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Rohstoffnachfrage : Erzriesen greifen tief in ihre Kassen

Bergmänner arbeiten am Ausbau des ersten Untertageerzbergwerkes Sachsens. Bild: dpa

Chinas Erznachfrage ermöglicht hohe Ausschüttungen an Aktionäre und Investitionen in neue Rohstoffvorkommen. Dabei verfolgen die Bergwerkskonzerne verschiedene Strategien.

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          Dank der Rekordpreise für die meisten Bodenschätze schwimmen die Bergwerkskonzerne im Geld. Nun beginnen sie, es auszugeben. Rio Tinto bedenkt seine Aktionäre mit einer Halbjahresdividende, die höher ist als alle Ausschüttungen auf zwölf Monate seit 145 Jahren. Zugleich schauen sie sich nach Zukunftsfeldern um: BHP prüft das Öffnen der riesigen Kalivorkommen in Kanada, beide Konkurrenten arbeiten an Vorkommen von Lithium für die Batteriefertigung.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Rio Tinto will seinen Anteilseignern für die vergangenen sechs Monate insgesamt 9,1 Milliarden Dollar ausschütten. Mit 12,16 Milliarden Dollar Gewinn blickt der australisch-britische Konzern auf das beste Halbjahr seiner Geschichte zurück. Damit hat der neue Vorstandsvorsitzende Jakob Stausholm einen Einstieg, wie er ihn sich besser nicht wünschen konnte. Mit einem Eisenerzpreis, der um die 200 Dollar je Tonne pendelt, verbucht der Erzriese einen Reingewinn von gut 100 Dollar die Tonne.

          Deshalb bekommen die Aktionäre mit 5,61 Dollar die höchste Dividende, die das Unternehmen jemals ausgeschüttet hat. Der Wert liegt deutlich über den Erwartungen der Analysten. Die vorhergehende Rekorddividende, ausgezahlt 2019, hatte bei 2,12 Dollar gelegen. Hinter der enormen Nachfrage steht China mit seinen Stahlkochern im Wiederaufschwung. Die Abnahme stieg im Halbjahr um 3 Prozent in einem engen Markt.

          Unterschiedliche Strategien von Rio Tinto und BHP

          Die beiden konkurrierenden Riesen planen derzeit, insgesamt 2,8 Milliarden Dollar in das Heben von Lithium zu stecken. Allerdings verfolgen sie unterschiedliche Strategien. Rio Tinto will 2,4 Milliarden Dollar in das Jadar-Projekt stecken. Es soll eines der größten Lithium-Vorkommen der Welt beherbergen. „Arbeitet es, wird Jadar die größte europäische Quelle für die Lithium-Versorgung über wenigstens 15 Jahre sein“, heißt es beim Konzern. Auch die deutsche Autoindustrie mit ihren Batterieherstellern dürfte davon profitieren. „Jadar wird auch Borate produzieren, die gebraucht werden für die Entwicklung von Ausrüstung für erneuerbare Energien wie Solarpaneele und Windturbinen.“

          Geplant sind ein Bergwerk und die Verarbeitung der Rohstoffe. Das aber wird noch ein langer Weg: Serbiens Präsident Aleksandr Vucic hatte vorgeschlagen, ein Referendum über das Öffnen des Bergwerks einzuleiten. In der Region sind nicht alle Menschen von der Idee begeistert, das Lithium abzubauen. Der Konzern versucht die Serben damit zu überzeugen, dass die Mine rund 4 Prozent zur Wirtschaftsleistung beitragen werde. Die Australier planen mit einem Zeitraum von fünf Jahren, um mit dem Ausbeuten zu beginnen. Unter Volllast soll die Mine rund 58.000 Tonnen Batterie-Lithium und 160.000 Tonnen Borsäure liefern.

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          BHP hatte sich dagegen vor Jahren auf die Lieferung von Nickel konzentriert. Der beste Schachzug war das Wiederbeleben von Nickel West in der Vorstadt des westaustralischen Perth, für das BHP gerade einen großen Liefervertrag mit dem amerikanischen Hersteller Tesla vereinbarte. Nun fordern die Australier ihre Konkurrenten im Erz-Geschäft, die Fortescue Metals Group von Milliardär Andrew Forrest um die kanadische Noront Resources, heraus. BHP bietet einen siebzigprozentigen Aufschlag auf den letzten Aktienpreis der Mine. Der Konzern aus Melbourne könnte ihn aus der Portokasse begleichen: Es beläuft sich auf 325 Millionen Kanadische Dollar (218,87 Millionen Euro). Damit soll Forrest, der seinen Anteil von 37 Prozent an Noront über seine Investitionsgesellschaft Tattarang und deren Tochterfirma Wyloo Metals hält, herausgedrängt werden. „Unsere Absicht ist, unsere derzeitige Investition in die kanadische Noront Resources durch ein Angebot für alle verbleibenden Aktien auszubauen“, erklärte Tattarang auch am Mittwoch weiterhin. Die westaustralischen Investoren hatten sich Ende 2020 in Kanada eingekauft und machten im Mai ihren Übernahmeversuch.

          Wichtiger für BHP als das mögliche Bietgefecht dürfte eine andere Investition in Kanada werden: Im Markt heißt es, die Australier hätten sich dazu durchgerungen, die Jansen Kalimine in Saskatchewan für rund 7,5 Milliarden australische Dollar (4,7 Milliarden Euro) zu öffnen. Für das Verschiffen des Düngemittels sei eine Einigung mit dem Westshore Hafen erreicht worden. BHP rechnet damit, dass das Heben der ersten gut 4 Millionen Tonnen jeweils rund 115 Dollar pro Tonne kostet. Der Marktpreis liegt derzeit bei 350 Dollar je Tonne.

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