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Saudi Aramco : Börsengang für eine geschlossene Gesellschaft

  • -Aktualisiert am

Besucher eines Messestands von Saudi Aramco in Abu Dhabi Bild: EPA

Saudi-Arabien bringt seinen Ölkonzern an die Börse, doch deutsche Privatanleger kommen nicht zum Zug. Das ist kein Nachteil, denn das Risiko ist groß und die Transparenz niedrig.

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          Es ist ein Börsengang der Superlative: Bis zu 25,5 Milliarden Dollar will Saudi-Arabien für die Aktien des königlichen Ölkonzerns Saudi Aramco von Investoren und Anlegern einsammeln, obwohl nur 1,5 Prozent des gesamten Kapitals an den Markt gebracht werden sollen. Wenn die 3 Milliarden für den Börsengang bestimmten Aktien zu den genannten Bedingungen verkauft werden, wäre das Unternehmen insgesamt 1500 bis 1700 Milliarden Dollar wert.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zum Vergleich: Der Marktwert des amerikanischen Digitalkonzerns Apple beträgt 1186 Milliarden Dollar. Und der chinesische Amazon-Konkurrent Alibaba nahm bei seinem Börsendebüt an der Wall Street im Jahr 2014 ganze 25 Milliarden Dollar ein. Saudi Aramco könnte also die Einnahmen des bisherigen Rekord-Börsengangs von Alibaba knapp überflügeln, falls die Aktien des Ölkonzerns zum oberen Ende der Zeichnungsspanne von 8,0 bis 8,5 Dollar verkauft werden.

          Auch die Geschäftszahlen von Saudi Aramco stellen andere Schwergewichte an den Börsen in den Schatten. Der Staatskonzern erzielte 2018 einen Gewinn von 265 Milliarden Dollar, wovon nach Steuern 111 Milliarden Dollar übrig blieben. Das macht Saudi Aramco zum ertragsstärksten Unternehmen überhaupt und ist fast doppelt so viel wie der Jahresüberschuss des Digitalkonzerns Apple von 59,5 Milliarden Dollar.

          Keine Frage, die Zahlen sind beeindruckend. Doch sind sie mit Vorsicht zu genießen, weil das Unternehmen offenbar die Transparenz internationaler Märkte scheut. So wurde eine Roadshow abgesagt, auf der das Geschäftsmodell internationalen Investoren vorgestellt werden sollte. Auch das Licht der amerikanischen Börse scheut das Unternehmen, obwohl die Wall Street wohl der bedeutendste Handelsplatz ist.

          So wird Saudi Aramco die amerikanischen Wertpapierregeln wohl nicht erfüllen, laut denen unter anderem Geschäftsberichte für Investoren veröffentlicht werden müssten. Dass überhaupt Geschäftszahlen vorliegen, ist der Tatsache zu verdanken, dass Saudi Aramco im Frühjahr ein Anleihenpaket im Umfang von 12 Milliarden Dollar an den Markt gebracht hat. Diese Anleihen waren der bisher einzige Weg, direkt in das Unternehmen zu investieren.

          Die Aktien dagegen werden nicht in den Vereinigten Staaten vermarktet. Viele große amerikanische Investoren werden daher nicht einsteigen, so dass professionelle internationale Anker-Aktionäre fehlen, die der Unternehmensführung ohne einen national gefärbten Blick auf die Finger schauen könnten. Für Kleinanleger wäre es aber beruhigend, wenn internationale Marktprofis mit Stimmgewicht an Bord wären.

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          Saudi-Arabien will zwar 0,5 Prozent der angebotenen Aktien an Privatanleger verkaufen, doch sind damit nur die eigenen Bürger gemeint. Ausländer sollen nur zum Zug kommen, wenn es sich bei ihnen um qualifizierte institutionelle Investoren handelt. Aktien zeichnen können nur Anleger mit einem Bankkonto und einem Aktiendepot in Saudi-Arabien. Diese Voraussetzung dürfte kaum ein ausländischer Privatanleger erfüllen. Das Königreich hat den Mega-Börsengang zu einer geschlossenen Veranstaltung erklärt und begründet das damit, dass das Kapital im Land bleiben soll. Ein Investment wird zur patriotischen Pflicht stilisiert. Das hat zur Folge, dass Saudi Aramco keine internationalen Börsenregeln beachten muss.

          Aus Sicht von Daniel Kerbach, Anlagestratege von Merck Finck Privatbankiers, stellt das ein Problem für deutsche Anleger dar. „Eine Notierung an einer nicht nach westlichen Standards regulierten Börse wie der in Riad birgt generell zusätzliche Risiken“, sagt Kerbach. Anleger, die in Ölaktien investieren möchten, sollten laut Kerbach daher andere Börsenplätze in den Vereinigten Staaten und Europa bevorzugen und nach Unternehmen Ausschau halten, die strengeren Aktionärsrichtlinien folgen als denen, die bisher an der Börse in Riad gelten. Zudem wird Saudi-Arabien von einer Monarchenfamilie regiert, so dass sich die Frage stellt, ob insbesondere Ausländer im Fall von Konflikten mit dem Management Rechtssicherheit genießen.

          BRENT

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          Aus Sicht des Anlageprofis Kerbach stellen die boomende amerikanische Schieferölbranche und die internationale Klimapolitik ein Risiko für das Geschäft von Saudi Aramco dar. Zudem sei Saudi-Arabien ein riskanter Unternehmensstandort. Die Angriffe auf zwei saudische Ölanlagen im September hätten gezeigt, wie verletzlich die Ölproduktion in der Region sei. Auch Ross Teverson, Strategiechef für die aufstrebenden Länder (Emerging Markets) des Investmentunternehmens Jupiter, schätzt die eindrucksvollen Aramco-Zahlen als ebenso groß wie die damit verbundenen Risiken ein. So befriedige Saudi Aramco nicht nur 12 Prozent des globalen Ölbedarfs und damit 5 Prozent des Energiebedarfs der Weltwirtschaft, sondern könne dies auch noch zu sehr geringen Kosten tun. Das liege daran, dass die Ölquellen des Unternehmens und die Anlagen für die Verarbeitung nah zusammenliegen. Das Öl könne zudem mit relativ einfachen Mitteln gefördert werden.

          Tatsächlich sind die Kosten für die Förderung konkurrenzlos günstig. So zahlt Saudi Aramco laut Analysten nur 7,5 Dollar Förder- und Betriebskosten je Barrel. Ein Barrel entspricht etwa 159 Litern. Die Araber sind damit deutliche Kostenführer unter den großen internationalen Ölkonzernen. So muss etwa Shell 22,9 Dollar je Barrel aufwenden. Negativ für Saudi Aramco wirkt sich jedoch die internationale Abwendung von fossilen Energien aus und die innovative amerikanische Ölproduktion. Beide Trends könnten den Ölpreis fallen lassen. Zudem gehen Investoren laut Anlagefachmann Teverson ein fiskalisches Risiko ein. So habe Saudi-Arabien den Steuersatz für Saudi Aramco gesenkt, könne ihn aber künftig wieder anheben.

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