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Regierungskrise belastet : Italiens Staatsanleihen unter Druck

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Er hat eine Regierungskrise in Italien ausgelöst: Matteo Salvini, Innenminister des Landes. Bild: Reuters

Aus Furcht vor Neuwahlen werfen Anleger italienische Staatsanleihen aus ihren Depot. Auch europäische Bankaktien leiden unter den Nachrichten aus Italien.

          Der drohende Bruch der Koalition in Italien verschreckt Bankanleger in Europa. Der italienische Bankenindex brach am Freitag um mehr als vier Prozent ein und notierte so niedrig wie seit Mitte Juni nicht mehr. Die Papiere der größten Bank des Landes Unicredit fielen um fünf Prozent.

          Auch in Deutschland gaben die Bankaktien nach. Die Titel der Commerzbank verloren zeitweise mehr als drei Prozent, die der Deutschen Bank gut zwei Prozent. Einem Händler zufolge reagierten sie auf den Kursrutsch bei den italienischen Staatsanleihen, von denen insbesondere die Commerzbank über hohe Bestände verfüge. Laut Commerzbank-Angaben hielt die Bank zum Ende des zweiten Quartal 2019 einen Wert von  8,9 Milliarden Euro (31. Dezember 2018: 8,4 Milliarden Euro) an italienischen Anleihen und wiederum 1,4 Milliarden Euro an spanischen Anleihen.

          Italiens Innenminister und Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, hatte das Bündnis mit der populistischen 5-Sterne-Bewegung für arbeitsunfähig erklärt und Neuwahlen gefordert. Investoren zogen sich daraufhin aus den italienischen Staatsanleihen zurück. Der Renditeaufschlag der zehnjährigen italienischen Papiere zu den vergleichbaren deutschen Staatsanleihen schnellte auf 229 Basispunkte nach oben und war damit so hoch wie seit Anfang Juli nicht mehr. Die Kurse anderer südeuropäischer Länder wie Spanien und Portugal gaben etwas nach.

          Christoph Rieger, Zinsstratege von der Commerzbank, zeigte sich über das Ausmaß etwas überrascht. Allerdings sollte jeder, der die Entwicklungen in Italien verfolge, nicht gänzlich auf dem falschen Fuß erwischt worden sein. „Die Unsicherheit spricht für höhere Risikoaufschläge, aber sobald die Unsicherheit sich gelegt hat, dürfte eine neue Mitte-Rechts-Regierung wohl keine Fiskal- und Wirtschaftspolitik verfolgen, die schlechter als die der aktuellen Regierung ist“, so der Experte weiter.

          Die Regierungskrise in Italien hat derweil die Kurse deutscher Staatsanleihen gestützt. Der Terminkontrakt Euro-Bund-Future kletterte auf 177,40 Punkte. Am Donnerstagnachmittag hatte der Bund-Future noch deutlich unter 177 Punkten notiert. Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen fiel um 0,03 Prozentpunkte auf minus 0,592 Prozent.

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