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Nur Marketing : Keine Gefahr durch Baukredite mit Negativzinsen

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Ein Haus in Dänemark gibt es jetzt auch mit Negativzins. Bild: www.Boligsiden.dk

Seit der jüngsten Finanzkrise machen billige Immobilienkredite so manchen unruhig. Jetzt gibt es in Dänemark schon Angebote für minus 0,5 Prozent. Experten bleiben dennoch gelassen.

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          Die Zinsen für Baukredite fallen in Deutschland mit den Leitzinsen immer weiter. Zehnjährige Hypothekenkredite gibt es derzeit schon für weniger als 0,4 Prozent effektiv. In Dänemark ist man da schon ein Stück weiter. Hier bietet etwa die Jyske Bank ausgewählten Kunden sieben- und zehnjährige Festzinsdarlehen an, bei denen diese unter dem Strich Geld verdienen, denn sie haben einen negativen Zinssatz von 0,5 Prozent.

          Doch die Rating-Agentur Scope winkt ab. Diese Angebote seien als Werbemaßnahmen zu beurteilen und sorgten eher für aufgeregte Schlagzeilen. Auswirkungen auf den Markt habe das nicht, meint Mathias Pleissner, Direktor im Covered Bond-Team von Scope.

          Auch Mikkel Høegh, Immobilienökonom der Jyske Bank, sagt laut Scope, dass das Angebot kein Zuschussgeschäft sei. Technisch gesehen, verringere sich zwar der Rückzahlungssaldo geringfügig. Aber da noch Gebühren anfielen, zahlten die Kreditnehmer am Ende doch mehr zurück als sie sich liehen. Auch für Spekulationen seien die Angebote ungeeignet. Sie richteten sich an qualifizierte Eigenheimbesitzer als ergänzende Darlehen – etwa für Baumaßnahmen, durch Immobilien gesicherte Autokredite oder um teurere Schulden zu refinanzieren.

          Pleissner ist auch nicht besorgt, dass dies der Anfang einer Kreditblase sein könnte, die die Immobilienpreise in Dänemark weiter in die Höhe treibt. Dänemark habe in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Einschränkung riskanterer Kredite ergriffen. Die Banken prüften auch, ob steigende Zinsen im Fall einer Refinanzierung noch aus den verfügbaren Einkommen der Kreditnehmer gezahlt werden können.

          Man könne sogar argumentieren, dass sich dies positiv auf die Ausfallwahrscheinlichkeit auswirke, weil damit eine niedrige Belastung gegenüber variabel verzinslichen Krediten festgeschrieben werde. Die Immobilienpreise seien vor allem in Kopenhagen schon jetzt hoch, ebenso wie die Verschuldung der Verbraucher. Auf Erstere wirkten sich Negativzinsen nicht unmittelbar aus und sowohl die Erschwinglichkeit von Häusern als auch die Kreditvergabekriterien sind nicht allein von der Zinshöhe abhängig.

          Das derzeitige Niedrigzinsumfeld habe vielmehr eine Welle der Hypothekenrefinanzierung ausgelöst, da Hausbesitzer niedrigere und feste Zinssätze festgelegt haben. Gleichzeitig hätten die Banken die Zinsen senken können, weil sie sich selbst leichter refinanzieren konnten. In dieser Hinsicht könnten die Banken daran verdienen, indem sie die an erstklassige Kreditnehmer vergebenen Kredite in Form von Hypothekenanleihen an institutionelle Investoren verkaufen und dies an die Kunden weiterreichten.

          Das dänische Bilanzprinzip verlangt die Abstimmung der Finanzierung eines Kredits mit einer entsprechenden Anleihe. Die negativen Renditen auf beiden Seiten seien neutral, während die Bank noch eine Marge verdiene, meint Pleissner. Solange die Kreditvergabestandards nicht aufgeweicht und solche Kredite nicht zur Finanzierung spekulativer Investitionen verwendet würden, sei man bei Scope nicht besorgt.

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