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Leitwährung : So regiert der Dollar die Welt

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Aber was genau sind die globalen Konsequenzen einer solchen Hierarchie des Geldes in der internationalen Politik? Im Unterschied zu einer kooperativ organisierten Währung wie dem Bancor, der Keynes in Bretton Woods vorschwebte, und auch den festgelegten – aber anpassbaren – Wechselkursen bis zum Ende der Goldbindung des Dollars 1971, reduziert die Dollarabhängigkeit die relative Handlungsfähigkeit aller Staaten, die den Dollar nicht selbst schöpfen können.

Ganz besonders trifft es Staaten im globalen Süden mit kleinen Heimatmärkten, wenn sich deren Regierungen und Unternehmen für ihre Aktivitäten in ausländischer Währung verschulden. Sobald beispielsweise die amerikanische Zentralbank die Zinsen erhöht und der Dollar aufwertet, fließt Geld aus den Ländern am unteren Ende der Währungshierarchie ab, steigt der Wert ihrer Schulden und damit mittelfristig der Schuldendienst. Dass seit der Asien-Krise 1997 ein Großteil der Staaten im globalen Süden zur massiven Hortung von Dollarreserven übergegangen ist, erhöht zwar ihre Widerstandskraft gegen Krisen. Diese Milliarden werden aber gleichzeitig nicht produktiv investiert.

Der Dollar als Waffe für die Umwälzung der globalen Wirtschaftsordnung

Die Geschichte dieser Abhängigkeit von der Leitwährung ist lang, und seit der Liberalisierung der internationalen Kapitalmärkte gleichen sich die Erfahrungen von Mexiko, Malaysia, Argentinien und zuletzt der Türkei. Die globalen und nationalen Finanz- und Kapitalzyklen sind mittlerweile so sehr synchronisiert, dass selbst der Internationale Währungsfonds (IWF), der vermeintliche Retter in diesen Situationen, die mangelnde Autonomie der Staaten im globalen Süden deutlicher thematisiert.

Die Rufe nach einem fundamentalen Umbau des globalen Währungsmanagements nehmen daher zu. Dabei setzen die Europäer auf eine Stärkung der Position des Euros gegenüber dem Dollar. Es sei daran erinnert, dass Frankreich mit der Einführung des europäischen Geldes zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen sollte: die deutsche Position an der Spitze der regionalen Währungshierarchie schwächen und dem Dollar ein Konkurrenzprojekt entgegensetzen. Das Kalkül ging jedoch doppelt nicht auf. Deutschland profitiert weiterhin als regionaler sicherer Hafen von der Flucht in deutsche Staatsanleihen und von der relativen Unterbewertung des Euros. Und das „exorbitante Privileg“, wie der ehemalige französische Staatspräsident Giscard d’Estaing die Dollardominanz in den 1970ern nannte, blieb auch in der Krise unangetastet: 62 Prozent der globalen Verschuldung und 56 Prozent aller internationalen Kredite sind weiterhin in Dollar denominiert.

Die Reformdiskussionen im Rest der Welt und die Versuche Chinas, den Renminbi zu internationalisieren, haben im Kern den Zugewinn monetärer Autonomie zum Ziel. So forderte Zhou Xiaochuan, der langjährige chinesische Zentralbankpräsident, dass „die Leitwährung stabil und regelbasiert sein muss“ und nicht erratisch von den nationalen amerikanischen Interessen bestimmt.

Mit der Präsidentschaft Donald Trumps zeichnet sich allerdings wieder eine Politik ab, die den Dollar nicht allein als „exorbitantes Privileg“ und strukturelle Herrschaftsbeziehung genießt, sondern ihn unmittelbarer als Waffe (Webers „Kampfmittel“) für die Umwälzung der globalen Wirtschaftsordnung nutzt. Die Androhung, den Zugang zum Dollar-basierten Finanzsystem zu kappen, wenn die amerikanische Sanktionspolitik nicht mitgetragen wird, hat zuletzt bei der unilateralen Aufkündigung des Atomabkommens mit Iran die Handlungsmacht Europas sichtbar in die Schranken gewiesen.

Das Geld regiert die Welt, weil alle Staaten und ihre Mitglieder im globalen Kapitalismus der Notwendigkeit unterworfen sind, es zu verdienen, zu benutzen und zu vermehren – mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Aber mit der internationalen Hierarchie des Geldes sind zusätzlich Ungleichgewichte und Herrschaftsbeziehungen verbunden, die vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern zu Verwerfungen führen.

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