https://www.faz.net/-gv6-9hwk7

Schwarzbuch Börse : So wurden Anleger um ihr Geld gebracht

  • -Aktualisiert am

Viele Deutsche essen gerne bei der Restaurant-Kette Vapiano. Die Vapiano-Aktie aber zu kaufen, war 2018 keine gute Idee. Bild: Julia Zimmermann

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hat im neuen „Schwarzbuch Börse“ wieder große und kleine Skandale aufgelistet, mit denen Privatanleger um ihr Geld gebracht wurden. Die Liste ist nicht nur mit altbekannten Aktien bestückt.

          Einmal im Jahr gibt die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ihr „Schwarzbuch Börse“ heraus. Es ist ein bisschen wie beim Bund der Steuerzahler – in dem Buch berichtet die SdK über Skandale aus dem abgelaufenen Jahr, Betrügereien und Abzocken am Kapitalmarkt. Die Namen der Unternehmen ändern sich, aber das Vorgehen der schwarzen Schafe bleibt häufig das gleiche.

          Die größten Geldvernichter an der Börse lassen sich schnell finden, denn der Verlauf der Aktienkurse zeigt meist sehr deutlich auf, bei wem etwas schiefläuft. Dabei ist die Liste der größten Negativbeispiele der Geldanlage bunt gemischt. Sie reicht vom Container-Skandal der P&R-Gruppe über ein Online-Portal für Babyprodukte bis hin zu einer Branche, die seit Jahren im Visier der Aktionärsschützer steht, den Banken.

          Den größten Skandal lieferte die Münchner Anlagegesellschaft P&R am problematischen „Grauen Kapitalmarkt“. Im Frühjahr musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Der Verkauf von fast einer Million Schiffscontainern, die es nicht gab, kostete rund 54.000 Anleger 3,5 Milliarden Euro.

          Traurig ist, dass sich mehr als die Hälfte der vielen Anleger nun in Rente befindet und die Senioren mit ihrer P&R-Anlage einen Großteil ihrer Altersvorsorge verloren haben. Die Aussichten für sie im Insolvenzverfahren sind düster. „Wer das P&R-Geschäftsmodell über Jahre verfolgt hat, konnte ahnen, dass die Blackbox P&R nicht sauber arbeitet“, fasst SdK-Vorstand Daniel Bauer die Lehre aus einem der größten Anlegerskandale Deutschlands zusammen.

          Aber auch an der Börse haben Anleger im Börsenjahr 2018 teilweise einen großen Scherbenhaufen vorgefunden. Die Liste an Negativbeispielen reicht vom Reichen-Facebook ASmallWorld über Reifenhändler Delticom und Royalbeach bis hin zum Müllverbrennungsunternehmen ZhongDe Waste Technologie.

          Anlegervertrauen in Bankaktien schwindet

          Wer meinte, nach wie vor den hiesigen Banken sein Aktionärsvertrauen schenken zu können, wurde mit massiven Kursverlusten bedacht. Beispiel Deutsche Bank. Deutschlands größtes Kreditinstitut kommt aus dem Sumpf der schlechten Nachrichten nicht heraus. Die Aktie notiert aktuell auf Allzeittief, vom ehemals 102 Euro Aktienwert ist mit einem heutigen Kurs von unter 7,50 Euro kaum noch etwas übrig. Allein auf Jahressicht summiert sich das Kursminus auf über 56 Prozent. Das Anlegervertrauen in das Bankhaus schwindet von Tag zu Tag, für Rechtsrisiken hat die Deutsche Bank hohe Rückstellungen gebildet.

          COMMERZBANK AG

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Nur bedingt besser erging es Commerzbank-Aktionären. Das Kursminus hier: über 53 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte der Dax-Rauswurf Anfang September gewesen sein. Da mutet es fast schon ein wenig komisch an, dass Anleger mit der Danske Bank 2018 besser da stehen. Das in einen Geldwäscheskandal verwickelte dänische Institut hat Anleger lediglich ein Kursminus von 45 Prozent im Depot eingebracht.

          Aber auch abseits der Bankenbranche legten Anleger mit bestimmten Aktien in diesem Börsenjahr eine Bruchlandung hin. Wer dem Möbelhauskonzern Steinhoff sein Vertrauen schenkte, verlor über 68 Prozent.

          VAPIANO SE INH. O.N.

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Die Restaurantkette Vapiano ging derweil erst im Sommer 2017 an die Börse und wurde am ersten Handelstag mit über 550 Millionen Euro bewertet. Davon ist nicht mehr viel übrig, der Aktienkurs verlor dieses Jahr über 70 Prozent an Wert.

          Nicht jedes Geschäftsmodell für die Börse geeignet

          Ein absolutes Debakel ist auch das erste China-Listing in Deutschland aus dem Jahr 2007 gewesen. Die in der ZhongDe Waste Technologie AG investierten Aktionäre ereilte dasselbe Schicksal wie die meisten Anleger in hierzulande notierte Penny-Stocks: Der Aktienkurs tendiert gegen null.

          Dass Börsengänge zwar oft euphorisch gefeiert werden, aber nicht unbedingt gleich mit einer erfolgreichen langfristigen Kursentwicklung einhergehen, zeigt das Beispiel Home 24. Die defizitäre Beteiligung von Rocket Internet ging erst im Juni an die Börse und schockte keine vier Wochen später mit der ersten Umsatzwarnung. Der Emissionspreis lag mit 23 Euro am oberen Ende der Angebotsspanne von 19,50 Euro bis 24 Euro.

          HOME24 SE INH O.N.

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Nach dem ersten Börsentag stand für die Erstzeichner ein Zeichnungsgewinn von fast 28 Prozent auf dem Papier. Wer dem Unternehmen bis heute die Treue gehalten hat, kann nur mit Wehmut auf die damaligen Gewinne schauen. Erstzeichner sitzen heute auf Verlusten gegenüber dem Ausgabepreis von 39 Prozent.

          Die SdK macht am Beispiel Home 24 deutlich, dass sich eben nicht jedes Geschäftsmodell für die Börse eignet, und verweist darauf, dass es für private Anleger kaum möglich sei, die Risiken eines Unternehmens zu überblicken und damit die „potentielle Auswirkung eines Risikos richtig einzuordnen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Diese Demonstranten am Stuttgarter Flughafen wollen die Menschen vom Fliegen abhalten.

          Klimaschutz : Vertraut nicht den Verboten!

          Im Kampf um das Klima gibt es viele Einzelideen. Sie versperren den Blick auf das Notwendige: ein sinnvolles Gesamtkonzept. Dafür gilt: Lieber gründlich als überhastet.
          Formiert sich gerade eine breite politische Front gegen Salvini? Der italienische Innenminister strebt weiter Neuwahlen an.

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.