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Wie Promis Kurse beeinflussen : Die First Lady und die Aktien

Michelle Obama 2008 zu Gast bei der Tonight Show mit Jay Leno Bild: Picture Alliance

Viele Aktienkurse reagieren sensibel auf Aussagen oder Auftritte von Prominenten. Von Elon Musk über Michelle Obama – bis zu Kanye West.

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          Es waren einmal eine Influencer-Königin und ihr Smartphone. Auf zahlreichen Kanälen postete sie Fotos und Videoschnipsel von sich. Damit wurde Kylie Jenner, die jüngere Schwester von Kim Kardashian, vor zwei Jahren zur jüngsten Selfmade-Milliardärin. Doch im Februar 2018 schien sie gelangweilt von einem der Dienste, dem Kurzvideodienst Snapchat, und verfasste einen Beitrag auf Twitter, der das Unternehmen viel Geld kosten sollte. „Alsooo, öffnet irgendjemand sonst noch kein Snapchat mehr? Oder bin das nur ich . . . Ugh, das ist so traurig.“ Es brauchte nicht lange, und der Tweet erreichte mehr als 300 000 Likes. Und nur kurze Zeit später krachte der Kurs von Snapchat innerhalb weniger Tage um mehr als 12 Prozent in den Keller. Von ihrem Beitrag im Februar bis Mitte Mai 2018 gab der Kurs sogar um mehr als 40 Prozent nach.

          Antonia Mannweiler
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ein Tweet einer der wohl einflussreichsten Influencerinnen, die derzeit rund 280 Millionen In­stagram-Follower erreicht, langte, um mehr als eine Milliarde Dollar an Börsenwert zu vernichten. Jenner selbst schien kurz darauf Schadensbegrenzung betreiben zu wollen, schrieb sie doch kurzerhand, wie sehr sie die App eigentlich liebe. Gleichwohl hat es gut anderthalb Jahre gebraucht, bis sich der Wert wieder erholte.

          Nachfrage steigt mit Publicity

          In den Achtzigerjahren entwickelte der Ökonom Robert Merton die Hypothese, dass die Nachfrage nach einer Aktie – bei konstanten Fundamentaldaten – mit zunehmender Publicity steigt. Die beiden amerikanischen Finanzprofessoren Brad Barber und Terrance Odean von der University of California machen die riesige Auswahl dafür verantwortlich: Kleinanleger haben nicht die Zeit und Ressourcen, ein Aktienuniversum von Tausenden von Titeln zu durchforsten.

          Wer eine Entscheidung trifft, muss also selektieren. Und Aufmerksamkeit sei, so die Wissenschaftler, eine rare Ressource. Gibt es also viele Alternativen, ziehen Anleger die Optionen am ehesten in Betracht, die in letzter Zeit ihre Aufmerksamkeit erregten. Das kann über mehrere Wege geschehen: positive sowie negative Nachrichten oder auffällige Kursbewegungen, die dazu verleiten, noch schnell auf den Zug aufzuspringen.

          Kryptowährungen und Musk

          Das Paradebeispiel dafür, wie Nachrichten Kurse beeinflussen, lieferte in den vergangenen Monaten der Gründer des amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla. Mit dem exzentrischen Chef Elon Musk vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Kurs steigt oder fällt nur wegen eines Tweets von ihm. In diesem Jahr waren vor allem Kryptowährungen davon betroffen. Im März verkündete Musk zum Beispiel, dass Tesla Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiere. Dann schloss er diese Option keine drei Monate später wieder aus. Der Energieverbrauch der Digitalwährung sei schließlich klimaschädlich – was eigentlich kein Geheimnis ist. Dann hielt er sich die Option doch wieder offen, sollte die Digitalwährung klimafreundlicher hergestellt werden. Den Kurs schickte er damit mal in neue Höhen, mal auf Talfahrt. Und auch die Spaß-Coins Dogecoin oder der Shiba-Token mit kuscheligen Plüschhunden als Logos wurden durch Tweets des derzeit reichsten Menschen in den vergangen Monaten auf eine regelrechte Achterbahnfahrt geschickt.

          BTC/USD

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          Michelle Obama und J.Crew

          Doch nicht immer müssen es Tweets sein, die Nachrichten produzieren – manchmal langt die schlichte Erscheinung von Promis. Gut dokumentiert ist etwa der Einfluss, den die frühere First Lady, Michelle Obama, auf die Aktienkurse einiger Modemarken hatte. Einen Tag vor der Präsidentenwahl im Jahr 2008 war Michelle Obama Gast bei der „Tonight Show“. Moderator Jay Leno fragte sie, wie viel sie für ihre Garderobe ausgegeben habe: 60.000 oder 70.000 Dollar? Sie trug damals Klamotten von der Bekleidungskette J. Crew, die Jeans oder Kleider auch schon für 100 Dollar anbietet. „Ladies, wir kennen J. Crew. Man kann dort gute Sachen online bekommen“, ließ Obama Leno und die Zuschauer wissen.

          Am nächsten Tag stieg der Kurs des Unternehmens um 8 Prozent, bis Ende der Woche um rund 25 Prozent. Und noch 14 Monate nach dem Interview lagen die Titel ganze 175 Prozent höher – ein Zuwachs des Börsenwerts in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar. David Yermack, Finanzprofessor an der New York University, bezifferte den gesamten Kursgewinn der von ihr getragenen und an der Börse gelisteten Modemarken auf rund 5 Milliarden Dollar – und das allein im Jahr 2009.

          Kanye West und Gap

          Auch der Rapper Kanye West sorgte zuletzt für Gewinnsprünge einer Modemarke, nachdem die US-Ladenkette Gap eine zehnjährige Kollaboration mit der Modemarke des Künstlers, Yeezy, bekannt gab. Im Juni kletterte der Kurs allein an einem Tag um 18 Prozent nach oben.

          Doch wo ein Käufer ist, muss auch ein Verkäufer sein. Die Wissenschaftler Brad Barber und Terrance Odean gehen davon aus, dass professionelle Investoren anders als Privatanleger an Tagen, an denen bestimmte Werte mehr Aufmerksamkeit erhalten, tendenziell weniger kaufen als verkaufen. Für ruhigere Tage gelte das Gegenteil.

          Rapper Kanye West
          Rapper Kanye West : Bild: dpa

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