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Abermalige Prognosesenkung : Vapiano-Aktie auf neuem Rekordtief

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Beim Börsengang sah die Lage für Vapiano noch besser aus. Bild: reuters

Die schlechten Geschäftszahlen der Restaurantkette Vapiano für das Jahr 2018 quittieren die Anleger mit einem neuen Rekordtief des Aktienkurses. Auch der angekündigte Umbau ändert daran nichts.

          Schnell und gediegen zum Italiener. Das ist, was man mit Vapiano verbindet. Schnell ging auch der Abstieg der Aktiennotierung. Stand die Notierung im Januar 2018 noch beim Allzeithoch von 24,80 Euro, kam sie im Mai ins Rutschen, bevor sie dann von September bis Oktober von noch 17,74 Euro auf 7,14 Euro regelrecht abstürzte. Am Montag beträgt das Minus abermals mehr als 11 Prozent und mit 5,50 Euro liegt die Notierung auf einem neuen Allzeittief.

          Denn die Restaurantkette scheint aus ihrem Tief nicht herauszukommen. Das Geschäftsjahr 2018 verlief abermals schwach. Rund 370 Millionen Euro habe man umgesetzt, hieß es in einer ersten Schätzung. Das ist noch einmal weniger als die zuletzt prognostizierten 375 bis 385 Millionen Euro, die Vapiano im November noch postuliert hatte. Damit war die Kette schon von den geplanten 385 bis 400 Millionen Euro abgerückt, die das Ziel von zunächst 390 bis 420 Millionen Euro ersetzt hatte. Immerhin sind es am Ende noch knapp 14 Prozent mehr als 2017.

          Den bereinigten operativen Gewinn beziffert Vapiano nunmehr auf 29 bis 31 Millionen Euro. Geplant waren 34 bis 38 Millionen Euro und ursprünglich einmal 42 bis 47 Millionen Euro. Auch das hätten einmal 48 bis 54 Millionen Euro sein sollen. Und von den 38,8 Millionen Euro des Jahres 2017 ist man weiter entfernt denn je.

          VAPIANO SE INH. O.N.

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          Jetzt soll ein drastischer Umbau helfen. In der Führungsetage gab es diesen gewissermaßen schon. Zum 1. Dezember 2018 ersetzte Cornelius Everke im besten beiderseitigen Einvernehmen Jochen Halfmann nach drei Jahren als Vorstandsvorsitzenden. Halfmann hatte Gregor Gerlach abgelöst, der 2011 aus dem Aufsichtsrat heraus für eine Übergangszeit das Amt übernommen hatte, die dann vier Jahre dauerte. Vapiano-Mitgründer Gerlach wechselte zurück in den Aufsichtsrat.

          Zum Jahresbeginn waren dann zeitgleich Andrea Rolvering als Leiterin der Investor Relations und Thomas Tochtermann als Aufsichtsratsvorsitzender ausgeschieden. Auch Rolvering war eine Interimslösung gewesen, die das Amt länger als ein Jahr innehatte. Tochtermann trat nach drei Jahren Amtszeit aus persönlichen Gründen zurück.

          Die Geduld der Anleger mit Vapiano scheint angesichts der harschen Kursreaktion begrenzt zu sein.Ein Händler sagte: „Wir haben es bei Vapiano mit einer Abfolge falscher Managemententscheidungen und nachlassender Produktqualität zu tun.“ Es wäre nicht verwunderlich, wenn sich die Situation weiter verschärfe.

          Den Wind eiskalt im Gesicht

          Am Freitagabend verwies das erst im Sommer 2017 an die Börse gegangene Unternehmen schließlich auf eine „nicht zufriedenstellende operative Entwicklung des vierten Quartals 2018 sowie die schwache Entwicklung einiger neu eröffneter Restaurants“. Bekannt ist, dass Vapianos europäische Expansion, die jetzt deutlich gedrosselt werden soll, nicht so verlief, wie vom Unternehmen erwartet, besonders in Schweden.

          Dem Gastronomieanbieter wehe der Wind eiskalt ins Gesicht, sagt Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Das operative Ergebnis liege weit unter den selbst gesteckten Zielen, entsprechend verschreckt seien die Investoren. „Es hat sich bereits bei den Großen wie McDonalds und Starbucks abgezeichnet, dass es in der Branche schwieriger wird.“ Der Aktienkurs von Vapiano spreche Bände.

          Für Analyst Christian Bruns von Pareto Securities kommt der aktuelle Kursrutsch angesichts der sehr schwachen Geschäftsentwicklung ebenso wenig überraschend. Der Abwärtstrend beschleunige sich, so Bruns. Dass nun auch noch Wertberichtigungen hinzu gekommen seien, sei wenig erfreulich. Die Restaurantkette befinde sich in Finanzierungsgesprächen und habe möglicherweise weiteren Kapitalbedarf. Gleichwohl hält Bruns die Situation bei Vapiano noch nicht für bedrohlich, auch weil die Großaktionäre den Glauben an das Unternehmen offenbar noch nicht verloren hätten.

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