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Anleihen aus Wachstumsmärkten : Schwellenländer gelten nun als verlässliche Anlage

Risiko für Anleger: Malaysia ist stark von Rohstoffen abhängig – und somit auch vom Ölpreis. Bild: Reuters

Attraktive Renditen gepaart mit guten Fundamentaldaten: Die Anleger interessieren sich immer stärker für Anleihen aus Wachstumsmärkten – sie müssen nicht einmal exotische Währungsrisiken eingehen.

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          Die Erträge aus Staatsanleihen können im Jahr 6 Prozent und mehr ausmachen. In Zeiten, in denen eine Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von knapp 0,7 Prozent schon als hoch empfunden wird, ist das erstaunlich. Und dazu müssen nicht einmal exotische Währungsrisiken eingegangen werden. Denn die auf Dollar oder Euro lautenden Staatsanleihen aus aufstrebenden Volkswirtschaften weisen weiterhin einen Zinsvorteil auf. Zu diesen sogenannten Emerging Markets zählen China, Brasilien, die Türkei, Russland, Südafrika, Mexiko und noch einige Länder mehr.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die Anleihen von Schwellenländern bieten attraktive Renditen gepaart mit guten Fundamentaldaten“, sagt Robert Reichle, Fondsmanager der Berenberg Bank, im Gespräch mit der F.A.Z. Von einer inzwischen verlässlichen Anlageklasse mit interessanten Renditen spricht Ernesto Bettoni, der für den Vermögensverwalter Blackrock mehrere Anleihefonds im Bereich Emerging Markets verantwortet. Das liegt seiner Ansicht nach an den höheren Wachstumsraten in diesen Ländern. Hinzu komme der Lernprozess aus den vergangenen Rückschlägen. „Die Anlageklasse wird inzwischen auch von Pensionsfonds geschätzt, denen früher die Risiken in den Schwellenländern zu hoch waren.“

          Lernprozess auf der Investorenseite

          Diese Stabilität machen die Portfoliomanager von Pimco, einer der größten Anleihefondsgesellschaften, auch daran fest, dass die zuletzt deutlich anziehenden Zinsen der amerikanischen Staatsanleihen die Schuldtitel der Schwellenländer nicht belastet haben. Noch vor fast fünf Jahren, als die amerikanische Notenbank zur Drosselung ihrer Anleihekäufe übergegangen war, hätten die Schwellenländer die Hauptlast des Schocks zu tragen gehabt, schreiben die Portfoliomanager von Pimco, einer Tochtergesellschaft der Allianz.

          Auch Reichle, der für Berenberg auf Schwellenländeranleihen spezialisierte Fonds leitet, spricht von einem Lernprozess – auf der Investorenseite. In den vergangenen Jahren habe sich die Investorenbasis für die Schwellenländer stark verbreitert. „Das hat auch dazu geführt, dass die Anleger kurzfristige Schwächeperioden wesentlich gelassener aufnehmen“, sagt Reichle. So habe sich die durchschnittliche Haltedauer der Anleihen verlängert. „Dieser Lernprozess der Investoren hat die Anlageklasse deutlich stabilisiert“, betont er. Nach seinen Worten hat die Widerstandsfähigkeit gegenüber exogenen Schocks in diesen Ländern spürbar zugenommen. Reichle hält den zu erwartenden Zinsanstieg in den Vereinigten Staaten in den auf Dollar lautenden Schwellenländeranleihen schon in fortgeschrittenem Maße für eingepreist. Diese sogenannten Hartwährungsanleihen würden auch weiterhin Erträge abwerfen, aber nicht mehr so wie in den vergangenen Jahren. Derzeit laufen die in lokaler Währung begebenen Titel besser.

          Bild: F.A.Z.

          Die Pimco-Manager führen die geringere Schwankungsanfälligkeit der Emerging Markets auch darauf zurück, dass sie die meisten Zahlungsbilanzprobleme gelöst hätten. Als Ausnahme verweisen sie auf die Türkei. Das anziehende Wachstum in den Schwellenländern sowie die eingedämmte Inflation erhöhe die Stabilität dieser Märkte. Das Risiko einer Konjunkturabschwächung in China werde durch die Stärke der Nachfrage in der Weltwirtschaft gemildert.

          Vor wenigen Jahren lösten Sorgen um den Ölpreis oder eine Schuldenblase in China noch Börsenturbulenzen aus. Das hatte auch Mittelabflüsse aus den Schwellenländern zur Folge. Aber mittlerweile schöpfen die Anleger wieder Vertrauen. Das zeigt sich auch an den verwalteten Vermögen, die das Schwellenländer-Team von Bettoni in den Blackrock-Fonds verwaltet: Vor fünf Jahren waren es noch weniger als 4 Milliarden Dollar, nun sind es fast 28 Milliarden Dollar.

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