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Rekorddividenden : 323 Milliarden Euro für die Aktionäre

Der Medienkonzern Pro7 bietet eine der höchsten Dividendenrenditen. Bild: dpa

In Europa werden Dividenden in Rekordhöhe ausgeschüttet. Allein die Dax-Unternehmen spendieren 35,4 Milliarden Euro und damit 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

          kpa. FRANKFURT, 11. Januar. Die Weltwirtschaft brummt und vielen Unternehmen geht es prächtig. Davon profitieren auch die Anleger. Die Aktienkurse steigen und auch die Ausschüttungen der Gesellschaften klettern immer weiter. Und so werden für dieses Jahr in Deutschland und in ganz Europa wieder Dividendenzahlungen in Rekordhöhe erwartet. Nach Schätzungen der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (GI) dürften europäische Unternehmen 2018 rund 323 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten – so viel wie nie zu vor. Gegenüber dem Vorjahr käme dies einem Plus um 23 Milliarden Euro oder rund 8 Prozent gleich.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Allein für den Dax rechnen Analysten mit Dividenden von insgesamt 35,4 Milliarden Euro. Das wären 13 Prozent mehr als 2017, als auf Basis der Gewinne des Jahres 2016 rund 31,3 Milliarden Euro an die Anteilseigner flossen. Gleichwohl liegen die Schätzungen für den Versorger RWE und den Autokonzern Volkswagen derzeit noch weit auseinander, so dass beide Werte in diesem Jahr an der tatsächlichen Summe einiges verändern könnten.

          Neben möglichen Kursgewinnen sind Dividenden als Renditequelle in der Aktienanlage essentiell. Denn sie tragen wesentlich dazu bei, Schwankungen zu glätten. Während die durchschnittliche jährliche Kursentwicklung auch über fünfjährigen Halte-Perioden hinweg durchaus negativ sein könne, trügen die Dividenden regelmäßig positiv zur Wertentwicklung von Aktien bei, heißt es von Allianz GI (siehe Grafik). Seit 1972 zum Beispiel hätten Dividenden die Kursverluste des MSCI Europa zum Teil oder sogar ganz kompensiert. Auf lange Sicht hätten die Ausschüttungen ein Drittel der gesamten Wertentwicklung ausgemacht. Mit gut 38 Prozent sei ihr Anteil an der durchschnittlichen jährlichen Wertentwicklung in Europa am höchsten gewesen, gefolgt von Nordamerika mit 31 Prozent und Asien-Pazifik ohne Japan mit 29 Prozent.

          Entscheidend ist aber nicht nur die absolute Höhe der Dividende. Ein wichtiges Maß für die Vorteilhaftigkeit von Aktien ist auch die Dividendenrendite, also die Dividende je Aktie geteilt durch den aktuellen Aktienkurs. Grundsätzlich gilt dabei: je höher, desto besser. Doch das trifft längst nicht immer zu. Eine Dividendenrendite kann auch dann besonders hoch sein, wenn der Kurs einer Aktie durch eine negative Geschäftsentwicklung oder andere Turbulenzen tief gefallen ist.

          In Europa liege die Dividendenrendite schon seit Jahren mehr als 2 Prozentpunkte oberhalb der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, sagen die Fachleute von Allianz GI. Und wo ist die Dividendenrendite am höchsten? Nach Daten dieses Vermögensverwalters war sie 2017 in Portugal mit 4,5 Prozent am höchsten, gefolgt von Spanien mit 4,1 Prozent und Finnland mit gut 4 Prozent. Großbritannien, für Dividendenjäger wegen des Volumens traditionell der wichtigste Markt, komme mit fast 4 Prozent auf Platz vier, heißt es von Allianz GI. In Deutschland betrug die Dividendenrendite im Vorjahr durchschnittlich 2,5 Prozent, was den 11. Platz in der Aufstellung mit sich bringt. Im Dax selbst lag sie mit 2,7 Prozent leicht darüber. Die Niederlande folgen mit fast 2,5 Prozent, anschließend kommen Österreich (2,2), Dänemark (2,1) und Irland (1,5).

          Diese Durchschnittswerte seien eine wichtige Orientierungsgröße, sagt Jörg de Vries-Hippen, Chefanlagestratege für europäische Aktien von Allianz GI. Denn sie sagten einiges über die Bewertung einzelner Märkte aus. Entscheidend sei aber die individuelle Dividendenhöhe und das Umsetzen der erwarteten Mittelzuflüsse (Cash Flows) in eine nachhaltige Dividendenpolitik. Unter Dividendenaspekten attraktiv seien aktuell vor allem Öl- und Telekomwerte sowie Versichereraktien.

          Für die Anlage in Aktien sprechen derzeit freilich nicht nur ihre Dividenden. Zudem sei der Ausblick für europäische Aktien so gut wie lange nicht mehr, sagt Vries-Hippen. Allianz GI rechnet für das Jahr 2018 mit einem Gewinnwachstum von rund 8 Prozent. Das Wachstum könnte jedoch mit einem weiterhin starken Euro auch etwas geringer ausfallen. Seit Ende 2016 hat die Gemeinschaftswährung zum Dollar rund 14 Prozent an Wert gewonnen auf nun gut 1,20 Dollar. Ausfuhren in den Dollar-Raum werden um so teurer, je stärker der Euro ist. In diesem Umfeld ist der Euro Stoxx 50 im Jahr 2017 um 10 Prozent gestiegen und der Dax 2017 um 13 Prozent. Der österreichische ATX war mit einem Kursplus von 30 Prozent der beste Index in Europa, gefolgt vom griechischen ASE mit 25 Prozent.

          Da die Konjunktur in Europa rund laufe und sich die Gewinne weiter positiv entwickeln dürften, sollte dies auch positiv für Dividenden und die Ausschüttungsquoten sein, sagt Vries-Hippen. Dabei hätten die Unternehmen ihre Gewinne im Jahr 2017 zu 80 Prozent als Dividenden ausgeschüttet – mehr als jemals zuvor. Das zeige, dass diese nicht mehr gewillt seien, um jeden Preis zu wachsen. Zum anderen würden sie die Interessen der Aktionäre mit Blick auf die Unternehmensgewinne stärker berücksichtigen.

          Angesichts der schon höheren Aktienbewertungen sollte ein größerer Teil der erwarteten Rendite nun auf die Dividenden entfallen, sagt Michael Bissinger, Analyst der DZ Bank. Und der Ausblick auf das Dividendenjahr 2018 erscheine vielversprechend. Die Unternehmen verdienten gut und die Zinsen blieben niedrig, so dass die Aktionäre weiterhin großzügig an den Gewinnen beteiligt werden sollten. Die Dividende wird jeweils am Handelstag nach der Hauptversammlung vom Aktienkurs abgezogen. Den diesjährigen Startschuss in die Hauptversammlungssaison des Dax gibt am 19. Januar der Stahlkonzern Thyssen-Krupp.

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