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Rekordwerte in Amerika : Aktienrückkäufe sind so beliebt wie nie

In Amerika sind Aktienrückkäufe bei Unternehmen sehr beliebt. Bild: Reuters

Unternehmen geben Hunderte Milliarden für eigene Aktien aus. Wem bringt das was? Oder schadet es gar?

          5 Min.

          Am vergangenen Sonntag erschien in Amerikas angesehenster Zeitung, der „New York Times“, ein Artikel, der den Vorstandschefs amerikanischer Aktiengesellschaften nicht gefallen haben dürfte. Verfasst hatten ihn zwei einflussreiche Politiker, Chuck Schumer, der Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Senat, und der parteilose linke Senator Bernie Sanders. Die Überschrift klang etwas technisch, war aber unmissverständlich: „Aktienrückkäufe durch Firmen begrenzen“.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dies hört sich zunächst nicht so an, als müssten Anleger auf der ganzen Welt deswegen schlaflose Nächte verbringen. Zumal wenig dafür spricht, dass der Vorschlag der beiden Politiker tatsächlich Gesetz wird. Doch das Phänomen, um das es geht, ist gigantisch, je nach Blickwinkel auch beängstigend: Für die kaum vorstellbare Summe von fast 700 Milliarden Dollar haben die 500 wichtigsten amerikanischen Aktiengesellschaften im vergangenen Jahr Aktien des eigenen Unternehmens zurückgekauft, ein Rekordwert. Auch in Deutschland, wenngleich von viel niedrigerem Niveau ausgehend, kommen solche Rückkäufe immer mehr in Mode. Unlängst hat beispielsweise der Spezialgasehersteller Linde ein Rückkaufprogramm in Höhe von sechs Milliarden Dollar angekündigt.

          Gibt es für das Geld keine bessere Verwendung? Wie verändert es die Aktienmärkte, wenn die Unternehmen derart massiv als Käufer eigener Aktien auftreten? Nicht zuletzt haben solche Rückkäufe auch eine politische Dimension, wie der Artikel von Schumer und Sanders beweist: Aktienrückkäufe gingen zu Lasten von sinnvollen Investitionen in die amerikanische Wirtschaft, schreiben sie, und machten ohnehin nur die Reichen immer reicher.

          Gibt es für das Geld keine bessere Verwendung?

          Der letzte Punkt lässt sich am leichtesten entkräften: Aktienrückkäufe kämen allein Wohlhabenden zugute, argumentieren die beiden Politiker, denn es seien nun einmal vor allem vermögende Menschen, die ihr Geld in Aktien investierten. Das mag in der Praxis stimmen, trotzdem schließen Aktien grundsätzlich niemanden aus: Es ist auch mit wenig Geld möglich, sich an der Börse zu engagieren, dafür benötigt man kein Millionenvermögen. Schwerwiegender ist da schon der andere Kritikpunkt, den Schumer und Sanders aufwerfen: die Behauptung, die Rückkäufe schadeten der Volkswirtschaft, da die Unternehmen das dafür eingesetzte Geld nicht anderweitig investierten.

          Zu dieser Frage wurde in Amerika viel geforscht – mit recht eindeutigem Ergebnis: Der Zusammenhang, den Schumer und Sanders behaupten, existiert in dieser Weise nicht, es ist gerade andersherum. Aktienrückkäufe sind in den allermeisten Fällen gar keine schlechte Idee. In einer Studie, die es im vergangenen Jahr ins angesehene „Journal of Portfolio Management“ geschafft hat, hat der Hedgefondsmanager Clifford Asness nachgewiesen, dass der Vorwurf der beiden Politiker zumindest in der Praxis nicht zutrifft. Für den langen Zeitraum zwischen 1990 und 2017 hat sich Asness das Verhältnis zwischen Investitionen und Aktienrückkäufen für die 3000 wichtigsten amerikanischen Aktiengesellschaften angeschaut und festgestellt: Es ist keineswegs so, dass Unternehmen in Jahren hoher Aktienrückkäufe weniger in neue Maschinen, Standorte oder Ähnliches investieren. Rückkäufe und Investitionen schließen sich also nicht aus, sondern sie laufen oft parallel.

          Auch wenn man theoretisch an die Sache herangeht, zeigt sich, dass die beiden Politiker falschliegen. Angenommen, der Vorstand eines Unternehmens hat die Wahl, entweder um jeden Preis in, sagen wir, den teuren Zukauf einer anderen Firma zu investieren, oder Aktien zurückzukaufen: Wo stiftet das Geld dann höheren ökonomischen Nutzen? Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, aber es wird eben nicht notwendigerweise der erste Weg sein. Der Zukauf kann den Ruhm des Vorstandes zwar zunächst mehren und sein Reich vergrößern (in der Fachliteratur „empire building“ genannt). Aber ob die unternehmerische Entscheidung richtig war, zeigt sich in der Regel erst nach einigen Jahren.

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