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Leitwährung : So regiert der Dollar die Welt

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Bild: Rüchel, Dieter

Amerikas Macht gründet auch auf seiner Währung. Das will nicht jeder hinnehmen. Einblicke in einen außergewöhnlichen Machtkampf.

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          Was fängt man nur an mit dem geflügelten Wort vom Geld, das die Welt regiert? In der Regel soll es dem oft diffusen, aber prinzipiell demokratischen Unbehagen darüber Ausdruck verleihen, dass sich Reichtum nur allzu leicht in politische Macht verwandeln lässt. Das ist wahr, doch liegt das nicht allein, wie oft behauptet, an der Ausgestaltung des politischen Systems. Vielmehr lohnt sich ein Blick auf das Geld und unsere Geldordnung selbst – und zwar nicht nur in einzelnen Ländern, sondern in einem internationalen Kontext.

          Karl Marx hatte schon im 19. Jahrhundert gekrittelt, dass die bürgerlichen Ökonomen Geld vor allem für ein „pfiffig ausgedachtes Auskunftsmittel“ hielten. Damit übersähen sie in ihrer Oberflächlichkeit all jene machtdurchsetzten Verhältnisse, die dem Geld innewohnten, denn „in ihm kann ich die allgemeine gesellschaftliche Macht und den allgemeinen gesellschaftlichen Zusammenhang, die gesellschaftliche Substanz in der Tasche mit mir herumtragen“.

          Folgt man dem engeren Wortsinn des Verbes „regieren“, rückt zunächst das Verhältnis von Staat und Macht in den Blickpunkt: Geld ist eine zentrale staatliche Handlungsressource und, so weiß die historische Soziologie, deswegen nicht nur Schmiermittel für den Warentausch, sondern grundlegend für das Entstehen des modernen Staates als Steuer- und Schuldenstaat. Alte und neue Schuldenkrisen, nicht nur in Europa, sondern vor allem im globalen Süden, befeuern die Frage danach, welches Geld eigentlich wie regiert.

          In einer nationalstaatlich verfassten, kapitalistischen Welt sind alle davon abhängig, wie Geld geschöpft und organisiert wird, und davon, welche Währungen im internationalen Wettbewerb vorne liegen. Nicht umsonst begriff Max Weber Geld vor allem als „Kampfmittel und Kampfpreis“, und wie die große Politikökonomin Susan Strange argumentierte, betätigen sich die Staaten dieser Welt heute „weniger als Verteidiger ihrer Territorien und Bewohner denn als Verteidiger ihrer Währungen und Geldsysteme“. Es ist kein Geheimnis, dass private Finanziers, Banken, Regierungen oder Zentralbanken historisch immer neue Wege fanden, durch die kreative Organisation der Geldschöpfung die Zukunft zu kapitalisieren und damit Wohlstand wie Krisen zu nähren. Doch oft bleibt verborgen, wie sich die Macht über diese Organisation in eine globale Herrschaftsordnung übersetzt.

          Was sind die globalen Konsequenzen einer Hierarchie des Geldes?

          Eine global und kapitalistisch organisierte politische Ökonomie bedarf zur Abwicklung des grenzüberschreitenden Handels eines Weltgeldes, einer Leitwährung (oder mit Weber: eines allgemein anerkannten und damit vertrauenswürdigsten Kampfmittels), die unter sich alle anderen Währungen hierarchisch abgestuft weiß. Im 18. und 19. Jahrhundert förderten vor allem Kaurimuscheln den transatlantischen Sklavenhandel. Das britische Pfund Sterling stützte später das britische Empire. Und seit den geschichtsträchtigen Verhandlungen in Bretton Woods 1944, zwischen dem britischen Unterhändler John Maynard Keynes und seinem amerikanischen Gegenüber John Dexter White, fungiert der amerikanische Dollar als Weltgeld zugunsten amerikanischer Hegemonie.

          Das Überleben kolonialer Währungen wie des „CFA-Franc“, der heute weiterhin von 150 Millionen West- und Zentralafrikanern benutzt und – an den Euro gebunden – von Paris mitgesteuert wird, ist aus dieser Sicht ein besonders paradigmatischer Ausdruck des Geldes als Herrschaftsbeziehung. Denn diese Währungsbeziehung verteilt Wohlstand und Macht zwischen afrikanischen Eliten und französischen Unternehmen und ist Ausdruck des postkolonialen Verlangen Frankreichs, seine angestammte Einflusssphäre zu erhalten.

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