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Finanzierungsverhandlungen : Sorgen um Tom Tailor

Tom Tailor kämpft um die Sanierung. Bild: dpa

Die Verhandlungen um die finanzielle Sanierung der Modekette Tom Tailor scheinen ins Stocken geraten zu sein. Banken und Großaktionär können sich offenbar nicht einigen.

          Keine guten Nachrichten gibt es am Dienstag von der angeschlagenen Hamburger Modekette Tom Tailor. Das Unternehmen, das mit einer schwachen Umsatz- und negativen Ertragsentwicklung zu kämpfen hat, hat offenbar größere Probleme, Geldgeber und Großaktionär von seiner Sanierungsstrategie zu überzeugen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eigentlich will Tom Tailor seine wirtschaftliche Eigenkapitalbasis stärken und sich von der Tochtergesellschaft Bonita trennen, die ein wesentlicher Grund der Probleme ist. Sogar ein Käufer für Bonita ist mit der niederländische Victory & Dreams International Holding schon gefunden.

          Doch nach einer Pressemeldung aus der vergangenen Nacht, hat Tom Tailor offenbar sowohl Schwierigkeiten, die Zustimmung der Konsortialbanken zum Verkauf von Bonita zu erlangen, als auch den chinesischen Großaktionär Fosun zu überzeugen, einen Finanzierungsbeitrag zu leisten.

          TOM TAILOR HLDG NA O.N.

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          Nach Darstellung des Unternehmens könne sich die beiden Gruppen über diesen Beitrag bislang nicht einigen. Noch vor kurzem hatte das Management die Situation optimistischer eingeschätzt. Derzeit sei offen, ob und wann die Verhandlungen mit den Konsortialbanken und Fosun erfolgreich abgeschlossen werden könnten.

          Aus diesem Grund könne man auch nicht verlässlich sagen, wann endgültige Geschäftszahlen für das Jahr 2018 sowie das 1. Quartal 2019 veröffentlicht werden könnten.

          Diese Situation ist für Branchenkenner durchaus alarmierend. In den vergangenen Jahren sind in Deutschland sieben bekannte Modelabels und Modehandelshäuser in die Insolvenz gegangen oder von Investoren unter weniger als optimalen Umständen übernommen worden. Dabei gibt es durchaus Zweifel daran, dass dies immer mit den besten Absichten geschah.

          Vollabschreibung auf Bonita-Marke

          Die Tatsache, dass Tom Tailor auch über eine Anpassung der Finanzkennzahlen (Financial Covenants) unter dem Konsortialkreditvertrag verhandelt und die angestrebte Stärkung der Eigenkapitalbasis mit den Abschreibungen auf Bonita begründet, lässt befürchten, dass die Krise größer sein könnte als bisher angenommen.

          Zum 31. Dezember 2018 sei es notwendig gewesen, den Markenwert von Bonita in Höhe von 184,5 Millionen Euro voll abzuschreiben. Zudem habe es „weitere signifikante Wertminderungen von Vermögenswerten des Geschäftsbereichs“ gegeben, heißt es in der jüngsten Mitteilung.

          Tom Tailor hatte Bonita 2012 übernommen und gehofft, dass das Segment für Mode für Frauen ab 50 weniger umkämpft und damit stabiler sei. Das erwies sich als Fehleinschätzung. Nach aktueller Mitteilung sank der um Umsätze geschlossener Läden, Länder und Marken bereinigte Umsatz von Bonita im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr von 255 auf 226 Millionen Euro. Aus einem operativen Gewinn von 15,6 Millionen Euro wurde ein Verlust von 24,6 Millionen.

          „Rückenwind für das laufende Geschäftsjahr“

          Im ersten Quartal sank der Umsatz weiter um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf nur noch 41 Millionen Euro. Der operative Verlust wuchs von 7,6 auf 12,8 Millionen Euro. Was Wunder, dass eine Vollabschreibung des Markenwerts erforderlich wurde.

          Tom Tailor (ohne Bonita) verzeichnete 2018 einen bereinigten Umsatzzuwachs um rund 3 Prozent auf 617 Millionen Euro. Der operative Gewinn stieg überproportional, so dass sich die Marge leicht verbesserte. Man sei zufrieden, dass sich die Kernmarke gegen den Markttrend weiter positiv entwickelt habe, sagt Vorstandschef Heiko Schäfer. „Das gibt uns Rückenwind für das laufende Geschäftsjahr.“

          Indes startete dies nicht so überzeugend. Im ersten Quartal stagnierte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr bei 138 Millionen Euro. Der operative Gewinn sank deutlich von 11,7 auf 2,6 Millionen Euro. Verantwortlich dafür seien höhere Marketing- und Personalkosten sowie außerordentliche Beratungsaufwendungen in Höhe von zwei Millionen Euro.

          Tom Tailor befindet sich derzeit in einer problematischen  Situation. Aufgrund der laufenden Verhandlungen können keine endgültigen Geschäftszahlen vorgelegt werden. Gleichzeitig wirkt die Meldung über die Schwierigkeit der Verhandlungen auf die Investoren eher beunruhigend.

          Dessen scheint man sich bewusst zu sein. Nachdem das Unternehmen am Montagabend zunächst nur knapp über die Verhandlungen berichtet hatte und über die Veröffentlichung von Geschäftszahlen keine Aussage machen wollte, schob man nur eine Stunde später eine ausführliche Meldung einschließlich einiger ungeprüfter Geschäftszahlen nach.

          Für Investoren wäre sicher auch wichtig, eine Bilanz zu sehen, um sich ein Bild von der Situation machen zu können. Die bisher letzte Bilanz vom 30.9.2018 weist noch eine zufriedenstellende Eigenkapitalquote von knapp einem Drittel aus. Allerdings war das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital (Gearing) seinerzeit gegenüber dem Vorjahresquartal schon deutlich von 53,2 auf 71,3 Prozent gestiegen.

          Auf der Handelsplattform Tradegate gab der Aktienkurs von Tom Tailor bis 22:25 Uhr am Vorabend um mehr als 5 Prozent auf 2,206 Euro nach. 

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