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Internationale Emissionen : Saudi Aramco triumphiert am Anleihemarkt

Ein Mitarbeiter von Saudi Aramco vor einem Öltank in Saudi-Arabien Bild: Reuters

Beim staatlichen saudischen Ölkonzern Saudi Aramco gibt es Grund zum Feiern: Das Unternehmen erhielt Gebote über rund 100 Milliarden Dollar für die eigenen Dollarpapiere. Diese Zahl stellt eine neue Bestmarke dar.

          Es ist ein Rekord für Anleihen eines Emittenten aus einem Schwellenland. Im Jahre 2016 hatten Staatsanleihen aus Argentinien und Saudi-Arabien jeweils Gebote über mehr als 60 Milliarden Dollar auf sich gezogen. Nun fuhren sechs auf Dollar lautende Anleihen des staatlichen saudi-arabischen Ölkonzerns Saudi Aramco Gebote über rund 100 Milliarden Dollar ein. Da Saudi Aramco aber nur Anleihen über 12 Milliarden Dollar ausgab, gingen viele Bieter leer aus.

          Nach der verbreiteten internationalen Kritik an der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi gelang es Saudi-Arabien nun, auf internationalem Terrain einen großen Erfolg zu verzeichnen. Denn die Anleihen von Saudi Aramco wurden von Großanlegern rund um den Globus nachgefragt. Das Interesse war so groß, dass die Renditen der Anleihen von Saudi Aramco sogar unter den Renditen der Staatsanleihen des Heimatlandes Saudi-Arabien liegen.

          Selbstverständlich war dies zu Beginn nicht. Denn Versuche, Aktien von Saudi Aramco an Börsen zu plazieren, sind in der Vergangenheit mehrfach abgebrochen worden, da der Staat als Eigentümer von einem Marktwert des Unternehmens von rund 2 Billionen Dollar ausging. Zwar war in der internationalen Finanzszene sehr wohl bekannt, dass Saudi Aramco als größter Ölkonzern der Welt für etwa 10 Prozent der globalen Ölförderung steht. Aber genaue Zahlen über die Geschäfte des Staatskonzerns waren lange Zeit nicht zu erhalten. Daher blieben viele Anleger zunächst vorsichtig.

          Dreistelliger Milliardengewinn beeindruckt Ratingagenturen

          Im Zusammenhang mit der Plazierung von Anleihen sah sich das Unternehmen dann aber doch veranlasst, für mehr Transparenz zu sorgen. So werden für das Jahr 2018 ein Umsatz von 356 Milliarden Dollar und ein Gewinn von 111 Milliarden Dollar genannt. Die Ratingagenturen Fitch und Moody’s zeigten sich von den vorgelegten Daten beeindruckt und vergaben die fünftbeste Note – nicht ohne durchblicken zu lassen, dass Saudi Aramco mit den vorgelegten Zahlen noch eine weitaus bessere Note erhalten würde, wenn sich der Unternehmenssitz in einem sicheren Industrieland befände.

          Für kurzfristige Irritationen sorgte eine andere Nachricht. Das Ölfeld Ghawar fördert nur 3,8 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) am Tag, anstelle der von der Branche vermuteten 5 Millionen Barrel. Allerdings zeigten genauere Analysen, dass Saudi Aramco, vermutlich aus Kostengründen, einen Teil seiner Förderung auf andere Felder verlegt hat. Jedenfalls scheint das Unternehmen keine Schwierigkeiten zu haben, die in der Branche vermutete Gesamtmenge von 12 Millionen Barrel am Tag zu fördern.

          Am Anleihemarkt ist Saudi Aramco nun mit sechs verschiedenen Dollaranleihen vertreten, die mit einem Mindestanlagebetrag von 200.000 Dollar eher für große als für kleine Anleger gedacht sind. Die Anleihen haben Laufzeiten von 3, 5, 10, 20 und 30 Jahren. Auf den ersten Blick mag man sich fragen, warum ein finanziell kerngesundes Unternehmen wie Saudi Aramco Anleihen ausgibt. Doch das Unternehmen wird vom saudischen Staatsfonds für 69 Milliarden Dollar eine Mehrheitsbeteiligung an dem Petrochemiekonzern Sabic übernehmen.

          Renditen sind der Grund für die hohe Nachfrage

          Auf diese Weise fließen dem Staatsfonds erhebliche Dollarbeträge zu, die in die Modernisierung der saudischen Wirtschaft fließen könnten. Denn es ist das Ziel der Machthaber in Riad, die Abhängigkeit des saudischen Wohlstands vom Öl auf mittlere und lange Sicht zu verringern.

          Was erklärt die große Nachfrage der Anleger nach den Anleihen? Es ist die Suche nach Rendite in einer Welt, in der die Staatsanleihen der Industrienationen keine attraktiven Renditen mehr versprechen. Das gilt auch für die Vereinigten Staaten, wo die Rendite dreißigjähriger Staatsanleihen rund 2,90 Prozent beträgt. Die dreißigjährige Anleihe von Saudi Aramco trägt immerhin einen Kupon von 4,375 Prozent. Das Unternehmen ist wirtschaftlich solide, und die saudischen Ölreserven werden so schnell nicht versiegen. Allerdings kauft sich der Anleger auch ein politisches Risiko, denn die Lage im Mittleren Osten ist durch Unsicherheit geprägt.

          Andererseits dürften viele Anleger die Erwartung hegen, dass die Vereinigten Staaten, allen zwischenzeitlichen Verstimmungen mit Riad zum Trotz, keine Destabilisierung Saudi-Arabiens tolerieren dürften. Und so ist es denn auch kein Wunder, dass sich unter den Banken, die an der Plazierung der Anleihen von Saudi Aramco mitwirkten, an führender Stelle mehrere bekannte amerikanische Adressen befinden, darunter JP Morgen, Morgan Stanley, Citigroup und Goldman Sachs.

          Bemerkenswert ist, dass vor allem die Anleihen mit sehr langer Laufzeit stark gefragt waren. Denn wie Saudi-Arabien im Jahre 2040 oder 2050 dastehen wird, lässt sich heute nicht sagen. Solche Papiere werden allerdings vor allem von Versicherungen und Pensionsfonds erworben, die mit langfristigen Kapitalanlagen weit in die Zukunft reichende Auszahlungsverpflichtungen refinanzieren wollen.

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