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Geldpolitik : Schweden steigt aus Negativzinsen aus

Riksbank-Gouverneur Stefan Ingves erläutert die Zinserhöhung. Bild: AP

Die Notenbank begründet die Leitzinserhöhung mit den Risiken zu günstiger Finanzierungsbedingungen. Die gestiegenen Immobilienpreise bereiten Sorgen.

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          Nach fünf Jahren hat die schwedische Notenbank den Ausstieg aus den negativen Zinsen eingeleitet. Am Donnerstag hob die Sveriges Riksbank ihren Leitzins von minus 0,25 auf null Prozent an. Riksbank-Gouverneur Stefan Ingves begründete den Schritt mit der Inflation, die seit 2017 nahe der Zielrate von 2 Prozent liege.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon zuvor hatte er klar gemacht, dass er die Risiken aus den zu günstigen Finanzierungsbedingungen fürchtet. Nach Ansicht von Ingves haben die negativen Zinsen ihren Zweck erfüllt, indem sie die Inflation und Wirtschaft gestützt haben. Doch es sei etwas anderes, wenn die Zinsen für einen langen Zeitraum im negativen Bereich lägen, sagte er zu Journalisten.

          Mit der am 8. Januar in Kraft tretenden Zinserhöhung gleicht sich die schwedische Geldpolitik jener der Europäischen Zentralbank (EZB) etwas an. Der Satz für Refinanzierungsgeschäfte der Geschäftsbanken (Repo-Satz) der EZB liegt ebenfalls bei null Prozent und war noch nie im negativen Bereich.

          Ein Negativzins bleibt

          Einzig der Einlagensatz liegt bei minus 0,5 Prozent. Künftig wird der schwedische Repo-Satz wieder null Prozent betragen, während der Einlagensatz bei minus 0,35 Prozent verharren wird. Der Einlagensatz ist der Zins, den Geschäftsbanken für ihre Einlagen von der Notenbank erhalten. Ist dieser negativ, zahlen die Geschäftsbanken einen Zins an die Notenbank.

          „Gelingt in Schweden der Ausstieg aus der Negativzinspolitik ohne größere wirtschaftliche Blessuren zu hinterlassen, wäre dies regelrecht eine Aufforderung an die EZB, es dem nordischen Beispiel gleich zu tun“, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

          Durch die negativen Zinsen sind in Schweden die Immobilienpreise gestiegen. Haushalte und Unternehmen haben sich immer stärker verschuldet, wodurch die Gefahren durch einen unerwarteten Schock gestiegen sind.

          Pensionsfonds und Versicherer müssen in ihren Anlagen größere Risiken eingehen, um ihre Verpflichtungen erfüllen zu können. Schließlich erhalten die sehr günstigen Kreditkonditionen Unternehmen am Leben, die unter anderen Umständen aus dem Markt ausgeschieden wären. Dies kann die Produktivität einer Volkswirtschaft belasten.

          Bedenken gegen Zinserhöhung

          Allerdings äußerten die stellvertretenden Riksbank-Gouverneure Anna Breman und Per Jansson Bedenken gegen die Zinserhöhung. Sie hätten sich mehr Zeit gewünscht für diesen Schritt, um besser abzusehen, wie sich das Inflationsumfeld entwickelt. Schwedens Notenbank verwies auf die Möglichkeit einer sich abschwächenden Konjunktur.

          Das beunruhigt sie aber nicht, weil die Wirtschaft nach den besonders guten Jahren von einem ungewöhnlich guten Zustand in die Normalität zurückkehre. Trotzdem schert die Riksbank aus der Politik anderer Notenbanken aus, weil sie die zinspolitischen Zügel wieder strafft.

          Dagegen haben EZB, die amerikanische Fed und andere Zentralbanken ihre Geldpolitik gelockert. Die Schweizer Nationalbank hält an ihren negativen Zinsen fest, da sie ansonsten durch den Zufluss von ausländischem Kapital eine starke Aufwertung des Franken befürchtet, welche die Exporte belastet.

          Die Schwedische Krone zeigte sich am Donnerstag wenig verändert zum Euro, weil die Zinserhöhung am Markt erwartet worden war. Die Riksbank behält sich ein Gegensteuern vor, sollte sich die Lage verschlechtern.

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