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Rück-Zug : VTG geht vom Parkett ab

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An der Börse das Abfahrtssignal gegeben: VTG Bild: VTG

Der Eisenbahnkonzern VTG zieht sich von der Börse zurück. Der Mehrheitseigentümer sieht bessere Chancen für strategische Entscheidungen ohne freie Anteilseigner.

          Der Mehrheitseigentümer von VTG will den Hamburger Schienenlogistik-Konzern von der Börse nehmen. Der Infrastruktur-Fonds von Morgan Stanley, der inzwischen 71 Prozent an dem Waggonvermieter hält, sieht das Unternehmen dann besser in der Lage, strategische Entscheidungen zu treffen. VTG habe damit auch Zugang zu verschiedenen Kapitalquellen zu attraktiven Konditionen, sagte der Investmentvorstand von Morgan Stanley Infrastructure Partners, Markus Hottenrott. Der VTG-Vorstand stellte sich hinter die Pläne.

          Der zweite Großaktionär der VTG, die Joachim-Herz-Stiftung der auch an Beiersdorf beteiligten Unternehmerfamilie, will seien Anteil von 15 Prozent auch nach dem Delisting behalten.

          Daher muss Morgan Stanley nur den übrigen 14 Prozent der Aktionäre ein Kaufangebot unterbreiten. Der Fonds bietet 53 Euro je Aktie. Das ist derselbe Preis, den Morgan Stanley bei früheren Angeboten offeriert hatte. Damit muss Morgan Stanley maximal 210 Millionen Euro für die übrigen VTG-Aktien im Streubesitz aufwenden. Der Kurs der VTG-Aktie stieg am Montag um 7 Prozent auf 53 Euro.

          Dass im Unterschied zu anderen Übernahmeangeboten kein Abschlag gemacht wird, ist so zu erklären, dass die Übernahme als sicher gilt. Unterstützt wird Morgan Stanley von der kanadischen Pensionskasse OMERS, die sich auf Infrastruktur-Investments spezialisiert hat. OMERS ist in Deutschland schon an der Raststätten-Kette Tank & Rast beteiligt. Beobachter gehen davon aus, dass die Pensionskasse auch bei VTG einsteigen will.

          Morgan Stanley will zudem hochverzinste Hybridanleihen der VTG über 250 Millionen Euro mit frischem Kapital ablösen. Hottenrott hatte vor der Übernahme noch ein Delisting als „nicht unseren primärer Ansatz“ bezeichnet.

          Ein Unternehmen mit einem so vergleichsweise großen Streubesitz und einem Marktwert von 1,4 Milliarden Euro von der Börse zu nehmen, ist ungewöhnlich. Rechtlich war dies bis 2014 nicht erlaubt. Damals aber urteilte der Bundesgerichtshofs, dass Aktionäre kein Anrecht darauf hätten, dass die Aktien eines Unternehmens an einer Börse gehandelt werden. Das hatten zuletzt die Investoren Bain und Cinven beim Pharmahändler Stada genutzt.

          Das Urteil des BGH hatte seinerzeit die Zahl der Delistings deutlich erhöht. Seitdem aber scheint der „Bestand“ weitgehend abgebaut (siehe Grafik).

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