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Bezahlsystem : Chinas Antwort auf Paypal

Bis zum Jahr 2003 hatten die Kunden für die Waren, die sie auf Alibaba erstanden hatten, bei ihrer Bank oder bei der örtlichen Post einen Überweisungsträger ausfüllen müssen, der, vom Bankbeamten gestempelt, schließlich in die Alibaba-Zentrale gefaxt wurde, woraufhin das Unternehmen den Versand der Pakete genehmigte. Dann kam Alipay – und veränderte Chinas Finanzmarkt für immer. Mit der App können heute auch Anlageprodukte gekauft werden, ein Taxi bestellt, Überweisungen an Freunde innerhalb von Zehntelsekunden getätigt und Kinokarten gekauft werden. Damit ähnelt Alipay stark seinem Konkurrenten Wechat.

Bevor Alibaba im Jahr 2014 an die Börse ging, gliederte Jack Ma den Zahlungsdienst aus seinem Konzern in einer äußerst obskuren Nacht- und Nebelaktion aus. Er hielt zwar keine Anteile mehr am Unternehmen, das damals bereits auf einen Wert von 1 Milliarde Dollar geschätzt wurde, aber dennoch die volle Kontrolle. Jedes Jahr überwies das neue Unternehmen mit dem späteren Namen Ant Financial an Alipay Tantiemen. Bis heute hat es 37,5 Prozent seines Vorsteuergewinns an Alibaba abgeführt, was im Jahr 2017 auf eine Summe von rund 300 Millionen Dollar hinauslief.

Welche Börse wird Ma wählen?

Im Jahr 2014 aber hatte Jack Ma Alibabas damalige Anteilseigner – den amerikanischen Suchdienst Yahoo und den japanischen Investor Masayoshi Son vom Technologiekonzern Softbank – offensichtlich mit dem Manöver überrumpelt. Nach Streit einigte man sich später. Dennoch hat sich der Alibaba-Gründer Ma die größte Perle seines Imperiums klar allein gesichert: bei der jüngsten Finanzierungsrunde über 5 Milliarden Dollar wurde Ant Financial auf einen Wert von 100 Milliarden Dollar taxiert.

Verglichen mit der Marktkapitalisierung der größten Banken der Welt, rangierte Ant Financial damit unter den ersten zehn und wäre damit in etwa so wertvoll wie die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs. Dass das Unternehmen an die Börse soll, davon ist bereits seit Jahren die Rede. Bisher ist nichts passiert. Unklar ist auch, welche Börse Jack Ma wählt – New York, wie damals bei Alibaba, oder Hongkong, dem Ma damals wegen hoher Transparenzanforderungen beleidigt eine Abfuhr erteilte.

Offen ist aber, ob es überhaupt zu einem Börsengang kommt. Auf den Finanzmarkt im eigenen Land passt Chinas Regierung noch schärfer auf als auf den Rest der Wirtschaft ohnehin schon. Jack Ma weiß das, und entsprechend vorsichtig ist er im Umgang mit den Behörden. Von der ersten Woche an, in dem Alipay in Betrieb war, soll Alibaba sämtliche Zahlungsdaten seiner Kunden mit Namen der Regierung übergeben haben, freiwillig, und dann immer wieder. So wird es in Chinas Internetwirtschaft erzählt. Die Übernahme des amerikanischen Finanzdienstleisters Moneygram hat Washington Ant Financial im vergangenen Jahr prompt wegen Sicherheitsbedenken untersagt – ein herber Rückschlag für die Expansionspläne der Chinesen. Es wirkt, als gerate Jack Mas Zahlungsdienst zwischen die Fronten der Weltpolitik.

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