https://www.faz.net/-gv6-9cfsq

Vergleichsportale : Scout24 kauft Finanzcheck.de

  • Aktualisiert am

Die Internet-Kleinanzeigenbörse Scout24 will mit der Übernahme des Vergleichsportals Finanzcheck.de künftig mehr an Gebrauchtwagen-Krediten verdienen. Der Kaufpreis sorgt an der Börse aber erst einmal für Stirnrunzeln.

          2 Min.

          Auf das Rekordhoch der Aktien von Scout24 ist am Mittwoch Ernüchterung gefolgt. Nach der am Vorabend veröffentlichten Übernahme des Finanzportals Finanzcheck.de stieg der Scout24-Kurs am Mittwoch im frühen Handel zunächst um 2 Prozent auf das Rekordhoch von 48,62 Euro. Anschließend sackte der Kurs dann aber deutlich mit bis zu 8,5 Prozent ins Minus ab. Zuletzt betrug der Abschlag noch 2,6 Prozent auf 46,42 Euro.

          Die Internet-Kleinanzeigenbörse Scout24 will mit der Übernahme des Vergleichsportals Finanzcheck.de künftig mehr an Gebrauchtwagen-Krediten verdienen. Der Münchner Betreiber der Portale autoscout24.de und immobilienscout24.de zahlt für den defizitären Ratenkredit-Vermittler 285 Millionen Euro. Scout24 wolle das Geschäft mit Dienstleistungen rund um seine Plattform in den nächsten fünf Jahren von 100 Millionen auf 250 Millionen Euro ausbauen, sagte Finanzvorstand Christian Gisy am Mittwoch vor Analysten. Dieses Ziel sei „aggressiv, aber erreichbar“.

          Bisher setzt Scout24 in dem Bereich rund 87 Millionen Euro um. Vorstandschef Greg Ellis sprach von einer „perfekten Ergänzung“ vor allem für autoscout24. 40 Prozent aller Gebrauchtwagen würden zumindest zum Teil kreditfinanziert. Der Kaufpreis könnte bei Anlegern erst einmal für Stirnrunzeln sorgen, hieß es am Markt. Laut Marcus Diebel von der Investmentbank JPMorgan bedeutet der Preis ein Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz von acht - „nicht gerade günstig“, wie der Analyst anmerkte.

          Deal strategisch sinnvoll

          Aus strategischer Perspektive sei der Deal aber sinnvoll, fügte Diebel hinzu. Er passe in den zu beobachtenden Trend, im Zuge dessen Online-Spezialisten als Marktführer ihre Portfolios breiter aufstellen und gleichzeitig in neue Vetriebskanäle investieren. So könnten sie Synergien schaffen und neue Umsatzquellen erschließen. Der Wettbewerb nehme zu, Übernahmen und Fusionen seien die richtige Antwort hierauf, argumentierte der Experte.

          Das Geld geht an die Finanzcheck-Gründer und mehrere Start-up-Investoren. Mit 36 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr sieht sich Finanzcheck.de als eines der drei größten Online-Verbraucherkreditportale in Deutschland nach Check24 und Smava. Kunden können dort aus Angeboten von rund 20 Banken auswählen. Schließen die Kunden dort einen Kredit ab, bekommt Finanzcheck Provisionen. 2017 vermittelte das Portal 61.000 Ratenkredite über 1,06 Milliarden Euro. Der Branchenriese Check24 und das Start-up Smava gelten als größte Rivalen. In Deutschland werden bisher nur 14 Prozent aller Ratenkredite online abgeschlossen, in Großbritannien sind es 38 Prozent.

          SCOUT24 AG NA O.N.

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Das große Wachstumspotenzial, das der Markt Scout24 beimisst, spiegelt sich im jüngsten Aktienverlauf wider: Seit Jahresbeginn haben die Papiere in der Spitze mehr als 40 Prozent zugelegt. Besonders stark waren sie im April gestiegen, nachdem das Unternehmen laut Analysten einen optimistischen Ausblick gegeben und eine üppige Dividende angekündigt hatte.

          Scout24 schraubte seine Umsatzprognose nach der Übernahme leicht nach oben. Wenn Finanzcheck wie geplant ab Oktober zwölf Millionen Euro beisteuere, werde der Umsatz im laufenden Jahr um 10 bis 12 Prozent wachsen statt um 9 bis 11 Prozent. Wegen der Verluste des Start-ups werde die operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) aber bei maximal 56 Prozent liegen statt bei bis zu 57,5 Prozent.Die Internet-Kleinanzeigenbörse Scout24 will mit der Übernahme künftig mehr an Gebrauchtwagen-Krediten verdienen.

          Weitere Themen

          Japans Gastarbeiterprogramm stockt

          Zuwanderung : Japans Gastarbeiterprogramm stockt

          Mehr als 45.000 Gastarbeiter wollte Japans Regierung in diesem Fiskaljahr ins Land holen. Doch bislang hat die Regierung gerade mal 900 Visa erteilt. Das Justizministerium sieht Anlaufschwierigkeiten.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.