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Rekordverdächtiger Börsengang : Chinesischer Sendemastbetreiber geht an die Börse

Nicht zufrieden: China Towers sammelt 7 Milliarden Dollar ein, jedoch erwarteten sie 25% mehr. Bild: EPA

China Towers sammelt 7 Milliarden Dollar ein, doch die Stimmung auf dem Aktienmarkt ist schlecht, denn der Handelskrieg mit Amerika und Trumps Drohungen hinterlassen Spuren.

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          Der Mobilfunksendemastbetreiber China Towers hat bei seinem Börsengang in Hongkong mehreren übereinstimmenden Berichten zufolge 6,9 Milliarden Dollar erlöst. Das ist zwar die höchste Summe, die ein Unternehmen bei seiner Erstnotiz seit zwei Jahren hat einsammeln können. Gleichzeitig handelt es sich um das Minimalziel, das sich China Towers gesetzt hatte. Ursprünglich hatte der Pekinger Konzern gehofft, eine um 25 Prozent höhere Summe erzielen zu können.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Damit ist nach dem chinesischen Smartphonehersteller Xiaomi ein weiterer früherer Hoffnungswert aus China am unteren Ende seiner Möglichkeiten geblieben. Der Technologiekonzern, der ein ganzes Sammelsurium von Produkten in seinem Angebot hat, hatte bei seinem Börsengang in Hongkong Anfang Juli 4,7 Milliarden Dollar erzielt. Früher im Jahr war noch erwartet worden, dass Xiaomi mehr als das Doppelte dieser Summe erreicht.

          Schlechte Stimmung am Aktienmarkt

          Die beiden enttäuschenden Börsengänge stehen sinnbildlich für die schlechte Stimmung am chinesischen Aktienmarkt sowohl in Hongkong als auch auf dem Festland. Grund ist der Handelskrieg mit Amerika, der laut Ökonomen bereits Spuren in der chinesischen Wirtschaft hinterlassen hat. So fiel der marktbreite Index Shanghai Composite am Mittwoch bis zum Handelsschluss um 1,8 Prozent, nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump gedroht hatte, weitere chinesische Importwaren nicht, wie zuvor angekündigt, mit Strafzöllen in Höhe von 10 Prozent, sondern in Höhe von 25 Prozent zu belegen. Die Angst vor den Auswirkungen auf Chinas nach wie vor sehr wichtige Exportindustrie übertünchte dabei die Versprechungen des Pekinger Staatsrats vom Vortag, die Wirtschaft mit neuen Konjunkturprogrammen zu stimulieren.

          Damit hat die Börse in Schanghai seit Jahresbeginn um 14,6 Prozent verloren. Auf dem Markt in der südlichen Metropole Shenzhen, auf dem besonders viele Technologietitel gehandelt werden, sieht es mit einem Minus von 18,4 Prozent noch schlechter aus. Im benachbarten Hongkong, dessen Börse nicht nur Werte chinesischer Konzerne vom Festland anbietet und an der im Gegensatz zu Schanghai und Shenzhen vor allem institutionelle Anleger handeln, ist der Hang Seng-Index seit Jahresbeginn um 5,3 Prozent gefallen.

          Obwohl das Wachstum der chinesischen Wirtschaft im zweiten Quartal mit 6,7 Prozent nur leicht gesunken ist und immer noch über dem offiziellen Ziel der Regierung von 6,5 Prozent für das Gesamtjahr liegt, sind sich die Ökonomen einig, dass es in Chinas Wirtschaft derzeit nicht rundläuft.

          Die Gründe dafür sind vielfältig: So dämpft auch ein drohender großer Handelskonflikt die Investitionslaune der chinesischen Unternehmer. Eine nachlassende Nachfrage nach chinesischen Waren aus dem Ausland hat den am Mittwoch vorgestellten Einkaufsmanagerindex Caixin in der Industrie auf 50,8 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit acht Monaten fallen lassen.

          Entscheidend für die schlechte Stimmung in der Wirtschaft ist allerdings wohl auch das Vorhaben der Regierung, den gigantischen Schuldenberg abzutragen, den vor allem die Staatskonzerne angehäuft haben. Der Internationale Währungsfonds hat Peking in der vergangenen Woche dafür gelobt, das Wachstum der Schulden „entscheidend“ gesenkt zu haben. Nun aber fehlen vor allem den Privatunternehmen Kredite, mit denen sie ihr Geschäft erweitern können. Zwar will die Regierung ihre Geldpolitik wieder etwas lockern, um der Wirtschaft zu neuem Schwung zu verhelfen. Viele Kenner des chinesischen Systems erwarten jedoch, dass die Staatsbanken wie in der Vergangenheit das frische Kapital vor allem an staatliche Konzerne und Betriebe verleihen werden. Diese sind zwar weniger effizient, werden jedoch im Zweifelsfall vom Staat gerettet. Für Chinas Aktienmarkt sind das keine guten Aussichten.

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