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Frisches Geld vor Börsengang : Siemens Energy finanziert sich nachhaltig

Siemens Energy spaltet sich von seiner Muttergesellschaft Siemens ab und geht im September an die Börse. Vorher sichert sich das Unternehmen frisches Kapital. Bild: dpa

Das Unternehmen sichert sich eine Kreditlinie von über drei Milliarden Euro. In den vergangenen Jahren hat die Vergabe von Krediten, die an Nachhaltigkeitskriterien gekoppelt sind, zugenommen.

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          Die ausgegliederte Energietechnik des Siemens-Konzerns, Siemens Energy, hat sich bei 28 Banken eine Kreditlinie über drei Milliarden Euro gesichert. Ungewöhnlich daran ist, dass deren Konditionen an Nachhaltigkeitskriterien geknüpft sind. Die Finanzierungskosten werden durch fest definierte Kennzahlen bestimmt, die an Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien gebunden sind. Dies soll dazu beitragen, Treibhausgasemissionen und Unfallhäufigkeit im Unternehmen zu senken. Der Kreditrahmen hat eine Laufzeit von drei Jahren, kann aber zweimal um jeweils ein Jahr verlängert werden.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.
          Antonia Mannweiler
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Siemens Energy wird als Anbieter von konventioneller Kraftwerktechnik für die Stromproduktion aus Kohle, Gas und Öl sowie von Explorationsanlagen für die Öl- und Gasindustrie einer Industrie zugeordnet, die für den Ausstoß von umweltschädlichem Kohlendioxid mitverantwortlich gemacht wird – selbst wenn über Siemens Gamesa auch erneuerbare Windenergie zum Geschäft beiträgt.

          Zinssatz hängt an Einhaltung von Nachhaltigkeits-Kriterien

          In puncto „ESG-linked Loans“ gehört Siemens Energy nicht unbedingt zu den Vorreitern. In den vergangenen Jahren hat die Vergabe von Krediten, die an Nachhaltigkeitskriterien gekoppelt sind, zugenommen. Auch der Automobilzulieferer Continental, der Kunststoffhersteller Covestro oder der Chemiekonzern Lanxess haben solche Kreditlinien abgeschlossen. Dabei wird, anders als bei den sogenannten „Green Loans“, der Kreditrahmen nicht für einen grünen Zweck verwendet. Vielmehr entscheidet der Grad der Einhaltung der Kriterien über die Finanzierungskonditionen.

          Hält ein Unternehmen etwa bestimmte CO2-Grenzwerte ein, kann der Zinssatz sinken. Die Kreditkosten können umgekehrt aber auch steigen, falls das Unternehmen Ziele verfehlt. Als Basis dienen dabei unter anderem die Grenzwerte des Pariser Klimaschutzabkommens. Ob Kriterien erfüllt werden, prüfen in der Regel die Banken selbst, bisweilen jedoch auch Nachhaltigkeits-Ratingagenturen. Der Zinssatz schwankt in vielen Fällen nur geringfügig. Als Anreiz für die Banken, solche Finanzierungen abzuschließen, gilt jedoch, dass mit der Einhaltung strengerer ökologischer oder ethischer Vorgaben auch deren Ausfallrisiko sinkt.

          Kreditlinie dient Flexibilität

          Immer mehr Finanzinstitute vergeben inzwischen Nachhaltigkeits-Kredite – und zwar nicht mehr nur Banken mit traditionellem Nachhaltigkeitsfokus. Allein 16 der insgesamt 28 Mitglieder im Bankenkonsortium von Siemens Energy sind erste Adressen: so etwa die Bank of America, JP Morgan, Goldman Sachs, Credit Suisse, BNP Paribas, aber auch die Deutsche Bank und die Commerzbank.

          Für Siemens Energy hat die Sicherung einer Liquiditätslinie zu ESG-Konditionen gleich mehrere Vorteile. Das Unternehmen wird von der Muttergesellschaft Siemens abgespalten und geht im September an die Börse. Auch wenn Energy mit genug Kapital und Liquidität ausgestattet sei, sichere die neue Kreditlinie eine weitere, kurzfristig abrufbare Finanzierung, sagt Finanzvorständin Maria Ferraro. Sie diene vor allem der zusätzlichen Flexibilität, weshalb sie gar nicht in Anspruch genommen werden muss und womöglich auch soll.

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