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SAP : Deutschlands wertvollstes Unternehmen - ein Kauf?

  • -Aktualisiert am

Der Vorstandssprecher des Softwareherstellers SAP, Bill McDermott (r), und Finanzvorstand Luka Mucic. Bild: dpa

Bill McDermott hat aus SAP in den vergangenen Jahren das wertvollste Unternehmen im Dax gemacht und Industriegiganten wie Siemens hinter sich gelassen. Und der Walldorfer Konzern hat noch mehr zu bieten.

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          Laut einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist SAP-Chef Bill McDermott der mit Abstand bestbezahlte Vorstandsvorsitzende im Dax. Knapp 13,8 Millionen Euro strich der in New York City geborene Amerikaner im Jahr 2016 ein. Volkswagen-Chef Matthias Müller brachte es auf Platz zwei mit lediglich 9,6 Millionen Euro. Fast 14 Millionen Euro Gehalt sind viel Geld. Aber das Kontrollgremium des in Walldorf bei Heidelberg ansässigen Konzerns hat es für seinen Vorstandsvorsitzenden wohl sehr gerne gezahlt.

          Denn Europas größter Softwarekonzern ist mittlerweile das mit Abstand wertvollste Unternehmen im deutschen Leitindex und ein echtes Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Aktuell bringt es SAP auf eine Marktkapitalisierung von rund 120 Milliarden Euro. Der Industriegigant Siemens liegt mit einem Börsenwert von etwa 97 Milliarden Euro dahinter auf Platz zwei. Doch nicht nur beim Börsenwert ist SAP in Deutschland Spitze.

          Auf der Liste der wertvollsten Marken der Welt rangiert SAP als vermeintlich „langweiliges“ IT-Unternehmen auf Platz 21 und ist damit beste deutsche Marke – noch vor verbraucheraffinen Marken wie Mercedes Benz oder Volkswagen.

          SAP hat in den vergangenen Jahren konsequent seine Hausaufgaben gemacht und sich den Herausforderungen seiner Branche gestellt. Stichwort Cloud-Markt. An der Börse wurde das auch honoriert. Die SAP-Aktie verzeichnete in den vergangenen Jahren einen steilen Anstieg. Ende 2015 konnte das Papier sogar in Kursregionen vordringen, die seit der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende nicht mehr erreicht wurden.

          SAP

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          Diese aktuelle Kursentwicklung ist deshalb so besonders, da zu Zeiten der Dotcom-Blase an der Börse große Übertreibungen an der Tagesordnung waren. Die Anleger honorierten in den vergangenen 24 Monaten vor allem das Wachstum im Bereich Cloud Computing. Das Softwareangebot aus der Wolke ist ein ausgewiesenes Wachstumsfeld, in dem sich SAP derzeit mit Konkurrenten wie Oracle oder Salesforce messen muss und kann.

          Microsoft-Partnerschaft im Cloud-Geschäft

          Erst in dieser Woche wurde bekannt, dass SAP mit dem amerikanischen Microsoft-Konzern im Cloud-Geschäft enger zusammenarbeiten wird. Kunden sollen dann künftig SAPs Unternehmens-Cloud Hana auf Microsofts Plattform Azure vollständig integriert in einer sicheren Umgebung nutzen können. Damit hebe man die Partnerschaft auf das nächste Level, sagte SAP-Chef Bill McDermott. Laut Microsoft werde SAP mehr als ein Dutzend Anwendungen auf Azure portieren.

          Um sich möglichst schnell viele Kuchenstücke des Cloud-Marktes und ein schnelles Wachstum zu sichern, hat der Dax-Konzern in den vergangenen Jahren auch auf diverse milliardenschwere Übernahmen gesetzt. Zuletzt wurde es in dieser Hinsicht etwas ruhiger. Allerdings müssen Unternehmen wie Concur, ein Spezialist für Reisemanagement und Reisekostenabrechnungen, erst einmal integriert werden. SAP hat für ihn fast 7,8 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Kosten verursacht auch die Mitarbeiterfluktuation bei SAP. Während in den Wachstumsbereichen wie der Cloud neue Stellen geschaffen werden, werden diese anderswo abgebaut.

          Der dynamische Konzernumbau drückte daher zuletzt etwas auf die Ergebnisse, das Umsatzwachstum konnte dagegen vor allem dank der Zuwächse im Cloud-Bereich überzeugen. Konzernchef McDermott wird ohnehin nicht müde zu erwähnen, dass sich die heutigen Wachstumsinvestitionen auszahlen werden. Schließlich sollen mit dem Wachstum auch Skaleneffekte auftreten, die die Gewinne und Margen anschwellen lassen sollen.

          Konstante Dividendenpolitik seit Jahren

          Die Anleger schenken SAP ihr Vertrauen. Schaut man auf den längerfristigen Ausblick von SAP, ist dies auch mehr als berechtigt. Die Prognosen für Umsatz und Betriebsergebnis sind so positiv, dass das 2018er-KGV von etwas mehr als 22 für einen Anleger als nicht zu teuer angesehen werden kann. Hinzu kommt, dass SAP sich in den vergangenen zehn Jahren als ein Konzern mit einer soliden Dividendenpolitik gezeigt hat. Abseits der Ausschüttungen konnten Anleger auf Dekadensicht 9,9 Prozent Rendite pro Jahr mit der Aktie der Walldorfer erzielen.

          Wer nun noch ein bisschen Charttechnik hinzunimmt und einen längerfristigen Indikator wie die 200-Tage-Linie betrachtet, wird durchaus gute Argumente finden, sich mit der SAP-Aktie genauer zu beschäftigen. Ein sich schnell entwickelndes Cloud-Geschäft sowie ein steigendes Betriebsergebnis trotz hoher Investitionen sind weitere gute Argumente.

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