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Selecta : Snack-Automaten wollen an die Börse

  • Aktualisiert am

Im Testbetrieb: Snack-Roboter von Selecta Bild: dpa

Schnell beim Warten auf den Zug noch einen Schokoriegel knuspern? Selecta macht’s möglich. Jetzt soll der Unternehmenszug an die Börse fahren.

          Wer kennt sie nicht, die Automaten auf Bahngleisen, an denen man Schokoriegel, Salami oder etwas zu trinken bekommt. Größter Betreiber ist die Schweizer Firma Selecta, die nun zum nächsten Neuzugang an der Schweizer Börse werden könnte. Der Finanzinvestor KKR bereite einen Börsengang vor, meldet die  Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf „mit der Situation vertraute Personen“.

          In den kommenden zwei Wochen fänden Analysten-Präsentationen statt, so dass die Transaktion im Mai angekündigt werden könnte. Je nach Marktentwicklung sei aber auch möglich, dass der Schritt in den September verschoben werde. Mit der Transaktion sei die Credit Suisse betraut worden. Welche anderen Banken mitarbeiten, war zunächst unklar.

          Eine Milliarde Euro Volumen

          Selecta betreibt europaweit rund 460.000 Verkaufsautomaten, nicht nur an Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen, sondern auch in Büros. Das Unternehmen sitzt zwar in der 6000-Seelen-Gemeinde Kirchberg im Kanton Bern, unternehmensrechtlich jedoch in den Niederlanden. Mit rund 9000 Mitarbeitern setzte man in dem im September 2018 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 1,45 Milliarden Euro brutto um und erzielte und macht dabei einen Betriebsverlust von 5,4 Millionen Euro. Im letzten Quartal des Jahres 2018 betrug der Umsatz rund 400 Millionen Euro. Dabei wurde ein Betriebsgewinn von 1,7 Millionen Euro erzielt. Damit schnitt Selecta besser ab als im Vorjahresquartal.

          In Deutschland ist Selecta mit einem Marktanteil von 2 Prozent die Nummer vier auf dem Markt und damit vergleichsweise klein. In der Schweiz kommt man als Nummer eins auf einen Anteil von 18, in Schweden sogar auf 24 Prozent.

          Im Zuge des kolportierten Börsengangs dürften Aktien im Wert von rund einer Milliarde Franken zum Verkauf stehen, heißt es. Der Gesamtwert von Selecta  wird auf rund drei Milliarden Franken beziffert und damit auf etwas weniger als das Doppelte des Jahresumsatzes.. KKR, Selecta und Credit Suisse wollten sich nicht äußern.

          So kennt man Selecta: Als Automat am Bahnsteig

          Die 1957 gegründete Selecta  war zwischen 1997 an die Schweizer Börse und wurde 2001 vom britischen Wettbewerber Compass geschluckt. 2007 ging das Unternehmen zunächst an Allianz Capital Partners, 2015 schließlich an KKR. Beim abermaligen Börsengang wird KKR von Lazard beraten.

          Selecta wäre der vierte Neuzugang an der Schweizer Börse im laufenden Jahr. Vergangene Woche ging das IPO der Medizintechnikfirma Medacta über die Bühne, in dieser Woche das des Zugbauers Stadler Rail. Zudem spaltete Novartis Alcon ab und ließ die Augenheilfirma unabhängig an der Börse listen.

          Am Kapitalmarkt ist Selecta seit Anfang des vergangenen Jahres mit drei Anleihen im Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro und 250 Millionen Franken vertreten. Der größte Teil von 765 Millionen Franken entfällt auf eine mit 5,875 Prozent verzinste Euro-Anleihe, die zweite wird mit einem Aufschlag von 5,375 Prozentpunkten auf den 3-Monats-Euribor verzinst. Für die Franken-Anleihe gibt es ebenfalls 5,875 Prozent. Alle drei Anleihen rentieren derzeit mit rund 5 Prozent und sind vorzeitig kündbar.

          SELECTA GRP 18/24 REGS

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          Wie schon Renditen und Konditionen anzeigen, wird die Bonität von Selecta von den Rating-Agenturen mit „B-“ schwach eingeschätzt. Die Verschuldung beträgt rund das Fünffache des bereinigten operativen Gewinns, die Eigenkapitalquote ist mit wenig mehr als 8 Prozent gering. Erlöse aus einem Börsengang würden das aber ändern. Sollte es zu einem Börsengang kommen, dürften aber vor allem die Anleihen gekündigt werden, so dass ein Kauf jetzt, zu Kursen oberhalb des vorgesehenen Rückzahlungskurses eher wenig vorteilhaft erscheint.

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