https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/sorge-um-immobilienpreise-banken-brauchen-hoehere-kapitalpuffer-17728183.html

Immobilienmarkt : Banken brauchen höhere Kapitalpuffer

Begehrte Wohnimmobilien: Europaviertel nahe dem Frankfurter Messegelände Bild: dpa

Finanzministerium, Bundesbank und Bafin sorgen sich über den Preisanstieg bei Wohnimmobilien. Die Aufseher schalten vom Pandemie- in den Präventionsmodus um.

          2 Min.

          Dem kreditfinanzierten Preisanstieg von Wohnimmobilien sehen das Bundesfinanzministerium, die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin nicht mehr tatenlos zu. Am Mittwoch schlug der Ausschuss für Finanzstabilität, der sich aus Vertretern der drei Institutionen zusammensetzt, strengere Kapitalanforderungen für die deutschen Banken vor. Wie im Vorfeld Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch schon angedeutet hatte, wird der am Anfang der Corona-Krise auf null Prozent zurückgesetzte antizyklische Kapitalpuffer wieder aktiviert.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Überraschend ist zum einen die Höhe des vorgeschlagenen Kapitalpuffers von 0,75 Prozent für riskante Bilanzpositionen, insbesondere Kredite. Vor der Pandemie hatte er nur 0,25 Prozent betragen. Zum anderen führen die Aufseher einen Kapitalpuffer speziell für Wohnimmobilienkredite von 2 Prozent ein. Nach Angaben von Bafin-Präsident Mark Branson, der zusammen mit Buch und dem neuen Staatssekretär im Finanzministerium, Carsten Pillath, an der Online-Pressekonferenz teilnahm, müssen die deutschen Banken mit den beiden Kapitalpuffern zusätzlich 22 Milliarden Euro an Eigenkapital vorhalten.

          Dieser Schutzring vor möglichen Verlusten im Krisenfall ist aber den Worten Bransons zufolge schon als überschüssiges Eigenkapital im deutschen Bankensystem vorhanden, so dass es lediglich „konserviert“ werden müsse. 17 Milliarden Euro entfallen auf den antizyklischen Kapitalpuffer, der sich auf die gesamte Bilanz bezieht, die restlichen 5 Milliarden Euro auf die neuen Vorgaben für Wohnimmobilien. Bei einigen Banken, deren Kapitaldecke schon dünn sei, ergebe sich mit den beiden Puffern ein Kapitalbedarf von 200 Millionen Euro, fügte Branson hinzu.

          Die Maßnahme begründete Finanzstaatssekretär Pillath mit der Notwendigkeit, vom Pandemie- in den Präventionsmodus überzugehen. Doch aus ganz freien Stücken ist die Entscheidung des Ausschusses für Finanzstabilität nicht zu erklären, weil schon im vergangenen November die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem Finanzstabilitätsbericht mit Blick auf die deutsche Wohnimmobilienhausse Alarm geschlagen und von Deutschland Gegenmaßnahmen gefordert hatte.

          Unterschätzte Kreditrisiken

          So betonte Bundesbank-Vizepräsidentin Buch zwar nun, dass die Banken aktuell gut kapitalisiert seien. Doch schob sie als Warnung hinterher: „Wir haben zunehmend Hinweise darauf, dass Kreditrisiken unterschätzt werden.“ Sie verwies auf die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen und -kredite, die teilweise niedriger als vor der Pandemie seien. Zudem hätten sich bei deutschen Banken die Kredite weiter hin zu den vergleichsweise schwachen Unternehmen verschoben. Auch deuteten die internen Modelle der Banken auf gesunkene Ausfallwahrscheinlichkeiten hin, auch bei Unternehmen, deren bilanzielle Kennzahlen sich kaum verbessert hätten. Hinzu kämen die angesichts der Inflationsentwicklung gestiegenen Zinsänderungsrisiken.

          Schließlich verwies Buch auf überbewertete Vermögenswerte und Kreditsicherheiten, insbesondere bei Wohnimmobilien. Deren Preise lägen schon seit einigen Jahren um 10 bis 30 Prozent über den Werten, die durch Fundamentaldaten gerechtfertigt seien. Sie verwies auf den abermals starken Anstieg der Wohnimmobilienpreise von 12 Prozent im dritten Quartal 2021. Die Kredite für Wohnimmobilien seien in diesem Zeitraum mit 7 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich gestiegen. Bei einem Preiseinbruch könnten die Kreditsicherheiten nicht ausreichen, um Kreditausfälle zu kompensieren, warnte Buch.

          Der Dachverband der Banken und Sparkassen, die Deutsche Kreditwirtschaft, kritisierte die Maßnahmen als nicht nachvollziehbar. Die Kreditvergabekapazität werde in der mit hoher Unsicherheit behafteten Erholung der deutschen Wirtschaft deutlich eingeschränkt.

          Weitere Themen

          Vorsicht, grauer Markt!

          Hohe Risiken : Vorsicht, grauer Markt!

          Immer wieder erleiden Privatanleger hohen Schaden, weil sie auf windige Versprechen hereinfallen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband will dem nun ein Ende bereiten.

          Topmeldungen

          Viel Zeit bleibt nicht: In eineinhalb Jahren steht für Hansi Flick und die Nationalmannschaft die Europameisterschaft im eigenen Land an.

          Der Bundestrainer bleibt : Schlechte Voraussetzungen für Flick

          Was seit dem WM-Aus passiert ist, lässt schwer auf eine erfolgreiche Zukunft der Nationalelf mit Hansi Flick hoffen. Der DFB geht ein großes Risiko ein – es fühlt sich so an, als hätte man das alles erst erlebt.
          Zugriff: Polizisten führen am Montag Prinz Reuß ab

          Plante Umsturz : Wer ist Heinrich XIII. Prinz Reuß?

          Eine Gruppe aus der „Reichsbürger“-Szene plante offenbar den Umsturz der demokratischen Ordnung Deutschlands. Rädelsführer soll ein Prinz aus Frankfurt sein – mit Hang zur Esoterik und Geldproblemen.
          Jetzt auch ohne negativen Test: Eine U-Bahn in Zhengzhou am 5. Dezember

          Null-Covid-Politik beendet : Xi Jinpings rasante Corona-Kehrtwende

          Nach den Protesten gegen die Null-Covid-Strategie entscheidet Xi Jinping sich zur Flucht nach vorn. Was die Führung in Peking gestern noch als Ausdruck des überlegenen chinesischen Systems pries, wird nun korrigiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.