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Verlust der Äquivalenz : Schweizer Aktien lässt der Börsenzank kalt

  • -Aktualisiert am

Nicht gleichwertig, ihr gleichgültig: Die Schweizer Börse SIX. Bild: dpa

Die Schweizer Börse hat ihre Anerkennung als gleichwertig zu den EU-Märkten verloren. Doch das hat bisher keinen erkennbaren Einfluss auf die Kurse. Anlagespezialisten sehen unverändert Chancen.

          Die Eskalation des Konflikts zwischen der Schweiz und der Europäischen Union hat am Montag zu einer bemerkenswerten Entwicklung geführt. Der Schweizer Aktienmarkt wird von der EU nicht mehr als gleichwertig zu dem der Gemeinschaft eingestuft. Das hat zur Folge, dass Wertpapierhändler in der EU Schweizer Aktien grundsätzlich nicht mehr in der Schweiz handeln dürfen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Einstufung von Aktienmärkten außerhalb der Gemeinschaft als gleichwertig oder nicht, sei eigentlich dazu geschaffen worden, um europäische Anleger vor den Gefahren unregulierter oder illiquider Auslandsmärkte zu schützen, sagt Eleanor Taylor Jolidon, Fondsmanagerin bei der Union Bancaire Privée (UBP). „Auf den viertgrößten Aktienmarkt Europas, die Schweiz, trifft das allerdings nicht zu.“

          Deswegen hat sich die Angelegenheit hier auch anders entwickelt, als es sich womöglich die Verantwortlichen auf Seiten der EU im Vorfeld vorgestellt hatten. Die Schweiz reagierte zunächst damit, dass sie verbot, Schweizer Aktien im Ausland zu handeln. Und die ausländischen Handelsplätze hielten sich daran, sagt Taylor Jolidon.

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          Die Deutsche Börse setzte den Handel in 182 Schweizer Aktien aus, darunter von Schwergewichten wie Nestlé, Roche, Novartis, UBS und Credit Suisse. Auch die Börse Stuttgart nahm den Handel der 202 Schweizer Aktien am Montag gar nicht erst auf. Eine Wiederaufnahme des Handels wird es erst geben, wenn die EU ihre Strafaktion gegenüber der Eidgenossenschaft beendet und die Schweizer Börse Six wieder als gleichwertig anerkennt. Wann das der Fall sein könnte, ist derzeit vollkommen offen.

          An der Schweizer Börse führten die Umstellungen am Montag nicht zu Turbulenzen. „Hier läuft alles ganz normal. Wir können bisher keine Auffälligkeiten im Handel erkennen“, sagte ein Six-Sprecher auf Anfrage. Auch bei den Kursen der Schweizer Aktien gab es keine besonderen Ausschläge nach oben oder nach unten – jedenfalls keine, die man klar einer möglichen Handelsverschiebung in Richtung Zürich zuordnen könnte.

          „Schon Ende der vergangenen Woche hatten einige EU-basierte Handelsplätze (Dark Pools, MTF (Multilateral Trading Facilities)) angekündigt, Schweizer Aktien nicht mehr zu handeln“, sagt Taylor Jolidon. „Das Drittel des Handels in Schweizer Aktien, das außerhalb der Schweiz stattgefunden habe, fließt jetzt dahin zurück.“ Für institutionelle Anleger sei das ohnehin keine wesentliche Veränderung. Im Endeffekt seien am ehesten europäische Kleinanleger die Leidtragenden, für die sich der Handel verteure, wenn die Liquidität fehle.

          Kleinanleger am ehesten die  Leidtragenden

          Letztlich sei die Regulierung auch lückenhaft. Denn EU-Brokern sei das Handeln in der Schweiz nicht grundsätzlich untersagt. „Wird eine Aktie nur in der Schweiz gehandelt oder gibt es am ausländischen Handelsplatz nicht genug Liquidität, können sie in der Schweiz handeln.“ Im Endeffekt seien höchstens europäische Kleinanleger die Leidtragenden, für die sich der Handel in der EU verteure, wenn die Liquidität fehle.

          Schließlich habe der Schweizer Aktienmarkt in den vergangenen 30 Jahren nun einmal fast durchweg eine bessere und stabilere Entwicklung genommen als die der EU. „Eine Ausnahme waren 1999 und 2016. Ersteres war der Technologieblase geschuldet, letzteres der Sorge um die Pharmaunternehmen, falls Hillary Clinton gegen Donald Trump gewinnen hätte können.“ Der Markt habe für diesen Fall Kostensenkungsmaßnahmen im amerikanischen Gesundheitswesen gefürchtet, mit negativen Folgen für die Schweizer Pharmazieunternehmen.

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