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F.A.Z. exklusiv : Zum Jahresauftakt steigt der Ölpreis deutlich

Ölförderung in der Nordsee Bild: dpa

Die Nordseesorte Brent kostet so viel wie seit zehn Monaten nicht mehr. Die Prognosen von 20 Finanzinstituten variieren stark.

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          Der Ölpreis hat in dieser Woche deutlich zugelegt. Damit setzt sich auch im neuen Jahr eine Erholung fort, die Ende April 2020 begann, nachdem der Ausbruch der Corona-Pandemie und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Sorgen die Ölnotierungen um bis zu gut drei Vierteln hatten abrutschen lassen. Rohöl der Nordseesorte Brent kostete am Freitag zeitweise etwa 55 Dollar je Barrel (rund 159 Liter).

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der Preis befindet sich damit auf einem Niveau wie zuletzt vor gut zehn Monaten. Seit Jahresanfang ist Rohöl um rund 6 Prozent teurer geworden. Seit dem Jahrestief (etwa 16 Dollar) am 22. April beläuft sich der Preisanstieg inzwischen auf gut 240 Prozent. Die Bilanz des gesamten Jahres 2020 war mit einem Minus von 22 Prozent allerdings dennoch negativ.

          Neben der im Verlauf des vergangenen Jahres trotz Corona insgesamt wieder gewachsenen Konjunkturzuversicht hat seit Herbst vor allem die Aussicht auf flächendeckende Corona-Impfungen für starken Preisauftrieb bei Öl gesorgt. Zuletzt kam unter anderem die Entscheidung Saudi-Arabiens hinzu, die Ölförderung vorerst deutlich zu kürzen. Dennoch bleibt das auf absehbare Zeit größte Risiko für den Markt die Corona-Krise, zumal sich die Lage in vielen Ländern wieder verschärft hat, mit entsprechenden Folgen für die Wirtschaft und den Ölverbrauch.

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          In der alljährlichen Umfrage der F.A.Z. zeigten sich die befragten 20 Finanzinstitute denn auch eher zurückhaltend in ihrer Prognose für den Ölmarkt. Im Durchschnitt erwarten diese Fachleute zur Jahresmitte für die Sorte Brent einen Preis von nur 50 Dollar. Aus jetziger Sicht würde dies einem Rückgang um 9 Prozent gleichkommen. Zum Jahresende rechnen die befragten Analysten durchschnittlich mit einem Ölpreis von 55 Dollar, was in etwa dem aktuellen Niveau entspricht.

          Mit einer Prognose von 60 Dollar in zwölf Monaten ist Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank optimistischer. Die konjunkturelle Erholung im Jahresverlauf sowie sich aufhellende Erwartungen sollten den Ölpreis 2021 stützen. Trifft diese Vorhersage zu, würde dies einem Preisanstieg um 9 Prozent entsprechen.

          Noch zuversichtlicher zeigt sich die Helaba mit einem Ziel von 64 Dollar am Jahresende (plus 16 Prozent). Die wirtschaftliche Erholung in der Welt sorge für einen Anstieg der Ölnachfrage. Dabei seien die ölproduzierenden Länder der OPEC+ bemüht, das Angebot nur langsam auszuweiten, um zu einer Reduktion der Lagerbestände beizutragen, die in der Corona-Krise deutlich gestiegen seien, heißt es. In der Folge seien die Perspektiven für den Ölpreis aufwärtsgerichtet. Auch die Abwertung des Dollars wirke positiv.

          Besonders niedrige Prognosen stammen in der Umfrage von der italienischen Unicredit und der österreichischen RBI mit 45 Dollar zum Jahresende (minus 18 Prozent). Auch die Commerzbank gehört eher zu den Pessimisten. In den vergangenen zehn Handelswochen habe es nur einen Wochenrückgang gegeben, der zudem vergleichsweise gering ausgefallen sei, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Bank. Dies verdeutliche die Stärke des Ölmarktes in den zurückliegenden zweieinhalb Monaten. Zunächst seien es Hoffnungen auf der Nachfrageseite gewesen wegen der Verfügbarkeit von Impfstoffen, die den Preisanstieg ausgelöst hätten, in dieser Woche seien Meldungen auf der Angebotsseite hinzugekommen.

          Durch die freiwillige Produktionskürzung von Saudi-Arabien dürfte der Ölmarkt im laufenden Quartal voraussichtlich ein Angebotsdefizit von mehr als einer Million Barrel am Tag aufweisen, sagt Fritsch. Um diesen Betrag könnte die Nachfrage also schwächer ausfallen, bevor der Markt in einen Überschuss drehe. Im zweiten Quartal kehre sich die Lage allerdings um, dann drohe ein Überschuss in Höhe von 500000 Barrel am Tag, sollte Saudi-Arabien die Produktionskürzung im April wie angekündigt wieder zurücknehmen und die OPEC+ ihre Produktion wie geplant graduell erhöhen. Dann sei eine stärkere Nachfrage vonnöten, um einen Überschuss zu verhindern. Dieses Umfeld spreche für eine Preiskorrektur in den kommenden Monaten.

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