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Seattles Steuerpläne : Wie umgänglich ist eigentlich Amazon?

Baut Amazon weiter in und auf Seattle? Bild: Reuters

Amazons Heimatstadt Seattle plant eine Steuer, die den Online-Giganten hart treffen würde. Kurzerhand hat das Unternehmen die Bauarbeiten für sein neues Hochhaus eingestellt. Bürgermeister, die um das zweite Hauptquartier von Amazon werben, schauen ganz genau hin.

          Amazon und die Kommunalpolitiker von Seattle, dem Sitz des Konzerns, haben immer schon ihre Konflikte gehabt. Doch jetzt bahnt sich ein Showdown an. Die Stadtverordneten wollen noch im Mai eine neue lokale Steuer erlassen, die ziemlich ungewöhnlich ist. Große Unternehmen sollen für jeden ihrer Mitarbeiter 500 Dollar an die Stadt abführen, die damit bezahlbaren Wohnraum und Obdachlosenhilfe bezahlen will.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Steuer ist so gestaltet, dass sie Amazon besonders hart trifft. Rund 40.000 Amazon-Beschäftigte aus aller Welt leben in Seattle, verrät das Unternehmen auf seiner Website. Der Online-Gigant, der letztes Jahr einen Gewinn von drei Milliarden Dollar erwirtschaftete, würde 20 Millionen der kalkulierten Gesamteinnahmen von 75 Millionen Dollar beisteuern, sollte eine Mehrheit für den Plan stimmen.

          Das Unternehmen hat wegen der Steuerpläne die Bauarbeiten für Hochhaus gegenüber der Unternehmenszentrale eingestellt und zur Disposition gestellt. Das Gebäude wäre der Planung zufolge groß genug, um rund 8000 Beschäftigte aufzunehmen.

          In Seattle wird es eng und teuer

          Das 1994 gegründete Unternehmen prägt die Stadt. Sie ist mit dem Unternehmen kräftig gewachsen. Die Einwohnerzahl hat sich binnen zehn Jahren um 100.000 auf 704.000 vergrößert. In dieser Zeitspanne wurde aber deutlich weniger neuer Wohnraum geschaffen. Binnen fünf Jahren haben sich die Hauspreise fast verdoppelt. Im Mittelwert kostet ein Haus heute 780.000 Dollar, vermeldet die Immobilienplatform Zillow. 2013 waren es 400.000 Dollar.

          Obdachlosigkeit ist sichtbar in der Stadt, ärmere Familien verlassen Seattle. Doch Amazon legt Feststellung, dass es mit seinen Investitionen die Wirtschaft der Stadt zwischen 2010 und 2016 um 38 Milliarden Dollar gestärkt habe. Der Konzern erinnert auf seiner Website daran, dass er allein den öffentlichen Nahverkehr mit jährlich über 43 Millionen Dollar unterstütze, weil er die Fahrkarten der Mitarbeiter bezuschusse. Die Kommunalpolitiker beharren darauf, dass ihr Gesetzesvorschlag keine Lex Amazon sei.

          Der kommunale Zwist hat nationale Brisanz, weil Amazon gerade ein zweites Hauptquartier für rund 50.000 Beschäftigte errichten will und 20 urbane Ballungsräume in die engere Auswahl genommen hat. Einige Regionen wie Maryland und Virginia werben mit milliardenschweren Steuervergünstigungen um Amazon. Doch in vielen der Städte haben sich inzwischen Protestgruppen organisiert, die laut dafür werben, Amazon nichts zu schenken und die Städte lieber organisch zu entwickeln. Gegen vier Städte sind Klagen von Bürgern eingegangen, die das Paket sehen wollen, dass Amazon geboten wurde.

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