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Sorgen um Musks Super-Firma : Teslas Anleihe auf Allzeittief

Nicht nur Teslas Autos bedürfen Pflege. Bild: dpa

Nicht nur Teslas Aktienkurs ist auf Talfahrt. Auch die Anleihe des Unternehmens notiert derzeit auf einem Allzeittief. Investoren schrecken dabei nicht nur die Unfälle der selbstfahrenden Autos.

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          An Tesla scheiden sich die Geister. Massiv. Während die einen sich fragen, wann dem Unternehmen das Geld ausgeht, glauben wieder andere dass Firmenchef und Gründer Elon Musk seine Prognose erfüllen wird, noch in diesem Jahr Gewinne zu erzielen.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Finanzmarkt allerdings ist sich zumindest die Mehrheit der Anleger offenbar sicher, dass ein Investment in Tesla derzeit keine gute Idee ist. Das zeigt sich nicht nur im Aktienkurs. Von einst 385 Dollar im September 2017 ist der Kurs mittlerweile auf 283,76 Dollar gefallen. Im gleichen Zeitraum ist der Index der Technologiebörse Nasdaq um fast 15 Prozent gestiegen.

          Gleichermaßen macht es sich am Anleihenmarkt bemerkbar. Der Kurs der mit 5,3 Prozent verzinsten Anleihe im Volumen von 2 Milliarden Dollar, die Tesla einen Monat bevor der Aktienkurs zu fallen begann, begeben hatte, ist seitdem von mehr als 99 Prozent des Nominalwerts auf mittlerweile 87 Prozent gesunken. Ein Minus, das mit dem des Aktienkurses korrespondiert, wenngleich es nicht dessen Größenordnung von 21 Prozent erreicht.

          Tesla

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          Tesla und vor allem Gründer Elon Musk haben sich in jüngster Zeit nicht allzu viele Freunde gemacht, schon gar nicht am Finanzmarkt. Mittlerweile wird darüber diskutiert, ob der Firmenchef nicht ein Psychopath sei. Auch der Vergleich mit Amerikas erratischem Präsidenten Donald Trump wird immer wieder gemacht.

          Wie dieser nutzt auch Musk den Kurznachrichtendienst Twitter, um Botschaften an seien Fangemeinde auszusenden. Wie dieser hat Musk jüngst begonnen, kritische Journalisten als unglaubwürdig zu beschimpfen, nachdem er vor einigen Monaten schon Finanzanalysten brüskiert hatte. Insgesamt hat es bisweilen den Anschein, als ob sich der Unternehmer mehr in Twitter-Debatten verstrickt als Problemlösungen aufzuzeigen. Einige Beobachter vermuten dahinter allerdings Methode, indem mit viel Getöse von den tatsächlichen Problemen abgelenkt wird.

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          Das beginnt damit, dass die Bonität der Anleihe angesichts der Tatsache, dass Tesla weiter liquide Mittel verbrennt, mit Noten wie „B-„ oder „Caa1“ sehr schwach eingeschätzt wird. Erst Ende März hatte die Agentur Moody’s ihr Bonitätsurteil noch einmal um eine Note gesenkt.

          Am Dienstag etwa kam es abermals zu einem Unfall mit einem auf Autopilot geschalteten Tesla Model S, mindestens dem dritten in diesem Jahr. Nach Angaben der Polizei stieß dieses mit einem parkenden Polizeiauto zusammen.

          Gleichzeitig setzen sich die Verzögerungen in der Produktion des Models 3 weiter. Tesla liegt beim Model 3 bisher ein halbes Jahr hinter den Produktionszielen zurück. Die Marke von 5000 Fahrzeugen pro Woche soll nun Ende Juni erreicht werden.

          Das Fahrzeug zum Preis ab 35.000 Dollar vor Steuern und Elektroauto-Subventionen soll Tesla aus der Nische in einen breiteren Markt bringen. Bisher werden allerdings nur hochpreisige Versionen mit zusätzlicher Ausstattung ausgeliefert, da sich die Basis-Variante erst ab höheren Stückzahlen in der Produktion lohne.

          Wie unabhängig ist Teslas Führung?

          Ebenso gibt es auch Zweifel an der Unternehmensführung, und zwar nicht nur an Elon Musk. So steht etwa Musks Bruder Kimbal als Mitglied des Verwaltungsrats unter Beschuss von aktivistischen Investoren. Diese beklagen, dass es im Firmenimperium zu wenig unabhängige Kontrolleure gebe.

          Festgemacht wird das unter anderem an der Übernahme des Solarpanel-Herstellers Solar City durch Tesla. Diese erhöhte Teslas Verschuldungsgrad deutlich, da das teilweise Elon Musk gehörende Unternehmen stark bei Musks Raumfahrtunternehmen Space Exploration verschuldet ist. Gegründet hatten Solar City Musks Cousins Lyndon und Peter Rive.

          Tesla will Kimbal Musk jedoch als Verwaltungsrat behalten. Dies ist auch ein einträglicher Posten. Zwar erfolgt die Bezahlung nur in Aktienoptionen, doch hatten diese im vergangenen Jahr einen Wert von durchschnittlich 1,53 Millionen Dollar. Nach Angaben von Liam Denning, Kolumnist der Nachrichtenagentur Bloomberg, ist dies mit Abstand die höchste Vergütung, die Verwaltungsräten großer amerikanischer Automobil- und Technologie-Hardware-, Software- und Dienstleistungsunternehmen gezahlt wird. Zwar werden sie mittlerweile nur bezahlt, wenn die Aktie gut abschneidet, doch auf Sicht von fünf Jahren steht eben ein Plus von 200 Prozent zu Buche.

          Mit all diesen Zweifeln gebe es aber ein Grundproblem für Tesla-Investoren, meint Demming. Teslas Erfolg oder Misserfolg hänge an Elon Musk. Der Glaube an dessen Genie sei es, der die Aktie zu dem gemacht hat, was sie jetzt immer noch ist. Und jeder Versuch, Musks Einfluss zu beschneiden, würde die Verbindung zwischen dessen persönlichen Nimbus und Tesla schwächen.

          Diese Gemengelage macht Investments in Tesla-Wertpapiere noch riskanter als sie angesichts der immer noch unsicheren Zukunft der Elektromobilität es ohnehin sind. Immer noch wird der Kauf von E-Autos in vielen Ländern durch Prämien oder Steuerfreibeträge gefördert. Das kann sinnvoll sein. Der Aufstieg und Fall der deutschen Solarindustrie aber ist ein mahnendes Beispiel, dass auch wenn sich eine Technik durchsetzt, das nicht bedeutet, dass die daran beteiligten Anleger und Unternehmen der ersten Stunde die Profiteure sind. Auch nicht jeder Pionier des Automobils ist heute noch am Markt.

          Subventionen können fett und träge machen und jederzeit abgeschafft werden. Wer ein Unternehmen darauf gründet, geht ein hohes Risiko ein. Das heißt nicht, dass Musk und Tesla zum Scheitern verurteilt sind. Aber es ist möglich. Und je besser Tesla aufgestellt ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Musks Tesla nicht dort landet, wo etwa Frank Asbecks Solarworld geendet ist.

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