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Steigende Gold- und Erzpreise : In Perth knallen die Korken

In Australien – wie hier Nahe Perth – finden sich Milliardenwerte unter der Erde. Bild: Emile LUIDER/REA/laif

Die Rekordpreise für Bodenschätze haben Profis, reichen Erben und Politikern eine Bonanza beschert. Nun werden Rufe laut, Australien solle höhere Lizenzgebühren für das Schürfen und Fördern verlangen.

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          In Australiens Minenhauptstadt Perth knallen in diesen Tagen die Champagnerkorken. Der Reichtum hier wurzelt in Bodenschätzen – und fast jeder der Multimillionäre im Westen des Fünften Kontinents hält eine Beteiligung an dem einen oder anderen Goldvorkommen. Und der Goldpreis klettert von Tag zu Tag; seit Jahresbeginn lag der Zuwachs bei 35 Prozent. Zu Wochenbeginn kostete die Feinunze erstmals mehr als 2000 Dollar. Mit dem Goldpreis steigen die Gewinne der Goldminen und die Dividenden der börsennotierten Firmen. Das wirkt wie eine Sahnehaube auf den Basisinvestments hier: Die stecken in Erzwerten, die zulegen, seit China Corona besiegt zu haben scheint.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Rekordpreise für Gold werden getrieben von ökonomischen Unsicherheiten, dem fallenden Außenwert des Dollars, negativen Zinsen und den geopolitischen Spannungen. Der Erzpreis legt zu, weil vor allem Peking enorme Summen in den Ausbau der Infrastruktur pumpt, um das Riesenreich unter Dampf zu halten. Gerade erst trieb Jean-Sebastien Jacques, der umstrittene Vorstandsvorsitzende des Eisenerzkonzerns Rio Tinto, noch einmal die Kurse: Er erklärte, China erlebe nach der Pandemie eine „sehr steile V-förmige Erholung“. Und fuhr fort: „Wenn ich für dieses Jahr nach einer Prognose gefragt würde, wären es 2 bis 3 Prozent. 2021 aber könnten wir ein Wachstum der Wirtschaftsleistung von 7 bis 8 Prozent sehen.“

          Behielte Jacques recht, bedeutete dies einen weiteren Rekordabsatz für Erz und Hochofenkohle. Und damit einen nicht enden wollenden Strom an Einnahmen für die Erzriesen. Der Preis je Tonne Erz pendelt nördlich der 110 Dollar. Für ihre Förderung brauchen die Branchenbesten aber nur noch 14 Dollar.

          „Wenn deine Wette zu einer richtigen Firma wird“

          Die doppelte Rally der Preise für die beiden Lieblingsmineralien der Australier gleicht das wachsende Elend am anderen Ende der Volkswirtschaft für einige aus: Die Immobilienpreise in den Metropolen der Ostküste schleppen sich bestenfalls dahin, in Sydney und Melbourne steht die Zahl der zur Versteigerung angebotenen Häuser auf Rekordhöhe. Wohl dem, der in dieser Lage wenigstens Aktien der Minen im Depot hält. So wie Tolga Kumova, der es als „spekulativer Investor“ in Minen-Aktien in jungen Jahren zu mehr als 100 Millionen australischen Dollar (60,75 Millionen Euro) Besitz gebracht hat – nachdem er zunächst eine Viertelmillion an der Börse durchgebracht hatte, die seine Eltern in ihrem Leben gespart hatten.

          Als die Aktie von Bellevue Gold, an dem Kumova beteiligt ist, nun in Monatsfrist von 28,5 Cent pro Aktie auf 1,25 australische Dollar stieg, twitterte der Spekulant: „Ich hoffe nur, dass jedermann in seinem Leben als Investor ein solcher Moment vergönnt sein wird – wenn deine Wette zu einer richtigen Firma wird.“ Der Goldboom ließ Kumovas Anlage von 1,5 Millionen australischen Dollar auf inzwischen 45 Millionen anschwellen.

          180 Millionen Dollar Gewinn seit März

          Manche der Aktien der Minengesellschaften werden am 4. September, bei der Neubewertung der australischen Indizes, aufsteigen. Die Investmentbanker von Morgan Stanley etwa sagen voraus, dass das Papier von Northern Star in den S&P/ASX 50 aufgenommen werde – was dann zu stärkeren Käufen jener führte, die entlang des Index investieren müssen. Als die NST-Aktie vergangene Woche ihr Allzeithoch von 16,77 australischen Dollar erreichte, war Bill Beamant, der Vorsitzende des Verwaltungsrates, um 100 Millionen australische Dollar reicher – seit Mitte März hatte er auf dem Papier im Durchschnitt Monat für Monat 11 Millionen australische Dollar verdient. Auch Ramelius Resources dürfte eine Stufe höher klettern. Ian Gandel, der Sohn des Betreibers von Einkaufsmeilen, John Gandel, machte mit seiner Anlage von 100 Millionen australischen Dollar in den Goldproduzenten Alkane Resources seit März 180 Millionen Dollar.

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