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„Kilts“ statt „Gilts“ : Schottland prüft eigene grüne Anleihen

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Schottland könnte mit Zinsen womöglich nicht geizen. Bild: dpa

Schottland ist auch für seine Röcke, die „Kilts“ bekannt. Unter dem gleichen Namen könnten aber auch womöglich schon bald Anleihen begeben werden.

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          Die schottische Regierung prüft nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg erstmals selbst Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Seit 2015 hat die schottische Regionalregierung die rechtliche Handhabe, selbständig Anleihen zu begeben, die in Anspielung an die britischen Staatsanleihen „Gilts“ als „Kilts“ bezeichnet werden. Bis jetzt hatte sie davon keinen Gebrauch gemacht.

          Doch die regierende Scottish National Party, die ein weiteres Referendum über den Austritt aus dem Vereinigten Königreich anstrebt, wenn sie bei den Parlamentswahlen im Mai eine Mehrheit erringen kann, will anscheinend schon einmal das Terrain sondieren. Man wolle eng mit Investoren an Optionen arbeiten, etwa am grünen Anleihen mit Staatsgarantie, um das Netto-Null-Emissionsziel zu erreichen, zitiert die Agentur eine Sprecherin.

          Da diese Anleihen von einer Regierung mit dem erklärten Ziel der Abspaltung ausgegeben würden, wäre die theoretische Solvenz eines unabhängigen Schottlands für die Preisgestaltung maßgeblich, sagte Ross Hutchison vom Investor Aberdeen Standard. Das grüne Element sei interessant und könne viel Investoreninteresse auf sich ziehen. Schottland richtet im November den nächsten großen Klimagipfel der Vereinten Nationen aus.

          Großbritannien hat im vergangenen Jahr die Möglichkeiten für Regionalregierungen und Kommunen erweitert, Schulden aufzunehmen. Dafür wurde eigens die UK Municipal Bonds Agency gegründet, die Kommunen den Zugang zu Anleiheinvestoren erleichtern soll. Im Falle Schottlands könnte auch ein neues Steuerabkommen zwischen Edinburgh und London, die Haltung zur Schuldenaufnahme ändern, heißt es von Bloomberg. Entscheidungen werden aber wohl erst nach den Wahlen im Mai fallen.

          Die Schuldenaufnahme könnte über die von der Regionalregierung unterstützte Scottish National Investment Bank erfolgen, die gleichfalls Ende 2020 gegründet wurde. Schottland hat eine größere Steuerhoheit als Kommunen, zudem gibt es in Edinburgh mit Unternehmen wie Standard Life Aberdeen und Baillie Gifford eine eine Vermögensverwaltungsindustrie.

          Als heikle Frage gilt, was mit den Schulden passieren würde, wenn Schottland sich tatsächlich vom Vereinigten Königreich lossagen würde. Dies könnte eine deutliche Verteuerung schottische Schulden bewirken, vor allem angesichts der Tatsache, dass ein unabhängiges Schottland beabsichtigt, der EU wieder beizutreten. Daher, schätzen Investoren, würden „Kilts“ wohl tendenziell mit einem Aufschlag von einem Prozentpunkt auf die „Gilts“ handeln.

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