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RWE stellt Weichen : Der beschwerliche Weg zum Ökostrom-Konzern

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Braunkohle war mal: RWE-Chef Schmitz will den Versorger umkrempeln und auf Ökostrom trimmen. Bild: dpa

RWE-Chef Schmitz will den Versorger umkrempeln und auf Ökostrom trimmen. Aktionäre sollen mit einer soliden Dividendenausschüttung bei der Stange gehalten werden. Die Aktie selbst ist gar nicht mehr so unattraktiv.

          Schwächere Geschäfte mit Braunkohle und Kernenergie haben den Energiekonzern RWE im vergangenen Jahr belastet. 2019 werde ein Jahr des Übergangs, so der Konzern bei der Bilanzpressekonferenz in Essen. Denn der RWE-Konzern will die Weichen für die geplante Wandlung zu einem kompletten Stromanbieter mit einem großen Anteil an erneuerbaren Energien stellen. Auch der von Deutschland angestrebte Kohleausstieg treibt den Konzern um - er erhofft sich in seinem derzeitigen Brot- und Buttergeschäft Entschädigungen in Milliardenhöhe.

          An der Börse kann sich der Aktienkurs nach anfänglichen Verlusten am Mittag mit einem kleinen Plus behaupten. Trotz schwächerer Geschäfte will der Dax-Konzern seine Aktionäre weiter bei der Stange halten. „Das operative Geschäft läuft nach Plan und unsere finanzielle Basis ist sehr gut“, sagte Vorstandschef Schmitz. Die Aktionäre sollen daher wie angekündigt eine Dividende von 70 Cent je Aktie erhalten.

          Ein Jahr zuvor hatten Aktionäre zwar insgesamt 1,50 Euro je Aktie bekommen, allerdings war darin eine Sonderdividende von einem Euro im Zusammenhang mit Rückzahlungen zu Unrecht gezahlter Atomsteuern enthalten. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte RWE eine Ausschüttung von 80 Cent je Aktie an.

          Konzernchef Schmitz will den Versorger umkrempeln und auf Ökostrom trimmen. Hierzu will er die erst 2016 gestartete Tochter Innogy zusammen mit Eon-Chef Johannes Teyssen noch in diesem Jahr zerschlagen - und RWE mit der Übernahme der Ökstromanlagen von Innogy und der von Eon zum drittgrößten Produzenten von Ökostrom in Europa machen. Doch das Erbe aus dem Kohlezeitalter wird den Konzern, der künftig RWE Renewables heißen soll, noch lange belasten.

          Stabiles Ergebnis für 2019 erwartet

          Die Innogy-Transaktion mit Eon soll sich ebenso für die Aktionäre auszahlen. Dabei will der Konzern die Dividendenpolitik umstellen und wieder zu einer definierten Ausschüttungsquote zurückkehren. Die Dividende soll aber auch dann „mindestens das Niveau von 2019 halten“, so Schmitz.

          Zu den wichtigen Aktionären gehören Städte und Kommunen, die annähernd ein Fünftel der Aktien halten. Für 2019 erwartet der Energiekonzern bestenfalls ein stabiles Ergebnis. Das bereinigte Ebitda für RWE alleine soll in der Bandbreite von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro liegen, das bereinigte Nettoergebnis zwischen 300 und 600 Millionen Euro. Zwar sieht RWE eine leichte Erholung bei den Strompreisen, dagegen belastet der Rodungsstopp im Hambacher Forst.

          Die Analysten von JP Morgan haben die Einstufung für RWE nach den Jahreszahlen auf „Neutral" mit einem Kursziel von 21 Euro belassen. Die Resultate des Versorgers seien recht schwach, gingen aber überwiegend auf Sondereffekte zurück, schrieb Analyst Vincent Ayral in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Als schwach bezeichnete er auch den Ausblick auf 2019.

          Insgesamt hat sich die RWE-Aktie aber in den vergangenen Jahren trotz der massiven Veränderungen im Konzernumfeld solide entwickelt. Wer vor drei Jahren in RWE-Stammaktien 10.000 Euro investiert hatte, kann heute auf eine Depotgröße von über 19.000 Euro blicken.

          Aktie befindet sich im Aufwärtstrend

          Aktionäre, die schon deutlich länger an RWE beteiligt sind, warten derweil noch auf Kurse, die wieder annähernd an die alten Zeiten erinnern, als auf der Börsentafel im Jahr 2009 noch Kurse oberhalb der 60-Euro-Marke zu lesen waren. Anfang 2008 markierte der Aktienkurs bei über 100 Euro ein Allzeithoch. Wer entsprechend im Jahr 2009 in RWE sein Geld anlegte, wird heute nur ungern diese Position im Depot anschauen. Es steht ein Minus von über 50 Prozent zu Buche im Vergleich zu 2009.

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          Die rasante Talfahrt der Aktie begann mit der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima und dem damit verbundenen Umdenken Deutschlands, die Energiepolitik im Land nahezu komplett auf den Kopf zu stellen. Konzerne wie RWE und Eon konnten mit dieser Entwicklung nicht mithalten. Die Börse verlor das Vertrauen, die Aktienkurse der Jahre 2011 bis 2016 spiegeln das wider.

          Heute befindet sich derweil die RWE-Aktie charttechnisch gesehen in einem mittel- und langfristigen Aufwärtstrend und verfügt über eine solide Dividendenrendite. In wie weit das den einen oder anderen Anleger motiviert, wieder in eine Versorger-Aktie langfristig zu investieren, werden die kommenden Monate zeigen. Das Kursplus der RWE-Aktie beträgt seit Anfang des Jahres über 15 Prozent.

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