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Ratingagentur Moody’s : Portugal ist kein Ramsch mehr

Der Tourismusboom und ein kräftiges Wirtschaftswachstum haben Portugals Schuldenlast gesenkt. Bild: dpa

In jüngster Zeit kommen von den internationalen Finanzmärkten oft negative Nachrichten. Schön, dass es mal eine gute gibt, und zwar aus Portugal: Als letzte der vier Ratingagenturen hat Moody’s nun die Staatsanleihen des Landes wieder als anlagewürdig eingestuft.

          Während an den Finanzmärkte Sorgen kursieren, die führenden Ratingagenturen könnten italienische Staatsanleihen bald als „Ramsch“ einordnen, hat Portugal den Weg aus der Kategorie „Ramsch“ gefunden. Am Freitagabend hat mit Moody’s die letzte der vier wichtigen Ratingagenturen die Bewertung der Schulden Portugals heraufgestuft. Die Staatsanleihen aus Lissabon gelten nun bei Moody’s wieder als anlagewürdig – so wie bei den drei anderen Agenturen Standard & Poor’s, Fitch und DBRS.

          „Die Last der Staatsschulden hat sich auf einen nachhaltigen, wenn auch allmählichen Abwärtstrend begeben“, heißt es zur Begründung. Unter anderem als Folge eines Tourismusbooms verzeichnet Portugal derzeit ein kräftiges Wirtschaftswachstum, das im vergangenen Jahr 2,8 Prozent erreichte und in diesem Jahr nach Schätzungen 2,3 Prozent betragen dürfte. Die Arbeitslosenquote ist in den vergangenen fünf Jahren von 17,5 auf 6,7 Prozent gefallen.

          Als Bürde für weitere Verbesserungen des Ratings erweist sich die hohe staatliche Schuldenlast, die 121 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) beträgt und in der Eurozone nur von Griechenland und Italien übertroffen wird. Sollte sich das Wirtschaftswachstum in etwa auf dem gegenwärtigen Niveau fortsetzen und die Regierung an der von ihr geplanten Rückführung der Neuverschuldung festhalten, dürfte die Schuldenquote in den kommenden Jahren fallen.

          Größeres Vertrauen in portugiesische als in italienische Staatsanleihen

          Am vergangenen Freitag äußerte sich auch die kanadische Ratingagentur DBRS zu Portugal, indem sie ihre Note „BBB“ bestätigte – damit gelten portugiesische Anleihen als anlagewürdig, aber die Note ist weiterhin nur eine Stufe über der „Ramsch“-Kategorie. „Das Rating wird von Portugals Mitgliedschaft im Euro und der Überwachung seiner Wirtschaftspolitik durch die Europäische Union unterstützt“, heißt es in einer Analyse.

          „Eine vorteilhafte Entwicklung der Neuverschuldung und eine gesunde Leistungsbilanz, zum Teil durch eine höhere Wettbewerbsfähigkeit gestützt, unterstützen das Rating ebenfalls. Allerdings steht Portugal vor großen Herausforderungen, was seine Kreditwürdigkeit betrifft. Dazu zählen ein hoher Stand der Staatsverschuldung, zahlreiche faule Unternehmenskredite und ein weiterhin relativ niedriges wirtschaftliches Wachstumspotential.“

          An den Finanzmärkten herrscht ein deutlich größeres Vertrauen in portugiesische als in italienische Staatsanleihen. Die zehnjährige Anleihe aus Portugal rentiert nur mit 2,03 Prozent im Vergleich zu 3,57 Prozent für die zehnjährige Anleihe aus Rom.

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