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Streit mit Saudi-Arabien : Qatar tritt aus der Ölländerorganisation Opec aus

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Großbaustellen am Golf: Qatar baut gerade die Fußballstadien für die WM im Jahr 2022. Bild: dpa

Drastischer Schritt: Das Emirat Qatar zieht die Konsequenz aus der andauernden Auseinandersetzung mit mächtigen Nachbarn.

          Das Emirat Qatar will aus der Ölländervereinigung Opec austreten – und zwar schon zu Beginn des kommenden Jahres. Das kündigte Energieminister Saad Sherida al-Kaabi an diesem Montag an. Qatars Mitgliedschaft in der Opec werde im Januar 2019 enden, er habe die Organisation informiert kurz bevor er die Entscheidung öffentlich machte, sagte al-Kaabi weiter.

          Der weltgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien sowie Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten hatten im Sommer 2017 ihre diplomatischen Beziehungen zu Qatar abgebrochen und eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den Golfstaat verhängt. Sie werfen dem Nachbarn vor, „Terrorismus“ zu unterstützen und zu enge Beziehungen zum schiitischen Iran zu pflegen, dem Erzrivalen Saudi-Arabiens in der Region. Doha weist die Vorwürfe zurück.

          Der Rückzug aus der Opec spiegele den Wunsch Qatars, sich auf die Steigerung der Gasproduktion zu konzentrieren, zitierte das Unternehmen Qatar Petroleum wiederum den Energieminister. Das Land habe in den vergangenen Jahren unablässig an der Entwicklung einer Zukunftsstrategie gearbeitet, die auf Wachstum basiere – al-Kaabi zufolge will Qatar die Gasförderung bis spätestens im Jahr 2024 von jährlich 77 Millionen Tonnen auf 110 Millionen Tonnen erhöhen. Das Gas stammt vom South-Pars-Feld vor der Küste des Emirats, dem größten Gasfeld der Welt. Qatar, der größte Flüssiggasproduzent der Welt, teilt es sich mit Iran; das Golf-Emirat liefert dem Weltmarkt derzeit insgesamt ungefähr 30 Prozent der Gesamtmenge.

          Nach seinem Austritt im Januar endet für Qatar eine lange Mitgliedschaft in der Ölländervereinigung: Das Emirat gehört ihr seit dem Jahr 1961 an. Es ist der elftgrößte Erdölproduzent der Opec mit einer Fördermenge von etwa 610.000 Barrel pro Tag im Oktober.

          Wichtiges Opec-Treffen steht bevor

          Der Ölpreis ist unterdessen zu Wochenbeginn stark gestiegen. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg um 5 Prozent auf mehr als 62 Dollar. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 2,70 Dollar auf 53,63 Dollar. Das ist zunächst einmal eine deutliche Wende in der seit Anfang Oktober andauernden Talfahrt, die den Preis für Brent von 85 bis auf weniger als 60 Dollar hatte fallen lassen.

          Fachleute führten den Preisanstieg vor allem auf die Verlängerung eines Paktes zwischen Russland und Saudi-Arabien zur stärkeren Kontrolle des Ölmarkts zurück. Damit dürfte der Weg für eine Senkung der Produktion der wichtigsten Ölförderstaaten der Welt frei sein, die das Angebot reduzieren soll.

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          Die Opec-Mitgliedsländer kommen Ende der Woche mit anderen wichtigen Förderländern zusammen, um über die Reaktion auf den Ölpreisverfall der vergangenen Wochen zu beraten. Es gebe noch keinen Beschluss hinsichtlich der Mengen, aber man werde gemeinsam die Mengen kürzen, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin.

          Nichtsdestoweniger gibt es einige Ölförderländer, die die Auffassung vertreten, die höhere Förderung Saudi-Arabiens habe seit Juni das Problem erst geschaffen, und so liege es am Königreich, die Lasten zu tragen. Die Führung in Riad möchte jedoch die Kürzungen verteilen, also die Förderung offenbar zu seinen Gunsten verschieben. Beobachter gehen von einer schwierigen Konferenz aus.

          Auch anderenorts soll aber die Produktion sinken. Die kanadische Provinz Alberta will ab Januar die Produktion deutlich reduzieren, um die hohen Lagerbestände abzubauen. Dies ist ein weitere Hinweis darauf, dass die globale Nachfrage nach Öl zuletzt überschätzt wurde.

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