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Prognosesenkung : BASF zieht den Aktienmarkt nach unten

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Die Zeiten sind für die BASF gerade nicht günstig. Bild: dpa

Die deutliche Prognosesenkung des Chemiekonzerns BASF drückt nicht nur dessen Aktienkurs, sondern auch die Stimmung am gesamten deutschen Aktienmarkt.

          Es war schon ein Hammer, den der weltgrößte Chemiekonzern BASF am Montagabend für die Anleger bereit hatte. Nachdem er ihnen schon vor knapp zwei Wochen mit der Ankündigung von Entlassungen den Spaß verdorben hatte, präsentierte er ihnen nun eine Senkung der Prognosen, die sich gewaschen hatte:

          Statt um bis zu 10 Prozent wachsen, soll das Betriebsergebnis nun sinken, und zwar gleich um bis zu 30 Prozent, weil die globale Industrieproduktion deutlich langsamer als erwartet wächst. Im zweiten Quartal fiel das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen um fast die Hälfte auf eine Milliarde Euro. Verantwortlich macht der Konzern dafür nicht zuletzt die Handelskonflikte.

          Schon am Vorband fiel auf der Handelsplattform Tradegate der Aktienkurs der BASF um 5 Prozent. An der Börse wird diese Kursbewegung am Dienstag nachvollzogen. Dagegen steigt der Kurs aktuell auf Tradegate wieder, wenn auch nur leicht. Insofern möchte man sagen, so schlimm kann es nicht sein.

          BASF

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          Denn so unerwartet kam die Prognosesenkung nicht, allein schon wegen der angekündigten Stellenstreichungen. Zudem kamen andere Chemie-Unternehmen der BASF zuvor, so etwa der Schmierstoffe-Hersteller Fuchs Petrolub am vergangenen Freitag. Da kann es dann auch nicht überraschen, dass dies auch auf die Kurse anderer Chemie-Unternehmen drückt, wie Covestro oder Evonik.

          Die Analysten sahen mehrheitlich jedenfalls keinen Grund, ihre Einschätzungen grundsätzlich zu überdenken. Jefferies senkten ihr Kursziel von 69 auf 62 Euro, die Deutsche Bank von 80 auf 72 Euro. Grund für die verhaltene Reaktion war vor allem, dass die Empfehlungen ohnehin nur noch auf „Halten“ lauteten. Fast zwei Drittel der Analysten sehen dies so, so dass sich jetzt nur nocj JP Morgan der schon vorherrschenden Meinung anschloss.

          Die Prognosesenkung des Chemiekonzerns sei zu erwarten gewesen, nicht aber in diesem Ausmaß, schrieb Analyst Tim Jones von der Deutschen Bank. Die Bewertung der Aktie sei zwar günstig, aber das Management müsse nun eine Verbesserung der Gewinnmargen erreichen.

          F.A.Z.-Index

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          Analyst Andrew Stott von der Schweizer Großbank UBS ist der Ansicht, es sei von einer längeren Phase des Überangebots in wichtigen Sparten des Unternehmens auszugehen. Positiv sei, dass das Effizienzprogramm nun einen Schub erhalte. Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs fand noch etwas Positives: Immerhin wolle die BASF an ihrer progressiven Dividendenpolitik festhalten.

          Bei vielen Investoren werden die Konjunktursorgen nun wieder größer. Auch die in jüngster Zeit vielfach zu hörende Aussage von Fondsmanagern, man rechne zwar mit einer schwächeren Entwicklung, aber keiner Rezession, worauf oft der Zusatz folgte „nicht in diesem Jahr“, erhält so eine neue Bedeutung. Gleichzeitig sind die Hoffnungen auf eine Zinssenkung in Amerika gesunken.

          "Manche Händler haben sich etwas zu sehr auf den Gedanken konzentriert, dass die Fed die Zinsen schon in diesem Monat senken wird, und dann vielleicht noch einmal in diesem Jahr, was die Märkte befeuert hat", sagte David Madden vom Broker CMC Markets.

          Für den F.A.Z.-Index, der den deutschen Aktienmarkt mit 100 Werten umfassender abbildet als der mehr beachtete Standardwerteindex Dax, geht es jedenfalls um mehr als 1 Prozent auf 2279 Punkte abwärts.

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