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Siemens-Gesundheitssparte : Gutes Börsendebüt für Healthineers

Mit reichlich Verspätung läuten Healthineers-Chef Bernd Montag (Zweiter von rechts) und Börsenchef Theodor Weimer (Dritter von Links) die Glocke für den Börsengang. Bild: dpa

Ungewöhnlich viele deutsche Anleger kaufen die Aktie des Neulings. Sie können sich über Kursgewinne freuen. Nur die Deutsche Börse sieht schlecht aus.

          Die Medizintechnik-Tochtergesellschaft von Siemens hat an ihrem ersten Börsentag kräftig zugelegt. Damit endete der etwas holprige Börsengang versöhnlich. Doch begann der gesamte elektronische Handel der Deutschen Börse am Freitag mit einer Verzögerung. Nicht alle Handelspartner seien an das Xetra-System angebunden gewesen, hieß es. Deshalb ging es auf der Handelsplattform Xetra erst um 9.40 Uhr los, also mit 40 Minuten Verzögerung. Dass diese technische Panne am ersten Börsentag der größten Aktienneuemission seit eineinhalb Jahren und damit unter besonderem öffentlichen Interesse passiere, sei für die Deutsche Börse peinlich oder schlicht Pech, sagten Börsianer auf dem Parkett. Dort funktionierte der Handel von Anfang an reibungslos. Der „Tag der Aktie“, den Direktbanken an diesem Freitag mit einem gebührenfreien Parketthandel für Privatkunden begingen, fand demnach ohne Beeinträchtigungen statt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der erste Kurs für Siemens Healthineers konnte mit 29,10 Euro erst kurz nach 10 Uhr festgestellt werden. Das tat der Freude der Anleger aber keinen Abbruch. Wer zum Ausgabepreis von 28 Euro Aktien der Sparte erhalten hatte und sofort verkaufte, strich einen Gewinn von fast 4 Prozent ein. Bis zum Handelsschluss zog der Kurs weiter auf 30,20 Euro an.

          Mit einem Erlös für Siemens von 4,2 Milliarden Euro ist Healthineers die viertgrößte Aktienneuemission in Deutschland seit dem Jahr 2000 und die fünftgrößte überhaupt. Mehr hatten in diesem Jahrtausend nur die Deutsche Post, die ehemalige Siemens-Tochtergesellschaft Infineon und zuletzt im Oktober 2016 die RWE-Abspaltung Innogy durch den Aktienverkauf zum Börsengang eingenommen.

          Aufstieg in den M-Dax möglich

          Zwischen den Händlertischen hatte Healthineers am Freitag zum Börsendebüt das „Magnetom“ aufgebaut, das Aushängeschild unter den Magnetresonanztomographen aus eigener Produktion. Auf dem Display erschienen die Daten des verletzten Nationaltorhüters Manuel Neuer, der als Ehrengast zu der Börsenpremiere aufs Parkett gekommen war.

          Healthineers-Aktien waren zum Börsengang mit 28 Euro etwas unterhalb der Mitte der Zeichnungsspanne zugeteilt worden, die von 26 bis 31 Euro reichte. Zum Ausgabepreis ist das Unternehmen mit 28 Milliarden Euro bewertet. Analysten hatten zuvor den Wert der margenstarken Medizintechnik auf 30 bis 36 Milliarden Euro geschätzt. Siemens hatte Erwartungen auf einen Unternehmenswert von mehr als 40 Milliarden Euro geschürt. Doch kam die Aktienemission bei weitem nicht an den größten deutschen Börsengang heran. 1996 hatte die Telekom Aktien für gut 10 Milliarden Euro verkauft. Am Ende aber gilt auch der Börsengang von Healthineers als Erfolg, vor allem für den Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Sen, den Treiber hinter den Kulissen.

          Fachleute halten es für möglich, dass Healthineers dank seines Börsenwertes schon im Juni in den M-Dax rückt. Christoph Stanger, der für die Investmentbank Goldman Sachs den Aktienverkauf federführend mit Deutscher Bank und JP Morgan betreute, sagte der F.A.Z.: „Viele Anleger haben uns signalisiert, dass sie den Wert von Siemens Healthineers rund um 30 Milliarden Euro sehen. Für Siemens war es wichtig, dem Unternehmen einen sehr guten Start zu ermöglichen.“ Siemens bleibt bis auf weiteres mit 85 Prozent beteiligt. „Deshalb ist Siemens an einer guten Kursentwicklung von Siemens Healthineers interessiert. Dafür war heute der gute Start wichtig“, sagte Stanger.

          Ungewöhnlich viele deutsche Käufer

          Siemens hat schon häufiger Geschäfte über die Börse abgegeben: 1999 die Bauelemente von Epcos, 2000 das Chipgeschäft Infineon und 2013 die Lichtsparte Osram. Nach Healthineers könnte auch das Zuggeschäft, das mit dem französischen Wettbewerber Alstom zusammengeschlossen wird, an die Börse kommen. Allerdings hat Siemens seine Strategie insofern geändert, als es an Healthineers, anders als an Infineon und Osram, auch langfristig die Mehrheit behalten will. Weitere Healthineers-Aktien dürfte Siemens aber nach einer Haltefrist von einem halben Jahr verkaufen.

          Denn auch nach dem Börsengang sind nur 15 Prozent im Streubesitz. Wie die F.A.Z. erfuhr, verkaufte Siemens ungewöhnlich viel an deutsche Anleger. Üblicherweise machen sie bei einem Börsengang weniger als zehn Prozent der Nachfrage aus. Von Healthineers gingen 25 Prozent an deutsche Anleger, vor allem Fondsgesellschaften. Auch die Nachfrage von Privatanlegern war ungewöhnlich hoch. Sie erhielten 10 Prozent der Aktien. 55 Prozent der von Siemens verkauften Healthineers-Aktien halten nun Anleger aus den Vereinigten Staaten und Britannien.

          Healthineers ist an der Deutschen Börse nach dem Arzneihersteller Dermapharm und dem Immobilienunternehmen Instone der dritte Börsengang in diesem Jahr. Als nächster Börsengang steht am 23. März die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, an. Kurz nach Ostern, am 5. April, will die Immobiliengesellschaft Godewind ihr Börsendebüt geben. Damit zeichnet sich für 2018 ein reges Aktienemissionsgeschäft ab.

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