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„Roter Alarm“ : Tesla unter Feuer

Model 3 Limousine von Tesla: Zweifel an der massenhaften Nachfrage Bild: AFP

Kritik gab es am E-Auto-Pionier Tesla schon immer. Doch mittlerweile kommt sie auch von früheren Freunden.

          Der E-Auto-Pionier Tesla war für viele Beobachter je nach Ansicht eine Wette oder ein Grant für eine bessere Zukunft. Sei es, weil das E-Auto ein Verkaufschlager werden würde, sei es weil es die Umwelt der Zukunft verbessern würde. Andere zweifelten schon immer daran, dass es das Unternehmen wirklich schaffen würde, profitabel zu arbeiten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dann kamen einige Aussetzer des schillernden Vorstandsvorsitzenden Elon Musk gegenüber Analysen, Investoren und der Börsenaufsicht, die die Sorgen beförderten. Selbst Fondsmanager, die eigentlich für ihre Nachhaltigkeitsfonds umweltfreundliche Aktien wie die von Tesla kaufen sollten, gingen auf Distanz und kritisierten Musks selbstherrliche Unternehmensführung.

          Im schlimmsten Fall Absturz auf 10 Dollar

          Seit Jahresbeginn steht Tesla verstärkt unter Feuer. Während sich die Aktienkurse auf breiter Front erholten, fiel der Tesla-Kurs um fast die Hälfte, derweil es immer mehr kritische Stimmen von Analysten gab.

          Am Dienstag setzte Adam Jonas von der Bank Morgan Stanley dem die vorläufige Krone auf. Im schlimmsten Fall müsse mit einem Absturz des Kurses auf 10 Dollar gerechnet werden. Derzeit werden noch mehr als 200 dafür bezahlt. "Im Vergleich zum kurzfristigen Bedarf ist Tesla zu stark gewachsen", kritisiert der Analyst. Sein aktuelles Kursziel liege bei 230 Dollar, aber der Aderlass im Management, Preisnachlässe und die angekündigten Sparmaßnahmen zeichneten das Bild eines Unternehmens, das unter Druck stehe.

          Tesla

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          Firmenchef Musk hatte in der vergangenen Woche eine E-Mail an die Mitarbeiter geschrieben, in der er harte Sparmaßnahmen ankündigte, weil Tesla in zehn Monaten das Geld ausgehen könne. Es müsse "Hardcore"-Änderungen geben, schrieb Musk in der vergangenen Woche, alle Ausgaben, auch für Teile, Gehalt, Reisekosten, Miete müssten überprüft werden. Erst Anfang des Monats hatte Tesla Aktien und Wandelanleihen im Wert von 2,7 Milliarden Dollar begeben.

          Analyst Ben Kallo vom Vermögensverwalter Baird sieht neben den Absatzsorgen auch ein Glaubwürdigkeitsdefizit bei Tesla. Dies hänge unter anderem mit der missglückten Kommunikationspolitik von Musk zusammen. Es werde voraussichtlich Wochen oder gar Monate dauern, bis Tesla dies überwunden habe. Er senkte sein Kursziel auf 340 von 400 Dollar. An der Einstufung "Outperform" halte er aber fest, betonte Kallo. Dank neuer Produkte und einer besseren Ertragskraft werde sich die Tesla-Aktie längerfristig überdurchschnittlich entwickeln.

          Wedbush-Analyst Dan Ives, bislang als “Tesla-Bulle” bekannt, äußerte sich zuletzt sehr kritisch und blumig. Bei Tesla gebe es “Roten Alarm”, dem Unternehmen stehe ein „Kilimandscharo-hafter Aufstieg” bevor, wenn es seine Rentabilitätsziele im zweiten Halbjahr erreichen wolle. Er äußerte Zweifel an der Nachfrage für das für den Massenmarkt gedachte Model 3. Sein Kursziel lag noch vor etwa einem Monat bei 365 Dollar, jetzt sind es noch 230.

          Im ersten Quartal lieferte Tesla 63.000 Fahrzeuge aus, im laufenden Jahr sollen 360.000 bis 400.000 werden. Dies sei eine „Herkulesaufgabe“, schreibt Ives, der eher an rund 350.000 glaubt. Teslas mit 5,3 Prozent verzinste Anleihen mit sechsjähriger Restlaufzeit rentieren derzeit mit mehr als 9 Prozent. Für die schwache Bonitätseinstufung von „Caa1“ geht das noch. Nichtsdestotrotz notieren sie mit Tiefstkursen.

          Tesla kann die Wende durchaus gelingen, wenn man die eigenen Ziele weniger ehrgeizig und realitätsnäher fast, auf den Kapitalmarkt und die Branche zugeht. Die große Frage ist indes, ob ein Elon Musk dies kann. Denn dies käme für ihn wohl einem „klein beigeben“ nahe und entspricht nicht seinen Vorstellungen, die Welt zu verändern. Alltagsgeschäfte scheinen Musk zu langweilen, doch diese sind essentiell, wenn man am Ende ein großes Rad drehen will.

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