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30 Millionen Euro : Vapiano erhält dringend benötigte Kredite

Ein Vapiano Restaurant in der Münchner Innenstadt Bild: Picture-Alliance

Vapiano verkündete zuletzt eine schlechte Nachricht nach der anderen: Gewinnwarnungen, Abgänge von Spitzenpersonal, tiefrote Zahlen. Jetzt hat sich die angeschlagene Restaurantkette eine wichtige Geldspritze gesichert.

          Nach der gelungenen Refinanzierung will die angeschlagene Kölner Restaurantkette Vapiano ihren Blick wieder nach vorne richten. „Unser Ziel ist es, Vapiano zurück auf einen profitablen Wachstumskurs zu bringen und unsere Marke wieder erfolgreich bei unseren Gästen zu positionieren“, sagte der seit einem halbem Jahr amtierende Vorstandsvorsitzende Cornelius Everke.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Die Börsenreaktion fiel am Freitag eher verhalten aus. Zwar zog der Kurs der vor zwei Jahren zum Preis von 23 Euro herausgebrachten Aktie zunächst um bis zu 5,2 Prozent an auf 6,24 Euro. Schon im Verlauf des Vormittags notierte das Papier aber nur noch leicht im Plus bei 6 Euro. Nach langen Verhandlungen konnte sich das Unternehmen am Donnerstag Kredite in Höhe von 30 Millionen Euro sichern, wie in einem Teil der Ausgabe bereits berichtet.

          Den Angaben zufolge liegen Vapiano verbindliche Kreditzusagen von den finanzierenden Banken und den Großaktionären vor, zu denen die Tchibo-Familie Herz und der Mitgründer Gregor Gerlach zählen. Mit dem Abschluss der Verhandlungen sieht Everke „die Weichen für die weitere Umsetzung unserer neuen Strategie gestellt“. Mithilfe der Kredite sollen die finanzielle Restrukturierung und die strategische Neuausrichtung vorangetrieben werden.

          Noch tiefer in der Verlustzone 

          Allerdings muss die Pasta-Kette ihre eigentlich für Freitag angekündigte Bilanzvorlage nun schon zum dritten Mal verschieben. Die Geschäftszahlen für 2018 sollen erst am 18. Juni veröffentlicht werden. Die abermalige Verzögerung begründet das Unternehmen mit weiteren Anforderungen an die Dokumentation der ausgehandelten Refinanzierung. Einen neuen Termin für die Hauptversammlung gibt es noch nicht.

          Der Vapiano-Chef Cornelius Everke 2019 in Frankfurt

          Bereits Ende April hatte der Vorstand den ursprünglich geplanten Termin, den 5. Juni, abgesagt. Über das vergangene Geschäftsjahr hat Vapiano bislang nur rudimentär informiert. Laut einer Mitteilung vom Februar ist das Unternehmen noch tiefer in die Verlustzone geraten. Der Fehlbetrag habe sich wegen außerplanmäßiger Abschreibungen und weiterer Risikovorsorge deutlich erhöht, hieß es seinerzeit. Im Vorjahr hatte Vapiano unter dem Strich ein Minus von 29,6 Millionen Euro verbucht. Mit 370 Millionen Euro blieb der Umsatz im vergangenen Jahr hinter den angestrebten 375 bis 385 Millionen Euro zurück.

          Auf vergleichbarer Fläche, also ohne die 32 neu eröffneten Restaurants, entspricht dies einem Rückgang von 1 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) betrug den vorläufigen Angaben zufolge 29 bis 31 Millionen Euro anstatt der in Aussicht gestellten 34 bis 38 Millionen Euro. Damit verfehlte Vapiano auch die mehrfach nach unten korrigierten Ziele klar. Nach zwei Prognosekorrekturen hatte Vorstandschef Jochen Halfmann Ende November seinen Hut nehmen müssen.

          Jedes neue Restaurant kostet 2,6 Millionen Euro

          Sein Anfang Dezember angetretener Nachfolger Everke hat angekündigt, das ehrgeizige Tempo der Neueröffnungen deutlich zu drosseln und sich auf den Kernmarkt Europa zu konzentrieren. „Wir haben uns verzettelt in unserer schnellen Expansion“, räumte er im Februar im Gespräch mit der F.A.Z. ein. Everke, der einst das Deutschlandgeschäft von Starbucks aufgebaut hat, kündigte auch die Schließung einzelner unrentabler Standorte an. Ende Mai soll Medienberichten zufolge eines von zwei Restaurants in Dortmund seine Türen dicht machen.

          VAPIANO SE INH. O.N.

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          Zudem will Everke stärker auf Franchisenehmer setzen und die Prozesse in den Filialen vereinfachen. „Die Abläufe in unseren Restaurants sind zu kompliziert und langsam“, sagte er seinerzeit der F.A.Z. So sollen etwa verbesserte IT-Systeme eine reibungslose Nutzung der digitalen Bestellmöglichkeiten gewährleisten. Nach dem Börsengang im Sommer 2017 hatte der 2002 gegründete Systemgastronomieanbieter unter der Regie von Halfmann auf eine rasche Expansion gesetzt.

          Allein im vergangenen Jahr wuchs das Filialnetz um 32 neue Restaurants auf 231 Standorte in 33 Ländern. Dabei eröffnete die Kette mehr Filialen als geplant in eigener Regie anstatt durch Franchisepartner, was viel Kapital verschlang. Jeder neue Standort kostet im Schnitt 2,6 Millionen Euro. Die sieben amerikanischen Filialen stieß Everke bald nach seinem Amtsantritt an einen Franchisenehmer ab. Auch für die verbliebenen außereuropäischen Aktivitäten werden Alternativen geprüft.

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