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19 Milliarden Dollar : Neuer Rekord für Dachfonds

Will nur spielen: Der Finanzinvestor Ardian war viele Jahre beim Spielzeughersteller Schleich engagiert. Bild: Picture-Alliance

Die Pariser Beteiligungsgesellschaft Ardian hat den größten derartigen Fonds geschlossen in einem wenig beachteten, aber wachsenden Segment der Private-Equity-Branche.

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          Der Finanzinvestor Ardian stellt einen Rekord in einem wenig beachteten, aber wachsenden Segment der Private-Equity-Branche auf. Die auch in Deutschland aktiven Franzosen haben 19 Milliarden Dollar für einen Dachfonds eingesammelt, der Anteile an bestehenden Geldtöpfen von Beteiligungsgesellschaften erwirbt. Damit überflügelt Ardian den bislang größten derartigen Fonds, abgeschlossen im vergangenen Jahr von Lexington Capital. Die Gebraucht-Fonds sollen Geldgebern mehr Liquidität ermöglichen, weil sie schneller zurückzahlen. Der Markt saugt zunehmend Mittel auf: „Wir denken, dass die Dynamik nicht nur anhält, sondern sich sogar noch verstärkt“, sagt Ardian-Deutschlandchef Jan Philipp Schmitz im Gespräch mit der F.A.Z.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das klassische und weithin bekannte Private-Equity-Geschäft funktioniert so: Beteiligungsgesellschaften gehen auf Werbetour bei Geldgebern, sichern sich von denen Zusagen für einen neuen Geldtopf und rufen dann aus diesem Topf die Mittel Transaktion für Transaktion ab, ergänzt durch Kredite. Sie steigen dabei direkt in Unternehmen ein und veräußern sie nach einigen Jahren weiter. Nach Ablauf der Fonds-Laufzeit – typischerweise etwa zehn Jahre – bekommen die Geldgeber ihr Kapital zurück, möglichst mit Gewinn.

          Dagegen investieren Dachfonds, im Branchenjargon „Fund of Funds“ genannt, in verschiedene Geldtöpfe der Beteiligungsgesellschaften. Im Kern sind zwei Varianten zu unterschieden – zum einen Primärfonds: Sie stecken Mittel in verschiedene Private-Equity-Fonds, die gerade Geld einsammeln. Zum anderen die Sekundärfonds im engeren Sinne: Sie kaufen anderen Investoren Anteile an bestehenden Private-Equity-Fonds ab – dies ist das eigentliche Gebrauchtwarengeschäft. Investoren wissen hier, in welche Unternehmen das Geld geflossen ist.

          Neue Plattform für den Sekundärmarkt

          Ardian spezialisiert sich mit seiner neuesten Plattform namens Ardian Secondary Fund (ASF) VIII ganz auf die zweite Variante: Sie speise sich ausschließlich auf den Sekundärmarkt, sagte Schmitz. Dagegen hätten die Vorgängergenerationen VI und VII noch einen „signifikanten Anteil“ an Primärfonds-Geld gehabt. Die Plattform VI hatte bis 2014 etwa 10 Milliarden Dollar eingesammelt, die Nummer VII im Jahr 2016 rund 14 Milliarden Dollar.

          Der neue Fonds VIII hat schon während der Geldsammelphase erste Transaktionen finanziert, so wie das oft im Private-Equity-Geschäft geschieht. 40 Prozent des Volumens von Fonds VIII seien schon Transaktionen zuzuordnen und „unter 30 Prozent“ auch schon abgerufen, sagte Schmitz. Die Differenz liegt in Deals begründet, die schon angekündigt, aber noch nicht formal abgeschlossen sind.

          Geldgeber sind vor allem institutionelle Investoren wie Versorgungswerke, Stiftungen und die Verwalter von Familienvermögen. Knapp 10 Prozent fließt von deutschen Investoren, beispielsweise Pensionsfonds von Dax-Unternehmen, wie Schmitz sagte. Ein Vorteil aus Sicht der Investoren sei die höhere Liquidität. Schließlich haben bestehende Private-Equity-Fonds nur noch eine Restlaufzeit, während die ursprünglichen Geldgeber in einem klassischen Fonds in der Regel zehn Jahre gebunden sind. Aus Sicht der Verkäufer böten Dachfonds die Gelegenheit, kurzfristig ihrerseits Liquidität zu bekommen. Außerdem können sie so bei schwankenden Märkten die Anteile der einzelnen Vermögensklassen an ihrem Portfolio wieder angleichen. Beides kann während der momentanen Corona-Krise zum Tragen kommen.

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