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Tech-Aktien aus Fernost : Es muss nicht immer das Silicon Valley sein

Viel beschäftigt dank Alibaba: Paketzusteller in Peking Bild: Reuters

Anleger, die sich für Technologieaktien interessieren, finden an den Börsen in Asien Unternehmen, deren Gewinne und Kurse in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. Wir stellen vier Werte vor.

          Alibaba, Tencent, Samsung und TSMC bilden an der Börse ein mächtiges Quartett. Der akkumulierte Nettogewinn der vier Unternehmen belief sich im Jahre 2015 auf 34,7 Milliarden Dollar. In diesem Jahr könnte er nach Schätzungen der Deutschen Asset Management 72,5 Milliarden Euro erreichen. Mit den Gewinnen sind auch die Aktienkurse und die Marktwerte des Quartetts gestiegen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Gerald Braunberger

          Wer mit Tech-Aktien Geld verdienen will, der muss nach China schauen. Um satte 100 Prozent hat der Kurs des weltgrößten E-Commerce-Anbieters Alibaba seit Jahresbeginn zugelegt. 68 Dollar kostete ein Anteilsschein bei seiner Ausgabe im September 2014, als der bekannteste chinesische Konzern an der New Yorker Börse notiert wurde. Heute liegt der Preis bei rund 175 Dollar – ein Anstieg innerhalb von nur drei Jahren um sagenhafte 157 Prozent. Das Vertrauen der Anleger in eine blühende Zukunft des Unternehmens mit Sitz in der ostchinesischen Stadt Hangzhou ist in diesem Jahr also besonders stark gestiegen.

          Klassischer Einzelhandel hat sich nicht etabliert

          Wer dafür eine Erklärung sucht, kann zum Beispiel ins eine knappe Zugstunde vom Firmensitz entfernte Schanghai reisen, Chinas modernste Stadt – und dort versuchen, in einem Ladengeschäft einen Kopfhörer zu erstehen. Selbst in der 25-Millionen-Einwohner-Metropole ist das ohne enormen Aufwand unmöglich. Klassische Einzelhandelsstrukturen haben sich während des rasanten Aufstiegs der chinesischen Wirtschaft noch nicht einmal in den großen Zentren an der Ostküste herausbilden können, geschweige denn in einer der anderen von über 100 Städten mit mehr als einer Million Einwohnern, von denen die meisten im Hinterland beheimatet sind.

          ALIBABA GR.HLDG SP.ADR 8

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          Stattdessen haben in den zwölf vorangegangenen Monaten zu Ende Juni des laufenden Jahres sage und schreibe 488 Millionen Chinesen auf einer der Alibaba-Plattformen Taobao oder Tmall eingekauft, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einer Steigerung von 22 Prozent entspricht. Auch in seinem vierten Quartal, das im September zu Ende ging, lieferte Alibaba das, was Börsianer außer starkem Wachstum noch lieber mögen: noch mehr Wachstum als gedacht. Um 63 Prozent stieg der Umsatz im Kerngeschäft E-Commerce – und an der Börse kletterten entsprechend die Kurse. Beim Blick auf Alibabas Geschäftsmodell spricht wenig dagegen, dass die Rally noch einige Zeit so weitergehen könnte.

          TENCENT HLDGS HD-,00002

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          Haben die Chinesen die Nase vorn?

          Trotzdem warnt bereits der eine oder andere Analyst, die Aktie sei alles andere als ein Schnäppchen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 51. Das ist etwa dreimal so hoch wie das KGV des amerikanischen iPhone-Herstellers Apple – allerdings jedoch nur ein Sechstel des KGV des E-Commerce-Konzerns Amazon, der auf Wachstum statt Rendite setzt. Fans verteidigen Amazons Minigewinne damit, dass die Amerikaner mit Big Data und Künstlicher Intelligenz gerade das perfekte Einkaufserlebnis entwickelten. Daran arbeitet allerdings auch Alibaba. Die Chinesen, so glauben viele Beobachter, haben dabei derzeit die Nase vorn.

          Scheinbar urplötzlich war Ende November ein unbekannter Außenseiter in die Königsliga der Tech-Aktien eingedrungen: Tencent aus der südchinesischen Technik-Metropole Shenzhen war an der Hongkonger Börse nach einem glänzenden Quartalsergebnis auf einmal über 500 Milliarden Dollar wert – mehr als Facebook. Eine höhere Bewertung hatten nur noch Amazon, Microsoft, der Google-Mutterkonzern Alphabet und Apple. Tencent wer? Inzwischen hat Facebook die Chinesen zwar wieder in Sachen Marktkapitalisierung überholt. Doch die Frage bleibt: Was ist das für ein Konzern, von dem die meisten Menschen auf der Welt noch nie gehört haben und der solche Wachstumszahlen zu verzeichnen hat?

          Tencent will auch auf den amerikanischen Markt

          Im dritten Quartal, das Ende September zu Ende ging, stieg der Gewinn des Konzerns um 69 Prozent auf 18 Milliarden Yuan (2,3 Milliarden Euro). Das war vor allem dem Smartphone-Spiel „Honour of Kings“ zu verdanken, das täglich mehr als 50 Millionen Chinesen anschalten. Diese erwerben darin Waffen und andere Zusatzleistungen und haben damit allein durch Käufe im Apple-Store Tencent einen Umsatz von 375 Millionen Dollar in einem einzigen Quartal beschert.

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