https://www.faz.net/-gv6-9et3g

Streit mit EU : Schweizer Börse fürchtet die Bedeutungslosigkeit

  • Aktualisiert am

Die Schweizer Börse in Zürich Bild: SIX

Die EU und die Schweiz liegen im Streit. Die Schweizer Börse droht wegen der europäischen Anlegerschutzrichtlinien vom Handel in der EU abgeschnitten zu werden.

          Der Schweizer Börse SIX droht wegen einer politischen Auseinandersetzung zwischen der Europäischen Union und der Schweiz im schlimmsten Fall ein Verlust von großen Teilen des Geschäfts. Er gehe zwar immer noch davon aus, dass sich die beiden Parteien im Streit um den EU-Zugang für die Schweizer Börse bis zum Jahresende einigten, sagte SIX-Präsident Romeo Lacher im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

          Aber die SIX bereite sich auf längerfristig negative Folgen eines möglichen Scheiterns der Gespräche vor. „Eine Option ist, dass unsere Börse in einem Worst-Case-Szenario komplett an Bedeutung verliert“, erklärte Lacher. In diesem Fall würden wahrscheinlich nur kleine und mittelgroße Firmen bleiben, während die Schwergewichte an andere Handelsplätze wechseln würden.

          Mifid-Regulierung als Knackpunkt

          Hintergrund ist die neue Finanzmarktregulierung (MiFID II), die Anfang Januar in Kraft trat. Im Zuge dessen muss die EU außereuropäische Handelsplätze als gleichwertig anerkennen, um einen Handel über diese Plattformen weiterhin ohne Beeinträchtigung zu ermöglichen. Der Schweizer Börse hat die EU diese Gleichwertigkeit aber zunächst nur befristet für ein Jahr zuerkannt.

          Brüssel knüpft eine Verlängerung des EU-Zugangs an das Zustandekommen eines sogenannten „Rahmenabkommens“, das die Beziehungen der Schweiz zur EU vollumfänglich regeln soll. In der Schweiz gilt ein solcher Vertrag, der viele Sektoren und Branchen umfassen soll, jedoch als politisch nur schwer durchsetzbar.

          Sollte die Schweiz Teile des Börsenhandels verlieren, würde sich die SIX bemühen, die anderen Teile des Geschäfts zu schützen, sagte Lacher. Der Konzern wickelt auch Börsentransaktionen ab und betreibt ein Finanzinformations-Geschäft. Eine Möglichkeit wäre, längerfristig Niederlassungen in der EU zu eröffnen, um diese Geschäfte weiterzuführen, sagte Lacher.

          Ein solcher Schritt sei für den Börsenhandel nicht möglich, weil die Schweizer Regierung gemäß ihrem Notfallplan den Schweizer Firmen verbieten würde, ihre Aktien an der EU-Börse zu handeln. „Diese Türe ist jetzt ganz zu“, sagte Lacher. Dieses Verbot hindere die SIX auch daran, eine Börse aus dem EU-Raum zu übernehmen. Lacher schloss aus, dass die im Besitz von Banken stehende SIX übernommen werde.

          Weitere Themen

          Das kostet mich die Grundsteuer

          FAZ Plus Artikel: Reform : Das kostet mich die Grundsteuer

          Jedes Bundesland entscheidet künftig selbst, wie es die Grundsteuer erhebt. Doch ist die Grundsteuer wirklich so gerecht, wie behauptet wird? Wir haben die beiden Hauptmodelle durchgerechnet.

          Was tun mit dem Bußgeldbescheid?

          Legal Tech : Was tun mit dem Bußgeldbescheid?

          Coduka bietet die Prüfung eines Bußgeldbescheids und bei Erfolgsaussicht eine Weiterverfolgung des Verfahrens an. Für die Kunden ist das kostenlos. Eine Software macht es möglich.

          Topmeldungen

          Eurofighter-Absturz : Nur ein paar Meter vom Kindergarten entfernt

          Ein Schock für die Menschen in Nossentin ein Schock für die Luftwaffe: Was über den Absturz der Eurofighter bislang bekannt ist – und wie die Bevölkerung reagiert. Ein Besuch vor Ort.
          Interims-Führung: Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel und Malu Dreyer (v.l.) am Montag im Willy-Brandt-Haus in Berlin

          Mitgliederentscheid : Das gefährliche Spiel der SPD

          Mit einem „Fest der innerparteilichen Demokratie“ will die SPD ihre neue Parteiführung bestimmen. Doch das birgt diverse Risiken – und könnte die neue Spitze schnell wieder in die Bredouille bringen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.