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Schwache Quartalsbilanz : Wie geht es bei der Deutschen Bank weiter?

  • Aktualisiert am

Wie wird es weitergehen? Blick auf das Deutsche Bank Gebäude in Frankfurt am Main Bild: Carlos Bafile

Die Mehrheit der Analysten hat schon im Vorfeld der jüngsten Quartalsbilanz zum Verkauf der Aktie der Deutschen Bank geraten. Die Probleme des Geldinstituts scheinen nun kaum geringer geworden zu sein.

          Der Alltag hat die Deutsche Bank wieder. Nach der Beendigung der Gespräche über einen Zusammenschluss mit der Commerzbank muss sich Deutschlands größtes Bankhaus mit dem Tagesgeschäft beschäftigen – unter erschwerten Bedingungen. Denn die Bank hat einmal mehr eine Quartalsbilanz präsentiert, die gemischt ausfällt und die Probleme des deutschen Branchenprimus klar aufzeigt.

          Einen Tag nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Commerzbank teilte die größte deutsche Privatbank mit: „Wir erwarten, dass unsere Erträge im Jahr 2019 im Wesentlichen unverändert zum Vorjahr bleiben werden.“ Anfang Februar hatte Chef Christian Sewing noch eine leichte Steigerung angepeilt. Ein Einbruch im Wertpapierhandel zog die Erträge zum Jahresstart jedoch insgesamt um neun Prozent auf 6,4 Milliarden Euro nach unten. Hoffnung macht dem Vorstand hingegen der Zustrom an frischen Kundengeldern, wie das Institut am Freitag mitteilte.

          Insgesamt sammelte das größte deutsche Kreditinstitut im ersten Quartal im Geschäft mit reichen Kunden und bei den Investmentfonds netto rund 10 Milliarden Euro an frischem Geld ein. Unterm Strich verdiente die Deutsche Bank 201 Millionen Euro nach 120 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

          DWS ist der Gewinnbringer

          „Unser Ergebnis im ersten Quartal zeigt die Stärke unseres Kundengeschäfts“, erklärte Sewing. Die Bank sei bei Krediten und Einlagen gewachsen und habe das verwaltete Vermögen wieder steigern können. „Unsere Disziplin bei den Kosten half uns niedrigere Erträge auszugleichen. Wir sind auf einem sehr guten Weg, unser Kostenziel von 21,8 Milliarden Euro für das Jahr 2019 zu erreichen.“ Auch an seinem Ziel, die Eigenkapitalrendite auf mehr als vier Prozent zu steigern, hält Sewing fest.

          Die Deutsche Bank will sich nach den geplatzten Fusionsgesprächen nun auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Bei künftigen Zusammenschlüssen unter Geldhäusern will das Institut aber mitmischen. „Ich erwarte über die nächsten Jahre in Europa noch eine Banken-Konsolidierung“, sagte Sewing der „Bild“. „Und dabei möchte ich nicht nur zusehen, sondern auch Akteur sein.“ In Medienberichten wird spekuliert, dass die Deutsche Bank ihre Fondstochtergesellschaft DWS mit dem Fondsgeschäft der Schweizer Großbank UBS verschmelzen könnte.

          Die DWS erwies sich im ersten Quartal als Gewinnbringer und trug mit 102 Millionen Euro etwa zur Hälfte zu dem Konzerngewinn bei. Zum Jahresauftakt hatte die DWS den Abzug von Kapital gestoppt und peilt für das Jahr 2019 unterm Strich wieder ein Wachstum bei den Neugeldern an. Im ersten Quartal habe das Mittelaufkommen 2,5 Milliarden Euro betragen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Im Jahr 2018 hatten Kunden noch 22,3 Milliarden Euro abgezogen, was zum Teil auf die Steuerreform in Amerika zurückzuführen war. Die Deutsche Bank hatte die DWS vergangenes Jahr an die Börse gebracht und hält immer noch 78 Prozent der Anteile.

          Deutsche Bank und Commerzbank hatten ihre Fusionsgespräche am Donnerstag nach knapp sechs Wochen abgebrochen. Nach „gründlicher Analyse“ seien die Vorstände zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss „keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde“, so die offizielle Mitteilung.

          Die Commerzbank hat nun die Darstellung eines hochrangigen Deutsche-Bank-Managers zurückgewiesen, die Initiative für die inzwischen abgebrochenen Fusionsgespräche sei von ihr ausgegangen. Die Verhandlungen seien „gemeinsam begonnen und gemeinsam beendet“ worden, sagte eine Commerzbank-Sprecherin. Zuvor hatte der Deutsche-Bank-Manager in einer Telefonkonferenz mit Journalisten erklärt: „Der anfängliche Impuls kam nicht von der Deutschen Bank. Die Commerzbank ist an uns herangetreten.“ Die Deutsche Bank wollte keinen Kommentar abgeben.

          Aktie im intakten Abwärtstrend

          An der Börse und bei Analysten werden die vollständigen Zahlen der Deutschen Bank skeptisch gesehen. Der Aktienkurs verliert an der Frankfurter Börse mehr als 3 Prozent und notiert bei 7,25 Euro.  Anders als Konkurrenten wie die Royal Bank of Scotland (RBS) habe die Deutsche Bank ihre Hausaufgaben bislang nicht gemacht, monierte unter anderem Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Die Kosten seien immer noch zu hoch.

          DT. BANK

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          Die Schweizer Großbank UBS hat derweil die Einstufung für die Deutsche Bank auf „Neutral" mit einem Kursziel von 7,80 Euro belassen. Die Großbank habe die ohnehin niedrigen und noch gesunkenen Erwartungen etwas übertroffen, schrieb Analyst Daniele Brupbacher in einer ersten Reaktion am Freitag. Das ist noch eine der positiven Einschätzungen zur Aktie. Es gibt derzeit keine einzige Kaufempfehlung für das Papier.

          Anleger, die mit dem Gedanken spielen, der Aktienkurs könnte sich schon bald wieder erholen, sollten auch einen Blick auf die Charttechnik werfen: Die Aktie der Deutschen Bank notiert aktuell im Abstand von 9 Prozent unter ihrer 200-Tage-Linie. Das heißt, die Aktie befindet sich in einem klaren Abwärtstrend. Weitere Rücksetzer sind nicht unrealistisch und könnten die Kurse bis auf das Allzeittief vom Dezember 2018 bei 6,75 Euro fallen lassen. Im vergangenen Monat März hatte sich der Aktienwert um mehr als 11 Prozent verringert.

          Aktuell wird die Aktie der Deutschen Bank mit dem 13-fachen des für 2019 geschätzten Gewinns bewertet. Das ist zwar keine hohen Bewertung, aber angesichts der Tatsache, dass sich die Aktie in einem intakten Abwärtstrend befindet, ist das niedrige KGV auch kein Argument, die Bank-Aktie im Depot zu haben oder gar auf den Gedanken zu kommen, einen Teil des langfristigen Vermögensaufbaus mit deren Hilfe zu gestalten.

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