloud-Computing nicht mehr in derselben Weise wächst wie zuvor. Die Erträge liegen deutlich unter dem Durchschnitt.

          Intel Corp

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Die negative Entwicklung des S&P-500-IT-Index wird nur noch von der Energiebranche übertroffen. Nun hoffen die Anleger auf Apple und Microsoft und eine Rally ähnlich der jüngsten der Chip-Aktien, die von den enttäuschenderen Ergebnissen von Intel nicht nachhaltig gestoppt wurde. Sie beruht darauf, dass die Ergebnisse besser waren als befürchtet. Anand Srinivasan, leitender Analyst bei Bloomberg Intelligence, warnt indes: Die Analystenschätzungen gäben die nachlassende Nachfrage im Smartphone- und Rechenzentrumsgeschäft noch nicht vollständig wieder. Der Handelskonflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten verschlimmere die Lage noch.

          In dieser Situation ist es eher von Nachteil, wenn die Kurse sich halten. Denn das erhöht die Bewertung der Aktien und damit das Rückschlagspotential. Die Frage ist, ob es sich um eine vorübergehende Schwäche handelt oder aber, ob hier eine Phase starken Wachstums zu Ende geht. Das aber wird sich frühestens in einigen Monaten zeigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson : Alles andere als irrwitzig

          Der neu gewählte Tory-Vorsitzende und künftige Premierminister Boris Johnson ist nicht „mad“. Verrückt ist nur die Lage des Landes – drei Jahre nach dem Brexit-Referendum. Ein Kommentar
          Der radikale Konzernumbau der Deutschen Bank führt zu Milliardenverlusten im zweiten Quartal 2019.

          In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.