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Käufersuche : Scout 24 steht schon wieder zum Verkauf

Wie hast du deine Wohnung gefunden? Immobilienscout 24 in Berlin Bild: Imago

Die Online-Anzeigenbörse Scout 24 macht ihren Aktionären viel Freude. Doch jetzt könnte sie abermals verkauft werden – für mindestens fünf Milliarden Euro. Interessiert sind ausgerechnet die Alteigentümer.

          Wer in Deutschland eine Wohnung mieten will oder einen Gebrauchtwagen sucht, kennt die Portale Immobilienscout24 und Autoscout24. Und wer an einer Aktie mit ordentlicher Wertentwicklung interessiert ist, kommt an der börsennotierten Muttergesellschaft Scout 24 kaum vorbei. Jetzt steht die Münchner Online-Anzeigenbörse, die erst vor drei Jahren an den Kapitalmarkt gebracht wurde, schon wieder zum Verkauf.

          Klaus Max  Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Nach Informationen der F.A.Z. hat Scout24 nicht nur Avancen von Private-Equity-Häusern bekommen. Das Unternehmen habe auch selbst eine strukturierte Käufersuche eingeleitet, mit der die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley befasst sei, verlautete aus Finanzkreisen.

          Nach Aussagen einer der Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, war dieser Auftrag zunächst eher als „Defence-Mandat“ gedacht – also als Mandat, um für Offerten gewappnet zu sein. Daraus sei aber mehr entstanden. „Das ist ein Prozess à la Stada“, sagte eine informierte Person und spielte damit auf den Verkauf des Pharmakonzerns an, der sich einem Interesse von Private-Equity-Häusern ausgesetzt sah und dann eine preistreibende Auktion aufsetzte. Im Fall von Scout24 sei eine Transaktion bisher an Preisvorstellungen gescheitert, die kein Interessent erfüllen wollte.

          SCOUT24 AG NA O.N.

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          Nachdem die F.A.Z. dem Unternehmen am Freitagnachmittag Gelegenheit zur Stellungnahme zu diesen Informationen gab, veröffentlichte Scout24 am selben Abend eine Ad-hoc-Mitteilung: Demnach haben die Beteiligungsgesellschaften Hellman & Friedman und Blackstone Interesse bekundet, ein gemeinsames Übernahmeangebot abzugeben. Preis: 43,50 Euro je Aktie, was einem Gesamtwert aller im M-Dax notierten Aktien von 4,7 Milliarden Euro entspricht. Diese Offerte wies der Scout-24-Vorstand als unangemessen zurück.

          Morgan Stanley hatte am Freitag auf Anfrage eine Stellungnahme abgelehnt. Die von Scout24 beauftragte Investmentbank Morgan Stanley hält auch einen Anteil an Scout 24 – vermutlich für andere Investoren, so dass ein etwaiger Interessenkonflikt mit dem Beratungsmandat unwahrscheinlich ist. Ein Scout-24-Sprecher lehnte am Sonntag jeden Kommentar zu den Geschehnissen ab.

          Vor der Mitteilung notierte die Scout24-Aktie bei wenig mehr als 40 Euro, was eine Marktkapitalisierung von gut 4,3 Milliarden Euro ergab. Am Montag stieg der Kurs zur Eröffnung bis auf 42,20 Euro und liegt aktuell mit 41,90 Euro etwas darunter. Das bewertet das Unternehmen nun mit 4,5 Milliarden Euro.

          Trotz wirtschaftlicher Stabilität herrschte große Unruhe

           Mit Hellman & Friedman und Blackstone interessieren sich ausgerechnet die Alteigentümer für das Unternehmen, das vor gut 20 Jahren gegründet wurde und lange zur Deutschen Telekom gehörte. Im Frühjahr 2014 hatten Hellman & Friedman und Blackstone Scout24 der Deutschen Telekom abgekauft und das Unternehmen eineinhalb Jahre später zu 30 Euro je Aktie an die Börse gebracht. Im Juni 2017 verkaufte die Telekom ihr restliches Aktienpaket, Anfang vorigen Jahres machten auch die Finanzinvestoren Kasse.

          Mit seinen Portalen erwirtschaftete die Scout-Gruppe zuletzt einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro und eine operative Ergebnismarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von mehr als 50 Prozent. Die hohe Rendite könnte noch weitere Interessenten anlocken. Ein Bieterwettkampf, der den Börsenkurs der Scout-24-Aktie noch weiter nach oben treibt, scheint durchaus möglich.

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          Trotz aller wirtschaftlichen Stabilität herrschte in der Scout-Gruppe zuletzt große Unruhe. Das hatte mit dem unerwarteten Abgang des Vorstandsvorsitzenden Greg Ellis zu tun, der Anfang 2014 noch von Hellmann & Friedman an Bord geholt worden war. Der Australier verließ das Unternehmen im August. Anschließend kündigte auch Finanzvorstand Christian Gisy seinen Rücktritt an, nachdem er sich offenbar selbst Hoffnungen auf den Chefposten gemacht hatte, aber nicht zum Zug kam. Seit wenigen Wochen führt Ellis-Nachfolger Tobias Hartmann die Geschäfte.

          Mehrere Private-Equity-Häuser sind  interessiert

          Hartmann, ehemals Manager des Lebensmittel-Versenders Hello Fresh, will die Internationalisierung vorantreiben, wie er zu seinem Amtsantritt sagte. Scout24 war in den vergangenen Jahren mit Zukäufen gewachsen, konzentriert sich aber vor allem auf den deutschsprachigen Raum. Erst im Juli wurde der Ratenkredit-Vermittler Finanzcheck.de für 285 Millionen Euro übernommen. Der damalige Vorstand hatte sich von der Übernahme vor allem Synergien für das Auto- und Immobiliengeschäft versprochen.

          Der aktuelle Vorstand wird sich künftig auch um den Verkauf in eigener Sache kümmern müssen – und noch mehr mit Finanzinvestoren zu tun bekommen. Mehrere Private-Equity-Häuser sind dem Vernehmen nach interessiert, einige sollen sich aber wegen der Preiserwartungen von Scout24 wieder zurückgezogen haben. Jetzt liegt eine konkretes Angebot vor: Der von Hellman & Friedman und Blackstone angegebene Preis in der Interessensbekundung, die de facto eine informelle Offerte ist. Zu den interessierten Private-Equity-Häusern soll zeitweilig auch die schwedische EQT gehört haben – ebenso Silver Lake, die im Vereinigten Königreich im Mai eine ähnliche Plattform namens Zoopla gekauft haben.

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