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Bundestagswahl : Politischer Rechtsruck irritiert Geldverwalter

  • -Aktualisiert am

Der politische Rechtsruck treibt Geldverwalter immer mehr um. Bild: dpa

Der Vermögensverwalter Amundi denkt darüber nach, die politische Verantwortung von Unternehmen als Kriterium für Anlageentscheidungen besser zu berücksichtigen. Die Bundesregierung solle Nachhaltigkeitsstandards stärker fördern.

          Die politischen Erfolge rechtsnationaler Politiker und Parteien wie zuletzt der AfD bei der Bundestagswahl beunruhigen zunehmend Manager großer Investmentfonds. In solchen Wahlergebnissen spiegle sich eine wachsende Unsicherheit weiter Bevölkerungskreise gegenüber wirtschaftspolitischen Entwicklungen wie der Globalisierung, sagt Investmentmanager Thierry Bogaty von  Europas größtem Vermögensverwalter Amundi, der 1,3 Billionen Euro in  nachhaltigen Investments und Mandaten verwaltet.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Man müsse mehr darüber nachdenken, in welchem Umfang Unternehmen eine politische Verantwortung wahrnehmen sollten – ähnlich wie Umwelt- oder Sozialstandards, die bei Geldanlagen eine wachsende Bedeutung haben. Letztlich gehe es um das Verhalten von Unternehmern als „verantwortungsbewusste Staatsbürger“, sagt Bogaty. Amundi wolle in den nächsten Monaten intensiver darüber debattieren, wie Aspekte der politischen Verantwortung von Unternehmen in die Kriterien für eine ökologische, soziale und nachhaltige Anlage integriert werden könnten, um diesen neuen, globalen Herausforderungen zu begegnen.

          „Die Frage nach der politischen und sozialen Verantwortung von Unternehmen rückt mit sich dynamisch verändernden Rahmenbedingungen stärker in den Fokus von Entscheidungsträgern in der Wirtschaft“, sagte Bogaty. Als Antriebskräfte hierfür machte er die fortschreitende Globalisierung sowie damit verbundene Auswirkungen auf Arbeitsplätze und die Umwelt aus „und natürlich die technologische Revolution, die auch Auswirkungen auf das politische Gefüge haben“.

          Das Thema ist brisant

          Bogaty machte deutlich, dass er keine Konkurrenz zwischen „ethischen“ und finanzwirtschaftlichen Kriterien sehe. Gut geführte Unternehmen, die ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkämen, seien auch wirtschaftlich erfolgreich.

          Das Thema ist brisant. Tatsächlich gewinnen rechtsnationale und völkisch orientierte Parteien in Europa seit einigen Jahren an Zustimmung, so in Frankreich, den Niederlanden, Osteuropa, Skandinavien nun auch in Deutschland. Auch die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten gilt als Beleg einer Hinwendung zu einer national orientierten Politikstrategie, deren wirtschaftliche Auswirkungen noch unklar sind. Allerdings sind die Proteste gegen die Folgen der Globalisierung nicht politisch einseitig verortet. Auch auf der linken Seite des politischen Spektrums gibt es gegen die Internationalisierung des Waren- und Geschäftsverkehrs erhebliche Widerstände.

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          Die Bewertung von Investments auf Basis nachvollziehbarer Nachhaltigkeitskriterien hat für die betroffenen Staaten oder Unternehmen eine wachsende Bedeutung. Anleger wollen immer öfter sicherstellen, dass mit ihrem Investment unerwünschte Folgen ausgeschlossen werden, sei es Kinderarbeit, der Missbrauch von Menschen- und Arbeitnehmerschutzrechten oder das Verfehlen von Umweltstandards oder Vorgaben für den Klimaschutz. Umgekehrt wollen Anleger manche Ziele positiv verfolgen, etwa beim Klimaschutz durch den bewussten Abzug von Geldern aus umweltschädlichen Branchen wie der Kohle- oder Ölindustrie.

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