https://www.faz.net/-gv6-9hhdl

Schroders-Chef Harrison : „Turbulenzen an der Börse sind gut“

  • Aktualisiert am

Peter Harrison, 52, leitet seit 2016 die Fondsgesellschaft Schroders, die für ihre Kunden rund 450 Milliarden Pfund anlegt. Bild: Wolfgang Eilmes

Peter Harrison, Chef der britischen Fondsgesellschaft Schroders, über fallende Aktienkurse, die Furcht vor dem Brexit und sein Personal aus der Formel 1.

          Herr Harrison, wie sehr sorgt Sie der Brexit?

          Nicht allzu sehr. Viele Ängste, die man zu hören bekommt, sind deutlich übertrieben. Ob es mir persönlich gefällt oder nicht: Es gab eine demokratische Abstimmung, in der die Mehrheit der Briten entschieden hat, die Europäische Union zu verlassen. Wer so etwas beschließt, muss dann auch mit den Folgen leben können.

          Sie glauben wirklich, dass Theresa May am Ende Erfolg haben wird?

          Erst hieß es, May werde niemals ein Verhandlungsergebnis zustande bringen. Nun heißt es: Dieser Deal kommt nie durchs Parlament. Vielleicht wird es Änderungen geben, vielleicht Verzögerungen, aber am Ende wird es meiner Meinung nach gelingen. Ich war jüngst mit anderen Managern aus der Finanzbranche zum Abendessen in der Downing Street No. 10 eingeladen, dem Sitz der Premierministerin. Dort herrschte eine konstruktive Stimmung.

          Nächste Woche stimmt das Parlament über Mays Austrittsplan ab. Scheitert er, haben auch Sie ein Problem.

          Keineswegs. In meiner Branche geht es darum, mit Risiken vernünftig umzugehen, das ist der Kern unserer Arbeit. Schroders ist auf alle Eventualitäten vorbereitet: Wir haben Büros in der ganzen Welt, auch in Kontinentaleuropa, wo wir speziell in Luxemburg einen großen Standort haben. Falls es also wider Erwarten zu einem ungeordneten Brexit käme, hätte dies in der Praxis kaum Auswirkungen auf unser Geschäft.

          Die britische Notenbank prophezeit für diesen Fall eine Rezession.

          Diese Sorge teile ich nicht. Aber selbst wenn es dazu käme: Wir sind ein globales Finanzunternehmen, das glücklicherweise nicht allein von der Lage in Großbritannien abhängig ist.

          Wie viele Ihrer Fondsmanager möchten nach Frankfurt umziehen? Die Stadt will vom Brexit profitieren.

          Da hat man etwas zu große Erwartungen. Frankfurt ist eine schöne Stadt, aber es ist nicht so, dass meine Mitarbeiter Schlange stünden, um dort zu arbeiten. Eine größere Verlagerung von Arbeitsplätzen planen wir derzeit nicht.

          Seit Wochen ist die Börse in Unruhe. Liegt das auch am Brexit?

          Für diese Unruhe gibt es drei Gründe. Erstens herrscht große politische Unsicherheit, nicht nur mit Blick auf den Brexit. Was tut sich im Handelsstreit zwischen Amerika und China, welche Strafzölle drohen in Europa? So etwas ist Gift für Finanzmärkte. Zweitens ist der Konjunkturzyklus schon weit fortgeschritten. Überall auf der Welt wird sich das Wachstum verlangsamen. Drittens steuern wir auf das Ende einer Ära zu: Die Zeit des billigen Geldes ist vorbei, 2019 erwarten wir auch in Europa erste Zinserhöhungen. Dies bedeutet, dass den Börsen Liquidität entzogen wird. In der Vergangenheit waren dies nie gute Zeiten für Aktienkurse.

          Sind Sie sich mit Blick auf die Zinsen sicher? Manche Ökonomen glauben, dass es auf absehbare Zeit keine höheren Zinsen im Euroraum geben wird.

          Die Auffassung teile ich nicht. Die Zinsniveaus früherer Zeiten werden wir zwar aller Wahrscheinlichkeit nach wirklich nicht wiedersehen. Aber es bleibt dabei, dass auch ein geringerer Anstieg der Zinsen Komplikationen an der Börse verursachen kann.

          Wie sollen sich Anleger auf diese Gemengelage einstellen?

          Ich bin generell vorsichtig mit Tipps, weil man an der Börse schnell danebenliegen kann. Aber ein guter Ausgangspunkt ist meines Erachtens immer folgender Gedanke: Es muss an erster Stelle darum gehen, das eigene Vermögen vor Verlusten zu schützen.

          Also bloß keine Aktien kaufen?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Xi Jinping in Europa : Keine Angst vor Chinas Stärke

          Beeindruckt vom rasanten Aufstieg der Volksrepublik orientiert sich der deutsche Wirtschaftsminister Altmaier nun an Fernost. Das ist keine gute Idee. Unsere Kolumne „Hanks Welt“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.