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Healthineers : Siemens lässt die Medizintechnik los

Fertigung eines Siemens-Computertomographen Bild: Bloomberg

Das Geschäft mit Röntgengeräten und Herzkathetern ist ein Filetstück von Siemens Jetzt will der Konzern mit „Healthineers“ an die Börse. Da wird die Dividende nur so sprudeln.

          6 Min.

          Es wird der größte deutsche Börsengang des Jahres, für diese Vorhersage braucht man kein Orakel zu befragen. Der Siemens-Konzern hat angekündigt, seine in Erlangen beheimatete Medizintechniksparte unter dem Kunstnamen Healthineers (von englisch „health“, Gesundheit, und „engineers“, Ingenieure) abzuspalten und als eigenständiges Unternehmen an die Frankfurter Börse zu bringen. Was unter dem Dach von Siemens bisher bloß eine von mehreren Abteilungen ist, macht für sich genommen schon ordentlich was her: Auf knapp 14 Milliarden Euro beziffert der Konzern seinen Medizintechnik-Umsatz für 2017. Das ist mehr, als mancher Dax-Konzern im Jahr insgesamt erlöst. In der Rangliste der größten Medizintechnikhersteller der Welt schafft es die neue Firma mit ihren 47.000 Beschäftigten locker unter die Top Ten.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein genaues Datum für den Börsengang gibt es noch nicht; auch der Ausgabepreis der Aktien steht noch nicht fest. Aber am vergangenen Montag kam die formelle „Intention to Float“ für den Börsengang aus der Siemens-Zentrale in München. Das ist die offizielle Ankündigung des Vorhabens, nächste Woche könnte der Börsenprospekt mit weiteren Details folgen. Das heißt: Sofern die Kurse in den nächsten Tagen nicht verrückt spielen, kann Siemens die Sache nicht mehr nennenswert verschieben und schon gar nicht mehr gänzlich zurückrudern, ohne sich zu blamieren.

          Konzern will Mehrheit behalten

          Die Idee, die Medizintechniksparte an die Börse zu bringen, ist nicht neu. Im Nachhinein lassen sich jahrealte Äußerungen aus dem Konzernvorstand leicht als Hinweise auf einschlägige Planspiele lesen. Und seit 2016 werden Investoren und Mitarbeiter aktiv auf den Börsengang eingeschworen. Jetzt wird bei den Großanlegern noch einmal mit Nachdruck für die neue Aktie getrommelt. Im günstigsten Fall wird die Siemens Healthineers AG schon Mitte März zum ersten Mal an der Börse notiert.

          Erwartet wird, dass Siemens zunächst etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Anteile an Healthineers an Investoren verkauft; die Mehrheit will der Konzern bis auf weiteres behalten. Bis zu 10 Milliarden Euro dürfte aber schon der Teilverkauf in die Kasse bringen, Optimisten schätzen den Unternehmenswert auf 40 Milliarden Euro. Womöglich fällt also sogar der Rekord für den größten Börsengang aller Zeiten hierzulande, den bislang die Telekom hält, die 1996 mit einer Tranche von umgerechnet 10,2 Milliarden Euro in Frankfurt debütierte.

          Infineon und Osram machen es vor

          Es ist nicht das erste Mal, dass ein früherer Siemens-Bestandteil auf dem Weg über die Börse selbständig wird. Im Gegenteil, das Verfahren hat Tradition im Konzern. Den Anfang machen 1999 die Bauelemente unter dem Namen Epcos, die Muttergesellschaft bleibt bis 2006 Minderheitsaktionärin. Im Jahr 2000 geht die Chiptechnik unter dem Namen Infineon an die Börse, sechs Jahre später verkauft Siemens die letzten Anteile. Heute gehört Infineon zum erlesenen Kreis der 30 Dax-Werte. Und im Jahr 2013 folgt die Lichtsparte Osram, an der Siemens heute noch knapp 18 Prozent hält.

          Andere Teile des Konzerns wurden an Wettbewerber oder Investoren verkauft, mit wechselhaftem Geschick. Die Computersparte verleibt sich Fujitsu aus Japan ein, den Automobilzulieferer VDO übernimmt der deutsche Anbieter Continental. Die Handysparte geht 2005 an Ben-Q aus Taiwan und stürzt schon im Jahr darauf mit dem neuen Eigentümer in die Insolvenz. Für die Telefonnetztechnik wird 2007 das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks gegründet, das 2013 komplett an die Finnen geht. Deutlich länger Bestand hat das 1967 gegründete Joint Venture Bosch-Siemens-Hausgeräte, aus dem sich die Münchner 2015 zurückziehen.

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